Die Österreichische Hagelversicherung hat die Dürreschäden der laufenden Saison für die heimische Landwirtschaft mit rund einer Milliarde Euro beziffert, womit die Schadenbilanz zur zentralen Grundlage für das geplante Bauern-Hilfspaket von Bund und Ländern wird.

Die laufende Dürre hat in Österreichs Landwirtschaft nach Angaben der Hagelversicherung Schäden in Höhe von rund einer Milliarde Euro verursacht. Der Wert wurde am Montag in Wien präsentiert und liegt deutlich über dem langjährigen Durchschnitt vergleichbarer Jahre. Besonders betroffen sind Ackerbau- und Grünlandflächen in den östlichen und südöstlichen Bundesländern, wo über Monate hinweg Niederschläge ausgeblieben sind.

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) erklärte, die aktuelle Dürre-Schadenbilanz der Hagelversicherung sei eine zentrale Grundlage für die weiteren Entscheidungen der Bundesregierung und der Länder für das geplante Bauern-Hilfspaket. Damit rückt ein konkreter finanzieller Hilfsmechanismus näher, der bislang nur in Grundzügen skizziert war. Der Minister stellte zugleich weitere Gespräche mit den betroffenen Agrarvertretungen in Aussicht.

Reaktionen aus Politik und Branche

Hagelversicherung-Chef Kurt Weinberger hatte die Schadenssumme in einer ersten Schätzung noch niedriger beziffert, nun aber nachjustiert. Die endgültige Höhe hänge laut Unternehmen vom weiteren Witterungsverlauf sowie von der Anzahl der gemeldeten Schäden ab. Eingegangene Meldungen aus den Bundesländern würden laufend aktualisiert.

Die Berechnung der Hagelversicherung gilt in Österreich als wichtige Referenzgröße, weil das Unternehmen einen Großteil der heimischen Ackerflächen gegen Wetterrisiken versichert. Auf dieser Datenbasis hatten bereits in früheren Dürrejahren Bund und Länder Hilfspakete für die Landwirtschaft geschnürt. Auch diesmal zeichnet sich entlang dieser Zahlen ein ähnliches Vorgehen ab.

Offene Fragen zur Ausgestaltung

Branchenvertreter aus den betroffenen Regionen forderten unterdessen rasche Hilfe, um liquiditätsbedingte Engpässe bei den Betrieben abzufedern. Zugleich warnten sie vor strukturellen Folgen, falls die Ernteausfälle auf mehrere Jahre hintereinander durchschlagen. Landwirtschaftskammern und Interessenvertretungen sehen in dem Paket auch eine Voraussetzung dafür, dass die heimische Produktion von Getreide und Futtermitteln mittelfristig gesichert bleibt.

Offen ist bislang, in welcher Höhe und in welcher Form Mittel aus dem Hilfspaket fließen sollen. Diskutiert werden Zuschüsse zu Versicherungsprämien, Direktzahlungen an betroffene Betriebe sowie steuerliche Entlastungen. Die endgültige Ausgestaltung soll laut Totschnig in Abstimmung mit den Bundesländern erfolgen, die einen Teil der Mittel mitfinanzieren.

Hintergrund: Dürre und Klimawandel

Die Hagelversicherung wies in ihrer Präsentation darauf hin, dass der Klimawandel die Häufigkeit und Intensität von Dürrephasen in Mitteleuropa spürbar verändert habe. Eine Ausweitung der Versicherungsdichte und vorsorgliche Maßnahmen zur Wasserspeicherung würden daher an Bedeutung gewinnen. Auch dies solle in die politischen Beratungen einfließen.