Marko Arnautovic beendet nach 137 Länderspielen seine ÖFB-Karriere
Los Angeles, 03. Juli 2026
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Kurzfassung
Nach dem 0:3 gegen Spanien im Achtelfinale der WM in Los Angeles hat Marko Arnautovic seine Karriere in der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft beendet. Der 37-Jährige hält mit 137 Einsätzen und 49 Toren die Rekorde des ÖFB und verabschiedete sich unter Tränen.
Der 37-jährige Wiener Marko Arnautovic hat nach 137 Länderspielen und dem 0:3 im WM-Achtelfinale gegen Spanien in Los Angeles seine Karriere in der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft beendet.
Es war ein Abschied, der die Dimension einer Ära hatte. Nach dem Schlusspfiff der Achtelfinal-Niederlage Österreichs gegen Spanien ging Marko Arnautovic, inzwischen ohne Schuhe, über den Rasen, sichtlich bewegt, mit feuchten Augen. Vor dem Mikrofon von ServusTV rang er um Fassung: „Das ist eine Katastrophe. Ich habe schon genug geweint." Später erklärte er: „Beim Schlusspfiff war mir klar, dass es für mich das letzte Mal war. Es fühlt sich katastrophal an, aber ich habe schon genug geweint."
Mit 137 Einsätzen und 49 Toren verlässt Arnautovic die Auswahl des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) als alleiniger Rekordhalter in beiden Kategorien. Im Oktober 2025 hatte er mit vier Toren beim 10:0 gegen San Marino den damaligen Rekord von Toni Polster überholt und sich endgültig an die Spitze der ewigen Torschützenliste gesetzt. Auch die Zahl der Länderspiele ist Bestwert – ein Beleg für eine Karriere, die am 11. Oktober 2008 unter Teamchef Karel Brückner mit einem 1:1 auf den Färöer-Inseln begonnen hatte und sich über 18 Jahre erstreckte.
Ein Rekordspieler sagt Lebwohl
„Es ist und war das größte Highlight meiner Karriere, mit meinem Land hier bei einer Weltmeisterschaft spielen zu dürfen“, sagte Arnautovic. „Es trifft mich zum Schluss, dass ich meine zweite Familie ab jetzt nicht mehr am Platz sehen werde." In der Kabine fand er noch einmal Worte an die Mannschaft. Teamkollegen und Betreuer hätten Tränen in den Augen gehabt, berichtete ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick später. „Ich denke, bis zum Ende ihres Lebens werde ich immer ein großer Bruder sein für sie. Ich werde sie weiterhin hinter den Kulissen unterstützen und anfeuern. Aber es tut sehr weh, dass es das letzte Mal war“, sagte Arnautovic über seine Ansprache.
Der 68-jährige Deutsche Rangnick sprach von einem „besonderen Moment“ und einer „besonders berührenden und natürlich traurigen Atmosphäre“. Er bedauerte, dass er Arnautovic in den zurückliegenden Wochen nicht häufiger und nicht einmal über 90 Minuten habe einsetzen können. „Er hat nach seinem letzten Wechsel nach Belgrad nicht immer regelmäßig gespielt“, erklärte Rangnick zur sportlichen Situation seines Schützlings. „Ich hätte ihn natürlich gerne öfter länger dabei gehabt und auch mal in einem Spiel über 90 Minuten – aber das ist leider nicht möglich gewesen.“
Die letzte Partie gegen Spanien
Gegen Spanien, den regierenden Europameister, wurde Arnautovic in der zweiten Hälfte eingewechselt, als Österreich bereits 0:1 zurücklag. Eine Wende konnte er nicht mehr einleiten. Zwar hatte er bei dieser WM in vier Spielen zwei Tore erzielt und dreimal als Einwechselspieler gewirkt, doch im entscheidenden Spiel reichte es nicht mehr. „Wir haben alles versucht, aber Spanien ist eine überragende Mannschaft. Leider hat es heute nicht gereicht. Trotzdem können wir stolz auf das sein, was wir bei dieser Weltmeisterschaft geleistet haben“, bilanzierte Arnautovic.
