Maria Scholl und Klemens Ganner übernehmen interimistisch die APA-Führung
Wien, 17 Juni 2026
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Kurzfassung
Die Chefredakteurin Maria Scholl und der COO Klemens Ganner führen ab sofort interimistisch die Geschäfte der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Sie folgen auf Clemens Pig, dessen Verträge einvernehmlich aufgelöst wurden und der 2027 designierter ORF-Generaldirektor ist.
Wien, 17 Juni 2026
Die APA-Chefredakteurin Maria Scholl und der COO Klemens Ganner haben am Mittwoch bei einer Eigentümerversammlung der Austria Presse Agentur interimistisch die Führung der APA-Geschäfte übernommen.
Die Eigentümerversammlung der Austria Presse Agentur beschloss am Mittwoch, Maria Scholl zum geschäftsführenden Vorstandsmitglied und Klemens Ganner zum zweiten Geschäftsführer zu bestellen. Damit übernehmen die beiden langjährigen APA-Mitarbeiter übergangsweise die operative Leitung der österreichischen Nachrichtenagentur-Gruppe, wie die APA mitteilte. Scholl steht seit 2023 an der Spitze der APA-Redaktion, Ganner ist seit 2023 Chief Operating Officer der APA Group.
Vorangegangen war die frühzeitige, einvernehmliche Auflösung der Verträge von Clemens Pig, der die APA zehn Jahre lang geführt hatte. Pig war in der Vorwoche vom Stiftungsrat zum ORF-Generaldirektor gewählt worden, sein dortiger Amtsantritt ist für 2027 vorgesehen. In einer Presseaussendung erklärte Pig: "Nach zehn erfüllenden und erfolgreichen Jahren an der Spitze der APA freue ich mich sehr, den Führungsstab innerhalb des etablierten Managements der österreichischen Nachrichtenagentur-Gruppe weiterzugeben."
Die neue Doppelspitze im Profil
Maria Scholl ist 41 Jahre alt, gebürtige Wienerin und steht der APA-Redaktion seit 2023 vor. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Psychologie und promovierte über Methoden der Leseforschung. Sie ist bereits seit 2007 und damit bald 20 Jahre für die APA tätig. Ab 2010 arbeitete sie als Redakteurin für Kultur und Wissenschaft, ab 2018 übernahm sie regelmäßig die Rolle der Newsmanagerin beziehungsweise Chefin vom Dienst, und 2019 wurde sie zur stellvertretenden Chefredakteurin befördert. In dieser Funktion verantwortete sie zentrale Struktur- und Technologieprojekte der Redaktion. 2025 wurde Scholl zudem zur Präsidentin des Vereins der Chefredakteurinnen und Chefredakteure gewählt.
Klemens Ganner ist 50 Jahre alt und gebürtiger Wiener. Er studierte in Wien und Illinois Betriebswirtschaft und trat 2003 in die APA ein. Er betätigte sich in seiner Anfangszeit etwa im Business Development und Key Account Management. 2009 übernahm er die Geschäftsführung der Bildagentur PictureDesk, die heute als APA-Images firmiert, und wurde 2016 Geschäftsführer der damaligen APA-DeFacto, die mittlerweile als APA-Comm auftritt. Seit 2019 ist Ganner Prokurist der Austria Presse Agentur.
Personelle Veränderungen in Vorstand und Aufsichtsrat
Die APA teilte mit, dass Scholl und Ganner das Unternehmen bestens kennen und damit eine nahtlose Übergangsphase gewährleisten würden. Vorstandsvorsitzender Hermann Petz ("Tiroler Tageszeitung") und Aufsichtsratsvorsitzende Ingrid Thurnher dankten Pig für die "erfolgreiche Führung der APA in den vergangenen zehn Jahren" und erklärten, man freue "auf die Zusammenarbeit mit Maria Scholl und Klemens Ganner, die das Unternehmen bestens kennen und damit eine nahtlose Übergangsphase gewährleisten."
Im Zuge der Eigentümerversammlung wurden auch weitere personelle Veränderungen in den Gremien der APA beschlossen. Alexander Mitteräcker ("Der Standard") wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden des APA-Vorstands gewählt. Neu in den Vorstand zogen Harald Kräuter (ORF) und Oliver Pokorny (Kleine Zeitung) ein, während Hubert Patterer (Kleine Zeitung) aus dem Gremium ausschied. Ingrid Thurnher wechselte vom Vorstand in den Aufsichtsrat und übernahm dort den Vorsitz. Das Aufsichtsratspräsidium besteht nun aus Ingrid Thurnher als Vorsitzender sowie Richard Grasl ("Kurier") und Markus Mair (Styria) als ihre Stellvertreter.
Das Vorstandspräsidium der APA setzt sich aus Hermann Petz ("Tiroler Tageszeitung") als Vorsitzendem, Eugen A. Russ ("Vorarlberger Nachrichten") und Alexander Mitteräcker als Stellvertretern sowie Maria Scholl (APA) als geschäftsführendem Vorstandsmitglied zusammen. Damit ist die Führungsstruktur der APA auf Vorstands- und Aufsichtsratsebene mit Vertreterinnen und Vertretern wichtiger österreichischer Medienhäuser breit aufgestellt.
