Krieg in Nahost drückt Ölpreis über 91 Dollar und blockiert Straße von Hormus
Amsterdam, 20 Juli 2026
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Kurzfassung
Der Krieg zwischen den USA und dem Iran hat den Ölpreis der Nordseesorte Brent zeitweise über die Marke von 91 Dollar getrieben, den höchsten Stand seit Juni. In der Straße von Hormus ist der Schiffsverkehr nach Angaben von LSEG-Daten seit Tagen nahezu zum Erliegen gekommen, während europäische Erdgasfutures auf 60,66 Euro je Megawattstunde stiegen.
Amsterdam, 20 Juli 2026
Angesichts der Eskalation im Nahen Osten ist der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent am Montag zeitweise über die Marke von 91 Dollar gestiegen, während der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus nach Daten des Finanzdienstleisters LSEG nahezu vollständig zum Erliegen gekommen ist.
Hintergrund: Eskalation zwischen USA und Iran
Die Entwicklung an den Rohstoffmärkten spiegelt die Verschärfung der militärischen Auseinandersetzung zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran wider. Nach Angaben von dpa-AFX kletterte die Notierung für ein Barrel Brent bei Lieferung im September im asiatischen Handel am Montag gegen 3.00 Uhr MESZ auf 90,50 Dollar (79,16 Euro), ein Plus von 2,72 Prozent. Im weiteren Verlauf durchbrach der Preis kurzzeitig die 91-Dollar-Marke und erreichte damit den höchsten Stand seit Juni. Auch die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 2,39 Prozent auf 84,46 Dollar zu.
Hintergrund der Verteuerung ist die eskalierende Lage im Nahen Osten mit gegenseitigen Angriffen der USA und des Iran, wie die Nachrichtenagentur unter Berufung auf Marktexperten berichtet. Die offiziell bekannte Zahl der im Iran-Krieg gefallenen US-Soldaten ist nach Angaben des zuständigen Regionalkommandos Centcom auf 17 gestiegen. Am Samstag kam ein US-Soldat im Nordirak bei einer kontrollierten Sprengung nicht detonierter Kampfmittel aus einer abgeschossenen iranischen Einwegdrohne ums Leben, ein weiterer Soldat wurde verletzt.
Straße von Hormus: Zentrale Handelsroute unter Druck
Die Straße von Hormus, durch die üblicherweise rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls transportiert wird, ist eine der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt und von hoher Bedeutung für den Transport von Flüssigerdgas (LNG). Nach Daten des Finanzdatenanbieters LSEG passierten am Sonntag nur noch vier Schiffe die Meerenge, am Samstag waren es acht gewesen. Seit Donnerstag wurden keine Tanker für verflüssigtes Erdgas mehr bei der Durchfahrt registriert.
Aus frei zugänglichen Transitdaten im Internet geht hervor, dass der sichtbare Schiffsverkehr in der Straße von Hormus am frühen Montag nahezu zum Erliegen gekommen ist. Eine Blockade hat somit Auswirkungen auf die Preisentwicklung auf dem Weltmarkt. Insgesamt liegen derzeit LNG-Tanker mit einer Gesamtkapazität von fast 1,9 Millionen Tonnen in der Region. An Bord von sieben beladenen katarischen LNG-Tankern befanden sich Mitte Juli schätzungsweise 570.000 Tonnen.
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, zwei Öltanker seien auf der Südroute gesprengt worden. In der Nacht auf Montag meldete die britische Behörde für die Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO), dass in der Straße von Hormus nahe dem Oman ein Schiff in Flammen steht. Die Brandursache war zunächst unklar; Schiffen wird empfohlen, die Region nur mit Vorsicht zu durchfahren. Die jüngsten Attacken auf Schiffe haben neue Bedenken hinsichtlich der Sicherheit geweckt, die diese Passage durchqueren.
Iranische Drohungen und militärische Reaktion
Aus Teheran hieß es, solange die "US-Aggression" in der Region andauere, sei die Meerenge weder für petrochemische Produkte noch für "einen einzigen Tropfen Öl und Gas" sicher. Der Iran wiederum geht gegen Schiffe vor, die aus seiner Sicht die Regeln in der Straße von Hormus verletzen. Die US-Regierung setzt nach eigenen Angaben eine Seeblockade vor iranischen Häfen durch. Allerdings gibt es auch Berichte über Tankschiffe, die ohne eingeschaltete Transponder die Meerenge passieren und dabei vom US-Militär unterstützt werden. Einige Schiffe schalten zeitweise ihre Transponder ab, um ihre Route zu verschleiern.
