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Kurzfassung
Die portugiesische Autorin Lídia Jorge wird mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2026 ausgezeichnet. Die mit 25.000 Euro dotierte Ehrung wird am 27. Juli am Rande der Salzburger Festspiele von Kulturminister Andreas Babler überreicht.
Wien, 16 Juni 2026
Die portugiesische Autorin Lídia Jorge erhält den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur, der am 27. Juli am Rande der Salzburger Festspiele von Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) überreicht wird.
Wie das Kulturministerium heute mitteilte, ist die portugiesische Autorin Lídia Jorge die neue Trägerin des Österreichischen Staatspreises für Europäische Literatur. Die APA berichtete am 16. Juni 2026 über die Entscheidung. Die mit 25.000 Euro dotierte Ehrung für ihr Gesamtwerk wird Jorge am 27. Juli am Rande der Salzburger Festspiele überreicht.
Lídia Jorge wurde am 18. Juni 1946 in Boliqueime im Süden Portugals geboren und ist 79 Jahre alt. Sie studierte französische Literatur in Lissabon und verbrachte mehrere Jahre in Angola und Mosambik während der Unabhängigkeitskämpfe. Diese biographischen Erfahrungen prägen bis heute ihr literarisches Schaffen, das sich durch eine kritische Auseinandersetzung mit Kolonialismus, sozialer Ungleichheit und der Diskriminierung von Frauen auszeichnet.
Biografie und literarische Entwicklung
Jorge zählt seit Langem zu den bedeutendsten literarischen Stimmen Portugals. Über nahezu fünfzig Jahre hinweg hat sie 13 Romane sowie Kinderbücher, Erzählungen, Theaterstücke und Gedichte veröffentlicht. Zu ihren bedeutendsten Werken zählen etwa "Erbarmen" (2024) oder "Der Tag der Wunder" (1992). Zuletzt erschien von der heute in Lissabon lebenden Autorin "Die Stunde der Nelken" im Verlag Secession.
Ihre Werke wurden ins Spanische, Französische, Englische und Deutsche übersetzt und fanden damit internationale Beachtung. 2021 nahm Jorge eine Professur an der Universität Genf an, und 2022 wurde an der University of Massachusetts Amherst der Lídia-Jorge-Lehrstuhl eingerichtet. Diese akademischen Anerkennungen unterstreichen die internationale Strahlkraft der portugiesischen Autorin, die weit über die Grenzen ihres Heimatlandes hinauswirkt.
Der Staatspreis und seine Geschichte
Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur wird seit 1965 für das literarische Gesamtwerk einer europäischen Autorin bzw. eines europäischen Autors verliehen, "das international besondere Beachtung gefunden hat, was durch Übersetzungen dokumentiert sein muss". Mit dieser Vorgabe reiht sich Jorge in eine illustre Liste von Preisträgerinnen und Preisträgern ein. Zuletzt ging der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur an die Französin Marie NDiaye (2023) und die polnische Autorin Joanna Bator (2024).
Unter den früheren Ausgezeichneten befindet sich auch der ungarische Autor László Krasznahorkai, den späteren ungarischen Literaturnobelpreisträger. Diese Tradition verdeutlicht, dass der österreichische Preis immer wieder Werke würdigt, die auch international höchste Anerkennung finden. Die Jury, die aus Cristina Beretta, Thomas Keul, Thomas Macho, Marlene Streeruwitz und Andrea Zerbauer bestand, begründete ihre Entscheidung mit einer ausführlichen Würdigung von Jorges literarischem Schaffen.
Die Jurybegründung
In der Begründung der Jury heißt es, dass die Kritik am europäischen Kolonialismus zu den Grundthemen der Literatur von Lídia Jorge gehört, ebenso wie die Auseinandersetzung mit sozialer Ungleichheit und Armut, mit der Diskriminierung von Frauen, mit Rassismus oder mit der portugiesischen Nelkenrevolution von 1974. Die Jury beschrieb Jorge als "Zeugin der Zeiten und der Räume", die sich häufig dem Bericht, der Wiedergabe des Gesprochenen und Erzählten, dem Bekenntnis widmet, mitunter auch in einer Art von Polyphonie, mit kurzen Sätzen, Zitaten von Gedichten und Wörtern aus dem Spanischen, Französischen, Englischen oder Italienischen.
Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) würdigte die Ausgezeichnete mit deutlichen Worten. "Lídia Jorge ist eine der profiliertesten Schriftstellerinnen der europäischen Gegenwartsliteratur, ihr Werk ist ebenso vielseitig und verzweigt, wie ihre Themen bedeutend und allgegenwärtig sind", erklärte Babler. "Seit vielen Jahrzehnten setzt sie sich mit ihren Texten in hochpoetischer Weise für die Gleichheit der Menschen und die Wertschätzung des Lebens ein." Diese Worte unterstreichen die gesellschaftspolitische Dimension von Jorges Werk, das weit über rein ästhetische Qualität hinausgeht.
