Klopp bricht WM-Interview ab – Schweinsteigers Aussagen zur Elfenbeinküste lösen Echo aus
New York, 26 Juni 2026
Mehdi Bolourian / Wikimedia Commons / CC BY 4.0
Kurzfassung
Jürgen Klopp hat am Rande der Fußball-WM 2026 in New York ein Interview der Deutschen Welle über die umstrittenen Äußerungen von Bastian Schweinsteiger zur Elfenbeinküste abgebrochen. Zuvor hatte Schweinsteiger mit seinen Bemerkungen Kritik und eine Reaktion von Elfenbeinküste-Trainer Emerse Faé ausgelöst.
New York, 26 Juni 2026
Jürgen Klopp hat am Rande der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in New York ein Interview der Deutschen Welle abgebrochen, nachdem er zu den umstrittenen Bemerkungen von Bastian Schweinsteiger über die Spielweise der Elfenbeinküste befragt worden war.
Der Moment in New York
Die Szene spielte sich im Umfeld eines Medientermins zur WM 2026 in New York ab. Klopp, der bei MagentaTV als Experte für die Weltmeisterschaft arbeitet, wurde dort von einem Reporter der Deutschen Welle auf die Aussagen Schweinsteigers angesprochen. Das Thema bezeichnete Klopp selbst als ernst, zeigte sich aber von Beginn an sichtlich bemüht, der Frage auszuweichen. Er erklärte, er habe gehofft, dass ihn niemand darauf ansprechen werde, und zeigte sich überrascht darüber, dass der Fragesteller selbst deutscher Herkunft sei.
Klopp sagte wörtlich: "Gott sei Dank dachte ich, niemand würde mich dazu befragen. Sie habe einen Moment gefunden und überraschenderweise sind Sie deutsch. Das überrascht mich so sehr. Danke ihnen sehr." Anschließend lächelte er und verließ die Interviewsituation. Auf den Versuch des Reporters, das Thema weiter zu vertiefen, reagierte Klopp mit dem Satz: "Und jetzt wollen Sie das Thema weiterdrehen. Nein, nein, ich habe keine Chance, ich habe keine Chance diese Frage zu beantworten." Damit war das Gespräch beendet.
Schweinsteigers Wortlaut und seine Wirkung
Hintergrund der Kontroverse ist eine Aussage Schweinsteigers, der das Spiel der Elfenbeinküste – des deutschen Gruppengegners bei dieser WM – in einem Video so beschrieb: "bisschen afrikanischer Fussball natürlich, der manchmal so ein bisschen unorthodox ist, ein bisschen wild ist, bisschen vielleicht auch manchmal nicht ganz so von der Taktik geprägt ist." Schweinsteiger fügte hinzu: "Wir müssen uns einstellen, dass es unberechenbar wird manchmal." Die Formulierung wurde kurz darauf als Verbreitung rassistischer Stereotype kritisiert.
Schweinsteiger ist ehemaliger deutscher Nationalspieler und gehört aktuell zum Expertenteam der ARD. Mit der deutschen Mannschaft wurde er 2014 in Brasilien Weltmeister. Seine aktuelle Rolle als TV-Experte bei einem Turnier, bei dem die deutsche Auswahl in der Gruppenphase auf die Elfenbeinküste trifft, macht seine Wortwahl besonders gewichtig.
Reaktion aus der Elfenbeinküste
Die Reaktion aus dem afrikanischen Lager ließ nicht lange auf sich warten. Emerse Faé, Trainer der Elfenbeinküste, äußerte sich nach dem Einzug seiner Mannschaft in die K.o.-Runde der Weltmeisterschaft zu den Aussagen Schweinsteigers. Faé sagte: "Das ist traurig. Wir könnten es rassistisch nennen. Als ich seinen Kommentar gehört habe, war ich enttäuscht. Ich habe keine andere Möglichkeit, als das zu akzeptieren." Damit bezog der ivorische Coach klar Stellung und warf Schweinsteiger zumindest eine Grenzüberschreitung in der Wortwahl vor.
Klopp selbst ging in einem kurzen Moment des Interviews auf die inhaltliche Dimension ein, ohne dabei jedoch den Abbruch zu vermeiden. Er sagte: "Und ich weiss nicht einmal, was man Angemessenes sagen sollte. Für afrikanische Menschen ist es eine Sache, für andere Menschen ist es eine andere." Mit dieser Bemerkung verwies Klopp auf die unterschiedlichen Perspektiven, die Betroffene und Außenstehende auf solche Aussagen haben können. Dennoch entschied er sich, das Gespräch nicht fortzusetzen.
Klopps Erklärungsversuch
Die Episode wirft ein Schlaglicht auf den sensiblen Umgang mit Zuschreibungen über Spielweisen verschiedener Fußballnationen. Der Begriff "afrikanischer Fußball" wird seit Jahren international kontrovers diskutiert, weil er Gefahr läuft, eine ganze Region und zahlreiche unterschiedliche Spielkulturen auf ein Klischee zu reduzieren. Die Kritik an Schweinsteiger reiht sich in eine Reihe ähnlicher Debatten ein, die es bei vergangenen Turnieren gegeben hatte.
