Landwirtschaftskammer erwartet 15 bis 20 Prozent weniger Getreide in Österreich
Wien, 24. Juli 2026
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Die anhaltende Trockenheit in Österreich führt nach Einschätzung der Landwirtschaftskammer zu einem Minus von 15 bis 20 Prozent bei der Getreideernte im Vergleich zum Vorjahr. Präsident Josef Moosbrugger spricht von einer der schwächsten Ernten der vergangenen zehn Jahre und fordert höhere Erzeugerpreise, um die gestiegenen Kosten zu decken.
Die Landwirtschaftskammer Österreich rechnet infolge der anhaltenden Trockenheit mit einer um 15 bis 20 Prozent geringeren Getreideernte als im Vorjahr und damit einer der schwächsten Ernten der vergangenen zehn Jahre.
Dürre trifft mehrere Kulturen gleichzeitig
Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, zeichnete im Gespräch mit der APA ein düsteres Bild der diesjährigen Saison. Die Bedingungen ähnelten jenen der Dürrejahre 2017 und 2018, sagte er. "Die Bauern retten, was zu retten ist", lautet die Lagebeschreibung aus der Branche. Besonders betroffen sind laut Moosbrugger die Hauptanbaugebiete im Osten des Landes, wo Niederschläge seit Wochen ausbleiben.
Auch bei Silomais zeichnen sich massive Einbußen ab. Moosbrugger sagte: "Die Silomaisbestände sind aktuell noch nicht realistisch abzuschätzen, aber auch hier sieht man Flächen, die als Totalausfall verzeichnet werden müssen." Die Folge sind nicht nur geringere Futtermengen für die Tierhaltung, sondern auch wirtschaftliche Verluste für die betroffenen Betriebe.
Im Grünland, also auf Wiesen und Weiden, liegen die Erntemengen nach Angaben der Landwirtschaftskammer "deutlich unter dem Durchschnitt". Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Futterversorgung der heimischen Viehbestände. Bauern, die ohnehin unter den steigenden Betriebskosten leiden, müssen zunehmend Futter zukaufen.
Kartoffeln, Obst und Gemüse unter Druck
Andreas Pfaller, Pflanzenbau-Experte der Landwirtschaftskammer Österreich, wies auf die besonderen Risiken für den Kartoffelanbau hin. "Die Hauptanbaugebiete von Erdäpfeln liegen in Niederösterreich, wo die Niederschläge schon am längsten ausgeblieben sind", sagte Pfaller zur APA. Damit sei sowohl mit Mengen- als auch mit Qualitätsverlusten zu rechnen, weil die Knollen auf trockenem Boden ungleichmäßig wachsen.
Beim Obst rechnet die Landwirtschaftskammer mit einem Minus von 20 bis 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die anhaltende Trockenheit hemmt das Wachstum der Kulturen, wie aus den Daten hervorgeht. Auch im Gemüseanbau verschärft die Witterung die Lage: "Schädlinge seien im Gemüseanbau aber bei den Extremtemperaturen eine große Herausforderung, um die für die Vermarktung geforderten Qualitäten ernten zu können", sagte der Landwirtschaftskammer-Chef.
Im Weinviertel und im Nordburgenland, zwei der wichtigsten Weinbaugebiete Österreichs, wächst die Sorge vor einer deutlich kleineren Weinernte. Wenn die Trockenheit in den kommenden Wochen anhält, erwarten die Bauernvertreter "eine deutlich kleinere" Lese. Damit könnte das Mengenergebnis bei Wein in diesem Jahr ebenfalls deutlich unter dem Durchschnitt liegen.
Steigende Kosten drücken auf die Rentabilität
Gleichzeitig sind die Produktionskosten für die Landwirte stark gestiegen. Laut Landwirtschaftskammer liegen die Düngerpreise derzeit rund 50 Prozent höher als im letzten Jahr. Auch Treibstoff- und Energiekosten sind weiterhin hoch. "Eine rentable Produktion ist angesichts der derzeitigen Erzeugerpreise aktuell nur schwer darstellbar", warnte Moosbrugger.