Der ÖFB war bei dieser Endrunde über die Gruppenphase hinausgekommen. Ein spätes 3:3 gegen Algerien hatte den Einzug in die K.o.-Runde gesichert, ehe die Reise in Los Angeles gegen Spanien endete. Arnautovic gehörte zu den prägenden Figuren des Turniers. Er ist einer von nur vier österreichischen Spielern – neben Ivica Vastic, Romano Schmid und Sasa Kalajdžić –, die sowohl bei einer WM als auch bei einer EM getroffen haben. Mit den Teilnahmen an den Europameisterschaften 2016, 2021 und 2024 hält er zudem den Rekord für die meisten EM-Teilnahmen eines Österreichers.
Schon vor dem letzten Auftritt war Arnautovic zu Tränen gerührt. Er bedankte sich bei „der ganzen Nation, bei allen Österreichern. Auch die, die mich schon lange raushaben wollten: Auch bei denen bedanke ich mich. Ich bedanke mich wirklich bei allen“. Er sprach von „sehr, sehr vielen schönen Momenten, sehr vielen auch nicht so schönen Momenten“. Damit verwies er ohne es auszusprechen auf eine Karriere mit Höhen und Tiefen, auf den Ruf als polarisierende Figur und auf Sprüche wie „Für mich auch Mahlzeit“ oder „Shampoo“, die Teil seines öffentlichen Bildes geworden waren.
Stimmen aus dem Team
Die Reaktionen aus dem Team fielen durchwegs emotional aus. Mittelfeldspieler Konrad Laimer sagte: „Ein unglaublicher Charakter, ein unglaublicher Fußballer. Er hat immer alles gegeben, er ist immer vorangegangen, und dafür gibt es nur den größten Respekt von meiner Seite. Ich bin froh, dass ich ein kleiner Teil seines Weges sein konnte.“ Verteidiger Stefan Posch bezeichnete Arnautovic als „überragenden Spieler und noch viel mehr ein überragenden Mensch. Ich kann nicht mehr als danke sagen.“ Stürmer Sasa Kalajdžić erklärte: „Er ist ein ganz, ganz Großer. Wir haben ihn alle extrem gerne und am liebsten wollen wir, dass er weitermacht, aber es ist seine Entscheidung. Ich wünsche ihm nur das Beste, bin froh, dass ich ihn kenne und mit ihm den Platz teilen durfte.“ Auch Romano Schmid sprach von einem „Gänsehaut-Moment und schon traurig“.
Marcel Sabitzer, der 32-Jährige, hielt seine eigene Zukunft im Nationalteam offen. „Ich bin sehr traurig. Mir fehlen ein bisschen die Worte. Ich bin immer dankbar, wie er mich aufgenommen hat, für die gemeinsame Zeit, für das, was er für Österreich und das Team gemacht hat. Er wird stolz, wir sind stolz auf ihn. Wir wollten ihn und uns länger im Turnier halten, aber leider.“ Gleichzeitig gab Sabitzer einen Ausblick: „Der Trainer hat sich zu uns bekannt, wir haben eine gute Mannschaft, deshalb können wir positiv in die Zukunft blicken. Alles andere ist erstmal Zukunftsmusik.“
Alaba und Sabitzer halten Zukunft offen
Auch David Alaba ließ seine Zukunft im ÖFB-Trikot offen. Der 34-jährige Teamkapitän, dessen Vertrag bei Real Madrid nach der vergangenen Saison ausgelaufen ist und der damit ablösefrei wechseln könnte, erklärte: „Ich habe mir überhaupt keine Gedanken gemacht um meine Zukunft, auch auf Clubebene noch nicht. Ich war sehr konzentriert und fokussiert auf diese Weltmeisterschaft. Jetzt werde ich erst mal diesen bitteren Moment verarbeiten müssen. Das wird sicherlich ein paar Tage dauern, und dann mache ich mir Gedanken.“ Alaba hat 117 Länderspiele bestritten, diese WM war seine erste Teilnahme an einer Weltmeisterschaft.