Der Preis für europäisches Erdgas ist mit der jüngsten Eskalation im Nahen Osten und Angriffen auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus weiter gestiegen. Am Montag kletterte die Notierung für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat an der Börse in Amsterdam bis auf 60,66 Euro je Megawattstunde (MWh). Dies ist der höchste Stand seit dem 23. März, also seit der Anfangsphase des Kriegs zwischen den USA und dem Iran. Seit Beginn des Monats hat sich der Erdgaspreis um etwa 35 Prozent verteuert und hat den höchsten Stand seit vier Monaten erreicht.
Auswirkungen auf den europäischen Gasmarkt
Im weiteren Handelsverlauf ist der Gaspreis wieder auf 59,44 Euro je MWh gefallen, das sind aber immer noch 3,6 Prozent mehr als am Freitag. Die LNG-Produktion in Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten hält sich laut S&P Global trotz der Behinderungen relativ stabil. Sollte sich die faktische Blockade der Straße von Hormus in den kommenden Wochen lockern, könnten diese Schiffe für einen raschen Anstieg der Exporte sorgen, so die Analysten von S&P Global.
Dabei sind Energietransporte durch die Straße von Hormus immer wieder das Ziel von Angriffen. Die Vorfälle verdeutlichen die Verwundbarkeit einer der zentralen Handelsrouten der Weltwirtschaft und werfen die Frage auf, wie sich Konflikte dieser Größenordnung auf die globale Energieversorgung auswirken.
Für Verbraucher in Europa bedeuten die gestiegenen Gas- und Ölpreise eine unmittelbare Belastung, da sich Heizkosten, Stromrechnungen und Kraftstoffpreise in der Regel an den Großhandelspreisen orientieren. Der Anstieg der Terminkontrakte am europäischen Gasmarkt gilt als Indikator dafür, welche Belastungen in den kommenden Monaten auf Endkunden zukommen könnten.
Bedeutung für Verbraucher und Märkte
Die Volatilität an den Märkten bleibt hoch. Beobachter verweisen darauf, dass sowohl die militärische Lage als auch die Reaktion der Energieexporteure Katar und Vereinigte Arabische Emirate die Preisentwicklung in den nächsten Tagen bestimmen werden. Sollte sich die Lage in der Meerenge zuspitzen, ist mit weiter steigenden Notierungen zu rechnen. Eine dauerhafte Blockade würde nach Einschätzung von Marktexperten die Preisentwicklung auf dem Weltmarkt nachhaltig verschärfen.
Marktteilnehmer verfolgen derzeit vor allem zwei Fragen: Wie wird die US-Regierung auf die Angriffe auf Tanker reagieren, und ob es diplomatische Kanäle zur Deeskalation gibt. Die Aussage aus Teheran, dass die Meerenge bei anhaltender "US-Aggression" weder für petrochemische Produkte noch für Öl und Gas sicher sei, lässt eine schnelle Beruhigung der Lage unwahrscheinlich erscheinen.
Ausblick: Was die kommenden Wochen bringen könnten
Gleichzeitig weisen Analysten darauf hin, dass die LNG-Produktion in der Region bislang relativ stabil geblieben ist. Sollte die faktische Blockade in den kommenden Wochen nachlassen, könnten die wartenden Tanker die Exporte rasch wieder hochfahren und so für eine gewisse Entspannung an den Märkten sorgen.
Insgesamt zeigt die Entwicklung der vergangenen Tage, wie eng die Verflechtungen zwischen militärischen Konflikten und globalen Energiepreisen sind. Die Aussetzung der LNG-Durchfahrten durch die Straße von Hormus, die Angriffe auf Öltanker und die gegenseitigen Drohungen zwischen den USA und dem Iran haben gemeinsam zu einer der stärksten Preisbewegungen an den Energiemärkten seit Beginn des Konflikts geführt.
Fragen & Antworten
Warum ist der Ölpreis über 91 Dollar gestiegen?
Der Preis für die Nordseesorte Brent ist nach Angaben von dpa-AFX auf den höchsten Stand seit Juni gestiegen, weil die gegenseitigen Angriffe zwischen den USA und dem Iran sowie die Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus die Versorgungssorgen an den Märkten verschärft haben.
Was passiert aktuell in der Straße von Hormus?
Nach Daten des Finanzdatenanbieters LSEG passierten am Sonntag nur noch vier Schiffe die Meerenge, seit Donnerstag wurden keine LNG-Tanker mehr registriert, und die iranischen Revolutionsgarden erklärten, zwei Öltanker seien auf der Südroute gesprengt worden.
Welche Folgen hat die Lage für die europäischen Gaspreise?
Der europäische Erdgasfuture TTF kletterte am Montag auf 60,66 Euro je Megawattstunde, den höchsten Stand seit dem 23. März, und hat sich seit Monatsbeginn damit um etwa 35 Prozent verteuert.
Ölpreis über 91 Dollar: Hormus-Blockade treibt Energiepreise | nachrichten360