Marcel Rapp übernimmt beim FC St. Pauli – Demut und klare Ansage an die 2. Bundesliga
Hamburg, 08. Juni 2026
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Kurzfassung
Marcel Rapp ist am Montag offiziell als neuer Cheftrainer des FC St. Pauli vorgestellt worden. Der 47-Jährige tritt die Nachfolge von Alexander Blessin an und will den Bundesliga-Absteiger in der 2. Bundesliga neu ausrichten.
Marcel Rapp ist am Montag offiziell als neuer Cheftrainer des FC St. Pauli vorgestellt worden und tritt beim Fußball-Zweitligisten die Nachfolge von Alexander Blessin an.
Neuanfang am Millerntor
Der 47-Jährige aus Pforzheim übernimmt einen Club, der rund drei Wochen zuvor aus der Bundesliga abgestiegen war. Blessin war einen Tag vor der Bekanntgabe Rapps am Freitag freigestellt worden. Sportchef Andreas Bornemann erklärte am Montag, man habe in den Gesprächen von Beginn an eine hohe Energie gespürt: „Die Gespräche mit ihm waren von Beginn an energiegeladen.“ Bornemann hob zudem hervor, dass Rapp sowohl die 2. Bundesliga als auch den aktuellen Kader gut kenne – zwei entscheidende Faktoren für die Wahl.
Rapp selbst ordnete den Wechsel mit großer Demut ein. „Der größte Fehler ist, zu denken, man ist noch ein Erstligist und spielt in der Zweiten Liga wie ein Erstligist. Dann hat man gar keine Chance. Man muss die Liga annehmen und man muss die Liga respektieren“, sagte der neue Coach bei seiner Präsentation am Millerntor. Diese Haltung solle sich nicht in Worten erschöpfen, sondern in Taten auf dem Platz zeigen: „Ich glaube, man muss die Liga annehmen, man muss die Liga respektieren. Trotzdem bringt es nichts, nur darüber zu reden, sondern das muss man mit Taten füllen.“
Erfahrung aus Holstein Kiel
Für Rapp ist es die erste Station nach einer rund viermonatigen Pause, die er als „verlängerten Sommerurlaub“ bezeichnete. In dieser Zeit habe er nach eigenem Bekunden viel Fußball geschaut und sich einen Überblick über verschiedene Ligen verschafft. „Ich habe viel Fußball geguckt, ich habe mir einen Überblick verschafft über viele Ligen, weil ich einfach noch mehr Zeit hatte. Und deswegen kam es mir jetzt gar nicht so lang vor“, erklärte der 47-Jährige. Mit seiner Familie war er während der Pause in der Nähe von Kiel wohnen geblieben.
Rapp bringt reichlich Erfahrung aus dem deutschen Profifußball mit. Rund viereinhalb Jahre lang hatte er Holstein Kiel betreut und den Verein 2024 erstmals in die Bundesliga geführt. Nach dem Abstieg der Kieler trennte sich der Club am 24. Februar von ihm, weil zeitweise sogar der Gang in die 3. Liga drohte. In St. Pauli sieht Rapp nun die Chance, einen Club nach einem ähnlichen Schema wieder zu stabilisieren, wie er es einst in Kiel vorgemacht hatte.
Co-Trainer Schuster kommt mit
Als Co-Trainer steht Rapp künftig Jens Schuster zur Seite, der zuletzt als Chefscout bei Holstein Kiel arbeitete und bereits in der Jugendabteilung der TSG Hoffenheim mit Rapp zusammengearbeitet hatte. Der 49-Jährige ist neben Peter Németh und Erico Cortez der dritte Co-Trainer im St.-Pauli-Team. Schuster kennt das Trainergespann also bereits aus früheren gemeinsamen Stationen.
Inhaltlich setzte Rapp in seiner ersten Pressekonferenz die Leitplanken für seine Arbeit. „Laufen, kämpfen, Leidenschaft“ sei das erste Gebot für seine neue Mannschaft, sagte der Coach. Darüber hinaus wolle man „inhaltlich ordentlichen Fußball spielen. Und dann sind wir auch bereit, in der Liga zu bestehen.“ Diese Mischung aus Grundtugenden und spielerischer Qualität soll das Fundament für die kommende Zweitliga-Saison bilden, in der St. Pauli zunächst einmal im oberen Drittel mitmischen will.
Kaderplanung läuft auf Hochtouren
Konkrete Saisonziele wollte Rapp zum Zeitpunkt der Vorstellung noch nicht formulieren. „Ich bin jetzt ganz neu da und muss mir einen Überblick verschaffen über den Kader. Und da wird ja vielleicht auch noch was passieren, bevor man dann konkret über Ziele spricht“, sagte er. Die Vorbereitung auf die neue Spielzeit beginnt am 26. Juni – bis dahin gilt es, den Kader zusammenzustellen und erste taktische Weichen zu stellen.