Rangnick hob die sportliche Bedeutung Arnautovics für die jüngere ÖFB-Geschichte hervor: „Ohne Marko und ohne Markos Tore wären wir womöglich nicht zur Euro nach Deutschland gefahren und wären wir vielleicht auch hier nicht dabei gewesen.“ Tatsächlich war Arnautovic bei der EM 2024 mit seinem Tor gegen Polsen ein wichtiger Baustein zum Gruppensieg vor Frankreich und den Niederlanden. Auch bei der EM 2021 hatte er im Achtelfinale gegen Italien kurz Hoffnung auf eine Sensation geweckt.
Sein letzter Vereinseinsatz vor der WM lag bei Roter Stern Belgrad. Wegen fehlender Spielpraxis konnte Rangnick ihn in den USA nur dosiert einsetzen. Diese Umstände machten den Abschied noch bitterer. Ob Arnautovic noch ein offizielles Abschiedsspiel erhalten wird, war zum Zeitpunkt der Partie gegen Spanien noch unklar. Rangnick deutete an, dass er sich eine solche Geste für den Rekordspieler vorstellen könne.
Eine Ära geht zu Ende
Arnautovic selbst zeigte sich nach dem Ausscheiden gefasst, aber auch verletzt. Er sprach von der „zweiten Familie“, die er auf dem Rasen vermissen werde, und bekräftigte, die Mannschaft weiter unterstützen zu wollen – „hinter den Kulissen“. Damit endet eine der prägendsten Karrieren des österreichischen Fußballs der Gegenwart. Von Wien über Belgrad, Bremen, Stoke, West Ham, Shanghai und Mailand führte sein Weg zurück nach Belgrad – und nun, mit 37 Jahren, vorerst ohne Nationalteam.
Die Niederlage gegen Spanien und der Abschied Arnautovics fallen in eine Phase, in der das ÖFB-Team um Rangnick eine Verjüngung anstrebt. Sabitzers Hinweis auf die „gute Mannschaft“ und Rangnicks Bekenntnis zur Mannschaft verweisen darauf, dass der Umbruch bereits begonnen hat. Alabas Entscheidung über seine Zukunft steht aus, dürfte aber in den kommenden Wochen öffentlich werden.
Mit Arnautovic verliert die Mannschaft nicht nur ihren Kapitän der letzten Jahre und ihren Torjäger, sondern auch eine Integrationsfigur, die zwischen erfahrenen Profis und jungen Spielern wie Romano Schmid oder Sasa Kalajdžić vermittelte. Seine Worte an die Mannschaft – „Ich werde immer ein großer Bruder sein für sie“ – werden in der Kabine nachhallen, auch wenn er selbst nicht mehr mit ihnen auf dem Platz stehen wird.
Ausblick auf die Zeit nach Arnautovic
Zum Abschluss blieb Arnautovic auf dem Rasen, wechselte ein paar Worte mit spanischen Spielern und verließ das Stadion mit hängenden Schultern. Ein Bild, das den Kontrast zwischen dem Ende eines Kapitels und dem Aufbruch in eine neue Ära des österreichischen Fußballs zusammenfasst.
APA
Fragen & Antworten
Wer ist Marko Arnautovic und warum ist sein Abschied bedeutsam?
Marko Arnautovic ist ein 37-jähriger Wiener, der mit 137 Länderspielen und 49 Toren die Rekorde des ÖFB hält. Er beendete seine Karriere nach dem 0:3 im WM-Achtelfinale gegen Spanien in Los Angeles.
Welche Rekorde hat Arnautovic in der österreichischen Nationalmannschaft aufgestellt?
Arnautovic hält mit 137 Einsätzen den Rekord für die meisten Länderspiele und mit 49 Toren den Rekord für die meisten Tore in der Geschichte des ÖFB. Im Oktober 2025 hatte er mit vier Toren gegen San Marino den Torrekord von Toni Polster überholt.
Wie hat ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick auf den Abschied reagiert?
Rangnick sprach von einem „besonderen Moment“ und einer besonders berührenden Atmosphäre in der Kabine. Er bedauerte, dass er Arnautovic wegen dessen fehlender Spielpraxis nach dessen Wechsel nach Belgrad nicht häufiger und nicht über 90 Minuten habe einsetzen können.
Arnautovic Abschied: ÖFB-Rekord nach 137 Länderspielen | nachrichten360