Die wirtschaftliche Schieflage der Betriebe verschärft sich durch die gegenläufige Preisentwicklung an den internationalen Märkten. An der Pariser Warenterminbörse ist der Weizenpreis seit Anfang Juli um rund 20 Prozent auf 245 Euro je Tonne gestiegen. Hintergrund sind die schwachen Ernten in mehreren europäischen Ländern.
Internationaler Weizenpreis steigt – in Österreich nicht
In Österreich ist dieser internationale Preisanstieg im Getreidehandel allerdings "noch nicht angekommen", wie der Landwirtschaftskammer-Chef feststellte. Die Preise pendelten in den vergangenen Jahren zwischen 170 und 270 Euro je Tonne, liegen aber aktuell nicht in einem Bereich, der die gestiegenen Kosten ausgleicht.
Moosbrugger fordert deshalb eine deutliche Anhebung der Erzeugerpreise. Höhere Weizen- und Maispreise seien "dringend notwendig, um die gestiegenen und nach wie vor steigenden Dünger-, Treibstoff- und Energiepreise decken zu können", so Moosbrugger. Andernfalls drohten vielen Höfen in Österreich existenzielle Probleme.
Kampf um EU-Agrarbudget und politische Unterstützung
Auch auf politischer Ebene verschärft sich der Ton. Im Interview zu den Verhandlungen über das EU-Agrarbudget kündigte Moosbrugger an: "Wir gehen kämpferisch in die Verhandlungen." Über den zuständigen Agrarkommissar Hansen sagte er zudem: "Ich verhehle nicht, dass seine Ankündigungen größer waren als das, was er bisher geliefert hat." Die Landwirtschaftskammer fordert eine bessere Ausstattung der EU-Agrarpolitik, um die heimischen Bauern in der Krise zu stützen.
Kaum Aussicht auf Regen in den nächsten Wochen
Die Wetterprognosen geben vorerst wenig Hoffnung auf Besserung. Sollte die Trockenheit in den nächsten Wochen anhalten, rechnen die Bauernvertreter mit weiteren Verlusten bei allen Kulturen, die jetzt noch auf den Feldern stehen. Das gilt neben Getreide und Mais auch für Obst und Wein.
Die aktuelle Lage verdeutlicht die wachsende Anfälligkeit der heimischen Landwirtschaft gegenüber dem Klimawandel. Mit Blick auf die langfristige Versorgungssicherheit warnt die Landwirtschaftskammer, dass Österreich ohne ausreichende Erträge und ohne faire Erzeugerpreise zunehmend auf Importe angewiesen sein werde. Die Bauern fordern daher sowohl kurzfristige Preisanpassungen als auch langfristige politische Unterstützung.
Fragen & Antworten
Wer ist Josef Moosbrugger und welche Rolle spielt er in der aktuellen Debatte?
Josef Moosbrugger ist Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich und einer der wichtigsten Interessenvertreter der heimischen Bauern. In der laufenden Dürrekrise schätzt er die Lage ein, fordert höhere Erzeugerpreise und verhandelt über das EU-Agrarbudget.
Wie groß sind die erwarteten Ernteausfälle in Österreich konkret?
Die Landwirtschaftskammer erwartet bei Getreide ein Minus von 15 bis 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was einer der schwächsten Ernten der vergangenen zehn Jahre entspricht. Beim Obst wird ein Rückgang von 20 bis 25 Prozent erwartet, auch Silomais und Wein sind betroffen.
Warum steigen die Getreidepreise international, aber nicht in Österreich?
An der Pariser Warenterminbörse ist der Weizenpreis seit Anfang Juli um rund 20 Prozent auf 245 Euro je Tonne gestiegen, weil die Ernte in mehreren Ländern schwach ausfällt. In Österreich ist dieser Anstieg nach Angaben der Landwirtschaftskammer im Getreidehandel aber noch nicht angekommen, was die wirtschaftliche Lage der Bauern zusätzlich verschärft.
Getreideernte Österreich: 20 Prozent Ausfall durch Dürre | nachrichten360