An Personalfragen mangelt es derzeit nicht. Verteidiger Hauke Wahl steht laut Medienberichten vor einem Wechsel zum ebenfalls abgestiegenen VfL Wolfsburg. Auch Eric Smith und Joel Chima Fujita zählen zu den Kandidaten, die St. Pauli noch verlassen könnten. Ein Umbruch im Kader ist damit wahrscheinlich, was die Aufgabe für den neuen Coach zusätzlich vergrößert.
Bornemann begründete den Trainerwechsel mit der Notwendigkeit, frische Impulse zu setzen. „Und den kriegen wir wahrscheinlich mit einem anderen Trainer besser hin“, sagte der Sportchef. Man habe zwei Jahre lang gemeinsam mit Blessin die Bundesliga-Erfahrung verarbeitet und am Ende eine Trennung vollzogen, die „die nötige Sorgfalt und Zeit“ verdient habe: „Ich glaube, es ist durchaus verständlich, dass man für so eine Personalie auch die nötige Sorgfalt und Zeit sich nimmt.“
Bornemann begründet den Wechsel
Über die Trennung von Blessin hinaus betonte Bornemann, dass man sich auf die kommende wichtige Saison freue. „Insofern bin ich sehr, sehr froh, dass wir dann auch in der Folge eine Lösung gefunden haben, diese wichtige Saison, die jetzt bevorsteht, gemeinsam angehen zu können“, sagte er. Die Wertschätzung für den Vorgänger Blessin wurde dabei nicht in Frage gestellt – die Entscheidung sei am Ende aber unausweichlich gewesen.
Zumindest mittelfristig peilt St. Pauli laut Bornemann und Rapp weiterhin einen Platz in den Top 25 der europäischen Club-Fußball-Rangliste an. „Aber grundsätzlich ist das Ziel von St. Pauli schon länger die Top 25. Und ich glaube, das ist der Anspruch, dem man auch gerecht werden kann“, sagte Rapp. Bornemann bestätigte dieses Ziel als sportliche Richtschnur für die kommenden Jahre.
Ausblick auf die neue Saison
Für den 47-Jährigen beginnt nun eine Phase, in der er den Verein, die Stadt und das Umfeld am Millerntor erst noch richtig kennenlernen muss. Mit Schuster bringt er allerdings einen Vertrauten mit, der sowohl die 2. Bundesliga als auch Teile des Scoutsystems aus Kiel bestens kennt. Diese Kombination aus eigener Erfahrung und einem eingespielten Co-Trainer dürfte Rapp den Einstieg erleichtern.
Hinter den Kulissen dürfte zudem die Kaderplanung in den kommenden Wochen eine zentrale Rolle spielen. Mit dem Trainingsstart am 26. Juni bleibt Rapp nur wenig Zeit, um die Mannschaft auf die Zweitliga-Spielzeit einzustellen. „Du musst ins Machen kommen, und da fangen wir jetzt schon an. Und wenn die Jungs dann kommen, sind wir bereit, und dann werden wir die Jungs auch gut vorbereiten“, kündigte der Coach an.
Insgesamt zeigt sich Rapp bei seiner ersten öffentlichen Begegnung mit den Medien als bodenständiger Arbeiter, der den Aufgaben in der 2. Bundesliga mit Respekt begegnet. Statt großer Ankündigungen setzt er auf Demut, harte Arbeit und einen klaren Blick für die Realität nach dem Abstieg. Diese Tonlage dürfte nicht nur den Fans, sondern auch der Clubführung entgegenkommen, die in den kommenden Wochen vor allem Stabilität einfordert.
Fragen & Antworten
Wer ist Marcel Rapp und woher kommt er?
Marcel Rapp ist 47 Jahre alt und stammt aus Pforzheim in Baden. Er war rund viereinhalb Jahre Cheftrainer von Holstein Kiel und führte die Norddeutschen 2024 in die Bundesliga.
Warum hat sich der FC St. Pauli von Alexander Blessin getrennt?
Der FC St. Pauli trennte sich nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga von Alexander Blessin. Sportchef Andreas Bornemann erklärte, man habe sich zwei Jahre lang gemeinsam mit Blessin durch die Bundesliga-Erfahrung gearbeitet und am Ende die Trennung vollzogen.
Was ist das Saisonziel des FC St. Pauli unter dem neuen Trainer?
Als konkretes Saisonziel nannte der Verein das obere Drittel der Tabelle in der 2. Bundesliga. Mittel- bis langfristig peilt St. Pauli laut Bornemann und Rapp zudem einen Platz in den Top 25 der europäischen Club-Rangliste an.
Rapp neuer St. Pauli-Trainer: Demut statt Größenwahn | nachrichten360