Längste Juni-Hitzewelle erfasst Österreich und weite Teile Europas
Wien, 27 Juni 2026
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Kurzfassung
Eine außergewöhnlich lange Hitzewelle hält Österreich und weite Teile Europas im Griff. Mehrere Landeshauptstädte brechen Juni-Rekorde, der Weltklimarat sieht die Extremwerte durch die Klimakrise verstärkt.
Wien, 27 Juni 2026
Eine beispiellose Juni-Hitzewelle hat Österreich und weite Teile Europas im Griff und lässt zahlreiche Landeshauptstädte ihre bisherigen Juni-Rekorde einstellen oder übertreffen.
Rekorde in den Landeshauptstädten
Die Hitzewelle, die seit Tagen über Mittel- und Südeuropa liegt, erreicht in Österreich ein Ausmaß, das die Messreihen der vergangenen Jahrzehnte in den Schatten stellt. In Graz werde die bisher längste Juni-Hitzewelle mit zwölf Tagen aus dem Jahr 2025 „wahrscheinlich am Montag einstellen und am Dienstag überschreiten“, wie die ORF-Wetterredaktion mitteilte. Auch Linz habe seinen bisherigen Höchstwert von sechs aufeinanderfolgenden Hitzetagen aus dem Jahr 2021 bereits überschritten. In den Landeshauptstädten seien Hitzewellen „seit den 1960er Jahren um 50 Prozent häufiger geworden und dauern mittlerweile zwei bis sieben Tage länger“.
Bereits zuvor waren in Innsbruck und Bregenz jeweils acht Tage im Juni 2019 als Rekordwert gemessen worden. In Wien und Eisenstadt lag der bisherige Juni-Rekord bei neun Tagen aus dem Jahr 2017. Klagenfurt erreiche den bisherigen Juni-Höchstwert von 15 Hitzetagen in Serie aus dem Jahr 2025 „wahrscheinlich knapp nicht“. St. Pölten taucht in der Statistik nicht auf, weil dort am Dienstag die Hitzeserie mit einem Wert knapp unter 30 Grad unterbrochen wurde.
Höchstwerte am Wochenende
Am Wochenende könnten nach Angaben von GeoSphere Austria rund 120 der etwa 280 Wetterstationen neue Juni-Hitzehöchstwerte erreichen, 60 davon könnten sogar neue Allzeit-Stationsrekorde aufstellen. In weiten Landesteilen seien am Samstag und Sonntag Höchstwerte über 35 Grad zu erwartet, vereinzelt möglicherweise sogar bis zu 40 Grad. Der österreichweite Juni-Höchstwert liegt bei 38,6 Grad, gemessen am 20. Juni 2013 in Waidhofen an der Ybbs. Der absolute Temperaturrekord für ganz Österreich wurde am 8. August 2013 in Bad Deutsch-Altenburg mit 40,5 Grad aufgestellt.
Auch außerhalb Österreichs purzeln die Rekorde: In Basel wurden am Berichtstag 38 Grad gemessen, womit der Juni-Hitzerekord von 1947 gebrochen wurde. In Spanien, Frankreich, England und den BENELUX-Ländern verzeichneten in den letzten Tagen Hunderte Wetterstationen neue Juni-Höchstwerte, wobei in Spanien und Frankreich an mehreren Tagen und Orten über 40 Grad gemessen wurden, punktuell sogar knapp 45 Grad. In Deutschland wurde ein Rekord für die wärmste Nacht aufgestellt.
Klimawandel als Verstärker
Marc Olefs, Leiter der Abteilung Klimafolgenforschung der GeoSphere Austria, ordnet die Entwicklung ein: „Die aktuelle Hitzewelle passt leider sehr gut ins Bild“ der Klimaforschung, die seit Jahren eine Intensivierung und Verfrühung von Hitzewellen feststelle. Er warnt zugleich: „Die typischen jährlichen Schwankungen der Wetterlagen werden durch die Klimaerwärmung verstärkt. Somit werden immer extreme Temperaturen erreicht.“ Besonders im aktuellen Fall sei die von Nordafrika nach Europa strömende Luft deutlich wärmer als in einem durchschnittlichen Juni, und der Kontinent sei bereits durch eine erste Hitzewelle im Juni überdurchschnittlich stark erwärmt.