Wirtschaftliche Bilanz 2025
Die APA-Gruppe hatte im Geschäftsjahr 2025 einen konsolidierten Umsatz von 77,5 Millionen Euro erzielt, was einem Rückgang um 2,8 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Rückgang ist auf den Verkauf des Tochterunternehmens Gentics Software GmbH zurückzuführen, was jedoch auf den Verkauf des Tochterunternehmens Gentics Software GmbH zurückzuführen ist. Bereinigt um diesen Effekt steigerte die APA-Gruppe ihren Umsatz um 0,9 Prozent. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) belief sich auf 3,8 Millionen Euro nach 2,3 Millionen Euro im Jahr 2024.
Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, gemessen in Vollzeitäquivalenten, sank von 516 auf 474, wobei 26 der weggefallenen Stellen auf den Verkauf von Gentics entfielen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr bündelte die APA zudem ihre Tochtergesellschaften APA-OTS und APA-DeFacto, die im Vorjahr rechtlich unter der APA-Comm GmbH zusammengeführt wurden.
Technologie und KI-Offensive
2025 stand bei der APA unter anderem die Entwicklung des neuen Redaktionssystems "FIRST by APA" im Mittelpunkt. Mit "Agenda" wurde mittlerweile ein erstes Modul implementiert. Die hauseigene Bildagentur tritt seit November unter dem Namen APA-Images auf; ihr Bildbestand wurde in die zentrale Recherche- und Planungsplattform APA-NewsDesk integriert und mit semantischer KI-Bildersuche sowie teilweise KI-basierter Gesichtserkennung ergänzt.
Im März realisierte die APA in Kooperation mit der AI Factory Austria AI:AT ein selbst entwickeltes KI-Modell namens "AustroBERT", das als Grundlage für die Kategorisierung von Medientexten dient. Mit dem Programm "APA[2]AI" legte die APA mit dem Programm "APA[2]AI" bereits die nächste Evolutionsstufe ihrer KI-Strategie vor. Sie umfasst das gesamte Leistungs-, Produkt- und Serviceportfolio der APA-Gruppe. Herzstück ist die Aufbereitung des APA-Nachrichtenstroms als vertrauenswürdige Basis für agentische Verwendung durch KI-Infrastruktur in Kundennewsrooms.
Ausblick auf 2026
Für das laufende Geschäftsjahr kündigte die APA an, dass 2026 im Zeichen der Entwicklung eines Strategieupdates für die Jahre 2027 bis 2030 stehen werde. Mit der interimistischen Doppelspitze aus Scholl und Ganner soll die Phase bis zur endgültigen Neubesetzung der APA-Spitze organisatorisch abgesichert werden. Die Eigentümerinnen und Eigentümer stellten damit zugleich die Weichen für eine Kontinuität in der Führung der österreichischen Nachrichtenagentur.
Scholl und Ganner gelten als gut vernetzt innerhalb des Hauses und stehen sowohl für redaktionelle als auch für betriebswirtschaftliche Expertise. Während Scholl seit Jahren die redaktionellen Geschicke der APA lenkt, bringt Ganner seine Erfahrung aus der Geschäftsführung von APA-Comm und seiner COO-Funktion in die neue Rolle ein. Beide sind in Wien geboren und aufgewachsen, haben an internationalen Institutionen studiert und kennen die österreichische Medienlandschaft aus langjähriger Praxis.
Die APA ist die österreichische Nachrichtenagentur-Gruppe und liefert Nachrichten, Bilder sowie multimediale Inhalte an Medien, Unternehmen und öffentliche Stellen im In- und Ausland. Mit der interimistischen Lösung reagieren die Eigentümer auf den überraschenden Wechsel von Pig zum ORF, der Ende 2026 beziehungsweise Anfang 2027 vollzogen werden soll. Bis dahin führen Scholl und Ganner die Geschäfte der APA gemeinsam.
Mit der Bestellung Scholls zur Präsidentin des Vereins der Chefredakteurinnen und Chefredakteure und ihrer gleichzeitigen Berufung in die APA-Geschäftsführung verbindet sich auch eine standespolitische Dimension: Die APA-Chefredakteurin vertritt künftig nicht nur die Interessen der österreichischen Chefredaktion gegenüber der Agentur, sondern auch in der gesamten Branche.
Fragen & Antworten
Wer sind Maria Scholl und Klemens Ganner?
Maria Scholl (41) leitet seit 2023 die APA-Redaktion und arbeitet seit 2007 für die Nachrichtenagentur; Klemens Ganner (50) ist seit 2023 COO der APA Group und seit 2009 in Führungsrollen der Gruppe tätig.
Warum kam es zum Wechsel an der APA-Spitze?
Der bisherige APA-Chef Clemens Pig wechselt 2027 als designierter ORF-Generaldirektor zum ORF; seine Verträge wurden vorzeitig und einvernehmlich aufgelöst, bevor Scholl und Ganner interimistisch bestellt wurden.
Welche Aufgaben übernehmen Scholl und Ganner konkret?
Scholl wurde zum geschäftsführenden Vorstandsmitglied bestellt, Ganner zum zweiten Geschäftsführer ernannt; beide sollen den Übergang bis zur endgültigen Neubesetzung der APA-Spitze organisatorisch absichern.
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