Leverkusen, 11 Juli 2026

Die linksextreme Gruppe „Kommando Angry Birds" hat per Bekennerschreiben auf der Plattform indymedia.org die Verantwortung für einen Brandanschlag auf die Bahnstrecke nördlich von Leverkusen übernommen.

Bekennerschreiben auf indymedia

Das Bekennerschreiben erschien am Samstagmorgen auf dem linken Internetportal indymedia. Darin gibt die Gruppe an, in einem großen Kabelschacht am nordöstlichen Brückenkopf der Wupperbrücke Brandsätze platziert zu haben. Zudem seien in einem schmaleren Schacht auf halber Strecke zwischen einer Unterführung und einem Funkmast ebenfalls Brandsätze deponiert worden, heißt es in dem Schreiben weiter.

Nach Angaben der Gruppe wurden für die Vorrichtungen Zeitzünder sowie ein Liter Grillanzünder verwendet. Die Ermittler haben die Echtheit des Bekennerschreibens bislang nicht bestätigt. Sicherheitskreise halten es laut Deutscher Presse-Agentur jedoch für authentisch.

Auswirkungen auf den Bahnverkehr

Laut Deutscher Bahn brannte der Bahndamm zwischen Langenfeld und Leverkusen am Freitagmorgen an zwei Stellen. Durch den Brand wurden mehrere Signalkabel beschädigt, sodass auf dem Abschnitt keine Züge fahren können. Die Strecke zwischen Düsseldorf und Köln ist seit Freitag gesperrt. Die Feuerwehr löschte den Brand. Ein technischer Defekt als Ursache gilt in Sicherheitskreisen als unwahrscheinlich.

Ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte am Samstagmittag, es könne noch keine Prognose abgegeben werden, wann die Strecke wieder befahrbar sei. Ein Polizeisprecher erklärte, es werde geprüft, ob es sich um eine Straftat handle und ob das Feuer vorsätzlich gelegt worden sei. Die Ermittlungen hat am Freitag der Staatsschutz der Kölner Polizei übernommen.

Vorgeschichte und Einordnung durch den Verfassungsschutz

Im Januar 2025 hatte die Gruppe bereits einen Brandanschlag auf „Düsseldorfs wichtigste Güterzugstrecke" für sich reklamiert. Auch etwa ein Jahr zuvor, im Sommer 2025, bekannte sich das Kommando zu einem Angriff auf die Haupteisenbahnstrecke zwischen Düsseldorf und Duisburg. Damals war die Strecke zwischen Düsseldorf und Solingen vorübergehend gesperrt.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) stuft die Gruppe als linksextremistisch ein. Nach BfV-Einschätzung zielte die Mehrzahl der Anschläge der Gruppe auf die Schienenverkehrsinfrastruktur und führte zu teils massiven Schäden und Beeinträchtigungen des Bahnverkehrs. In den vergangenen Jahren habe die Gruppe wiederholt auf einschlägigen Internetplattformen Anschläge auf kritische Infrastruktur für sich beansprucht, erklärte das Amt weiter.

In dem Bekennerschreiben setzt die Gruppe die „Industrie" mit einem „Tumor" gleich, der „neutralisiert" werden müsse. Als Motiv nannte sie „das durch den Fortschritt verursachte Massensterben". Die Gruppe bezeichnete sich selbst als Industriegegner und Anti-Tech-Bewegung, die sich für die „vollständige Zerschlagung des technologisch-industriellen Systems" zum Schutz der Natur einsetze. Sie erklärte zudem: „Diese Bewegung wird verhindern, dass der Planet geschreddert wird."

Motive und Selbstverständnis der Gruppe

Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes begründete die Gruppe den Angriff auf die Bahnstrecke Düsseldorf–Duisburg mit antikapitalistischen und ökologischen Motiven. Die Gruppe veröffentlichte auf indymedia zudem Anleitungen zum Bau von Brandsätzen, die nach BfV-Bewertung dazu dienen sollen, Dritte zu Brandanschlägen zu befähigen.

NRW-Innenminister Herbert Reul ordnet solche Anschläge der Gruppe zu. Nach vorläufigen polizeilichen Zahlen ist die Gewaltbereitschaft im Bereich des Linksextremismus in Nordrhein-Westfalen gestiegen; die Zahl der Gewalttaten habe im vergangenen Jahr deutlich zugenommen.

Wegen der Sperrung kommt es im Nah- und Fernverkehr zu Umleitungen und Verspätungen, einzelne Züge fallen aus. Wann der reguläre Betrieb auf der Strecke wieder aufgenommen werden kann, bleibt nach Angaben der Bahn weiter offen.

Über den Bekennertext im Internet hatte zuerst der WDR berichtet.

Die Fahndung nach den mutmaßlichen Tätern dauert an. Behördliche Informationen zu möglichen Festnahmen oder neuen Ermittlungsergebnissen lagen bis zum Samstagmittag nicht vor.