Eine erste Untersuchung des französischen Projekts Climameter mittels Attributionsstudie zeige, dass der menschgemachte Klimawandel die derzeitige Hitzewelle um zwei bis vier Grad verstärkt hat. „Klar ist laut Weltklimarat aber: Durch die Klimakrise werden Extremwetterereignisse wie Starkregen und Überschwemmungen, Hitze und Dürre häufiger und intensiver“, heißt es in der Analyse.
Die Ursache der stabilen Wetterlage ist ein sogenanntes Blocking: Ein Hochdruckgebiet liegt über weiten Teilen Europas und blockiert den Weg für vom Atlantik heranziehende Tiefdruckgebiete. Am Wochenende verlagert sich das Zentrum der Hitze ostwärts und betrifft dann neben Österreich besonders auch Norditalien, Slowenien, Ungarn, die Slowakei, Tschechien, Polen, Deutschland und den Süden Skandinaviens.
Maßnahmen in Europa
Die Behörden reagieren: Frankreich versetzt Kliniken wegen Hitze in den Krisenmodus, die Pariser Polizeipräfektur hat ein weitreichendes Alkoholverbot in der französischen Hauptstadt erlassen, Genf führt temporäre Arbeitsregeln wegen der Hitze ein, und der Kanton Basel-Landschaft verschärft seine Schutzmaßnahmen wegen der Trockenheit. Im Schweizer Kernkraftwerk Beznau wurden die beiden Reaktoren auf 50 Prozent Leistung gedrosselt. Die Gemeinde Ostermundigen beschränkt die Besucherzahl im Freibad.
Auch kulturelle Veranstaltungen sind betroffen: Das Open Air St. Gallen trotzt nach Angaben der Veranstalter der Gluthitze und findet trotz der extremen Temperaturen statt. In Wien und Graz versorgen Hitze-Telefone sowie ausgeweitete Öffnungszeiten von Freibädern die Bevölkerung.
Ausblick auf kommende Woche
Olefs blickt voraus: „Werden die aktuellen Klimaschutzbemühungen weltweit eingehalten, kann der Klimawandel zwar etwas gebremst werden, aber trotzdem ist bis zum Jahr 2100 eine weitere Erwärmung zu erwarten, in Österreich im Bereich von weiteren zwei bis drei Grad zu heute.“ Das Ende der aktuellen Hitzewelle erwartet die ORF-Wetterredaktion schrittweise von West nach Ost für kommende Woche. Am Montag könnten die Temperaturen in Vorarlberg schon unter der 30-Grad-Marke bleiben und spätestens am Donnerstag auch im Osten und Süden Österreichs.
Die Tageshöchstwerte Anfang Juli liegen im Schnitt bei etwa 25 Grad – die Bevölkerung darf also auf spürbare Abkühlung hoffen. Dennoch hinterlässt die aktuelle Hitzewelle Spuren in den Messreihen: Tägliche Aufzeichnungen etwa an der Wetterstation der Universität Innsbruck reichen bis ins Jahr 1877 zurück, und die derzeitige Wetterlage reiht sich nahtlos in den Trend immer häufigerer und längerer Hitzewellen ein, den der Weltklimarat in seinen Berichten dokumentiert.
Der SRF-Hitzetracker zeigt die aktuellen Höchsttemperaturen für 28 Messstationen, das Verbrauchermagazin Kassensturz hat zudem getestet, welche Ventilatoren sich bei solchen Temperaturen am besten zur Abkühlung eignen. Die Behörden appellieren an die Bevölkerung, ausreichend zu trinken, körperliche Anstrengungen in den Mittagsstunden zu vermeiden und ältere sowie pflegebedürftige Menschen regelmäßig zu kontaktieren.
Fragen & Antworten
Welche Landeshauptstadt bricht ihren Juni-Hitzerekord?
Graz wird voraussichtlich am Dienstag ihren bisherigen Juni-Rekord von zwölf Hitzetagen aus dem Jahr 2025 übertreffen; Linz hat seinen Rekord von sechs aufeinanderfolgenden Hitzetagen aus dem Jahr 2021 bereits überschritten.
Wie stark verstärkt der Klimawandel die aktuelle Hitzewelle?
Nach einer ersten Attributionsstudie des französischen Projekts Climameter hat der menschgemachte Klimawandel die Hitzewelle um zwei bis vier Grad verstärkt.
Wann endet die Hitzewelle in Österreich?
Die ORF-Wetterredaktion erwartet ein Ende der Hitzewelle schrittweise von West nach Ost in der kommenden Woche; im Osten und Süden Österreichs soll die 30-Grad-Marke spätestens am Donnerstag unterschritten werden.
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