Würdigung durch den Kulturminister
Die feierliche Überreichung des Staatspreises am 27. Juli bildet einen der programmatischen Höhepunkte am Rande der Salzburger Festspiele. Dieses renommierte Kulturereignis bietet einen würdigen Rahmen für die Würdigung einer Autorin, die mit ihrem vielseitigen Werk Brücken zwischen Kulturen und Sprachen schlägt. Jorge, die neben Romanen auch Kinderbücher, Erzählungen, Theaterstücke und Gedichte verfasst hat, erreicht mit ihrer Literatur ein breites Publikum.
Die Auszeichnung kann als Bestätigung einer langen Karriere gesehen werden, die in den 1970er Jahren begann und seither ununterbrochen an internationaler Bedeutung gewann. Während ihres Aufenthalts in den portugiesischsprachigen afrikanischen Kolonien sammelte Jorge Erfahrungen, die in zahlreiche ihrer Werke einflossen und ihr eine besondere Perspektive auf Fragen der Macht, der Erinnerung und der Identität verleihen. Diese Erfahrungen machen ihre Texte zu einem einzigartigen Beitrag zur europäischen Gegenwartsliteratur.
Bedeutung für die Gegenwartsliteratur
Mit der Verleihung des Österreichischen Staatspreises für Europäische Literatur an Lídia Jorge setzt die Jury ein klares Signal für die Bedeutung von mehrsprachiger Literatur und interkulturellem Austausch. Die Auszeichnung würdigt nicht nur ein einzelnes Werk, sondern das gesamte literarische Schaffen einer Autorin, die in ihren Texten historische Erfahrungen verarbeitet und zugleich hochaktuelle gesellschaftliche Fragen aufgreift. Die Preisverleihung am Rande der Salzburger Festspiele verspricht, einer der kulturellen Höhepunkte des Sommers 2026 zu werden.
Die Tatsache, dass Jorges Werke in vier große europäische Sprachen übersetzt wurden, erfüllt die zentrale Vergabebedingung des Preises, der explizit internationale Beachtung durch Übersetzungen voraussetzt. Damit reiht sich die portugiesische Autorin nahtlos in die Reihe europäischer Stimmen ein, die durch die österreichische Auszeichnung eine zusätzliche Bühne erhalten. Für die Leserschaft im deutschsprachigen Raum bedeutet die Auszeichnung eine willkommene Gelegenheit, das Werk einer Autorin verstärkt zur Kenntnis zu nehmen, deren Bücher bislang nur einem kleineren Kreis vorbehalten waren.
Übersetzungen und internationale Rezeption
Die Verleihung des Staatspreises fällt in eine Zeit, in der die Auseinandersetzung mit kolonialen Erbschaften und sozialer Gerechtigkeit in Europa an Bedeutung gewinnt. Jorges Werk, das diese Themen seit Jahrzehnten literarisch verhandelt, gewinnt dadurch zusätzlich an Aktualität. Mit ihrer Auszeichnung würdigt die Jury eine Schriftstellerin, die mit poetischer Sprache und politischem Engagement gleichermaßen überzeugt.
Die feierliche Übergabe des Preises durch Kulturminister Babler wird am 27. Juli 2026 am Rande der Salzburger Festspiele stattfinden. Damit erhält Jorge die Möglichkeit, sich persönlich für die Auszeichnung zu bedanken und ihr Werk einem internationalen Publikum zu präsentieren. Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur, der seit 1965 verliehen wird, zählt zu den renommiertesten Literaturauszeichnungen im deutschsprachigen Raum und genießt auch international hohes Ansehen.
Fragen & Antworten
Wer ist Lídia Jorge?
Lídia Jorge ist eine portugiesische Autorin, die am 18. Juni 1946 in Boliqueime geboren wurde. Sie lebt heute in Lissabon und zählt mit 13 Romanen sowie Kinderbüchern, Erzählungen, Theaterstücken und Gedichten zu den bedeutendsten literarischen Stimmen Portugals.
Was ist der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur?
Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur wird seit 1965 vom österreichischen Kulturministerium für das literarische Gesamtwerk einer europäischen Autorin oder eines europäischen Autors verliehen, das internationale Beachtung gefunden hat, dokumentiert durch Übersetzungen. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert.
Wann und wo wird Lídia Jorge den Preis überreicht bekommen?
Die feierliche Überreichung des Staatspreises an Lídia Jorge findet am 27. Juli 2026 am Rande der Salzburger Festspiele statt. Die Übergabe wird vom österreichischen Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) vorgenommen.