Klopp ist in seiner Rolle als TV-Experte bei MagentaTV in der besonderen Situation, dass er als prominenter deutscher Fußballfachmann zu politisch und gesellschaftlich aufgeladenen Themen befragt wird. Sein Verhalten in New York – zunächst der Versuch auszuweichen, dann der Abbruch – zeigt die Schwierigkeit, in einem Live-Setting eine differenzierte Antwort zu finden. Zudem steht Klopp als ehemaliger langjähriger Trainer von Borussia Dortmund und als bekannte Persönlichkeit des deutschen Fußballs unter besonderer Beobachtung.
Die Deutsche Welle gehört zu den wenigen internationalen Medien, die in deutscher Sprache aus den USA über die WM berichten. Dass ausgerechnet ein deutschsprachiger Sender Klopp mit den Schweinsteiger-Zitaten konfrontierte, machte die Situation für den Ex-Trainer zusätzlich heikel, da er sich direkt zu den Reaktionen im eigenen Sprachraum äußern sollte. Sein Hinweis, der Fragesteller sei überraschend deutsch, kann als Versuch gelesen werden, die Konfrontation höflich, aber bestimmt zurückzuweisen.
Politische Dimension und Folgen
Der Vorfall fällt in eine Phase des Turniers, in der die Elfenbeinküste nach erfolgreicher Qualifikation für die K.o.-Runde sportlich für Schlagzeilen sorgt. Dass Schweinsteigers Aussagen ausgerechnet in diesem Moment erneut aufgegriffen wurden, verstärkte die mediale Aufmerksamkeit. Faé hatte seine Mannschaft nach dem Einzug in die nächste Runde auf die Aussagen angesprochen und dabei ausdrücklich auf die Enttäuschung hingewiesen, die diese bei ihm ausgelöst hatten.
Für die deutsche Delegation rund um das Spiel gegen die Elfenbeinküste bedeutet die Debatte zusätzliche Unruhe. Während sich die Mannschaft auf das sportliche Aufeinandertreffen vorbereitet, beschäftigen die medialen Reaktionen auf Schweinsteigers Worte die Öffentlichkeit. Klopps Abbruch trägt dazu bei, dass die Diskussion nun auch an seinem Namen festgemacht wird, obwohl er nicht der Urheber der Erstkritik war.
Die Chronologie der Ereignisse legt nahe, dass Schweinsteigers Bemerkungen einige Tage vor Faés Reaktion im Raum standen und bereits kurz nach ihrer Verbreitung auf Kritik stießen. In dieser Zeitspanne fand das Gespräch mit Klopp statt, das die Kontroverse um eine weitere Facette ergänzt. Die APA-Meldung, die den Vorgang aufgriff, ist auf den 26. Juni 2026 datiert und ordnet den Vorfall damit in die laufende WM-Berichterstattung ein.
Einordnung in den Turnierverlauf
Insgesamt verdeutlicht der Vorfall, wie schnell Aussagen über die Spielweise anderer Nationen in den Bereich rassistischer Zuschreibungen rücken können – und wie schwer es selbst erfahrenen Fußballfachleuten fällt, in solchen Momenten eine ausgewogene Position zu finden. Der Rückzug Klopps aus dem Gespräch ist dabei weniger als inhaltliche Aussage, sondern als Schutzreaktion vor einer unangenehmen Frage zu verstehen.
Mit Blick auf den weiteren Turnierverlauf bleibt abzuwarten, ob sich Klopp zu einem späteren Zeitpunkt doch noch ausführlicher zu den Schweinsteiger-Zitaten äußern wird. Auch Schweinsteiger selbst hat sich nach der ersten Welle der Kritik bislang nicht öffentlich weiter geäußert. Die Begegnung Deutschlands mit der Elfenbeinküste in der Gruppenphase dürfte die Debatte zusätzlich an Fahrt aufnehmen.
Die Geschichte zeigt zugleich, dass die WM 2026 in den USA nicht nur sportlich, sondern auch medial und gesellschaftlich im Zeichen solcher Debatten steht. Internationale Sendeanstalten wie die Deutsche Welle nutzen die Präsenz prominenter deutscher Exponenten, um auch heimische Diskussionen aufzugreifen. Dass Klopp dieser Konfrontation auswich, markiert einen bemerkenswerten Moment im Zusammenspiel von Sport, Medien und gesellschaftlicher Verantwortung.
Fragen & Antworten
Wer ist Jürgen Klopp und welche Rolle hat er bei dieser WM?
Jürgen Klopp ist ein ehemaliger deutscher Fußballtrainer, der unter anderem langjährig Borussia Dortmund trainierte. Bei der WM 2026 arbeitet er als TV-Experte für MagentaTV.
Was genau hat Bastian Schweinsteiger über die Elfenbeinküste gesagt?
Der frühere Nationalspieler und aktuelle ARD-Experte beschrieb das Spiel des deutschen Gruppengegners als "bisschen afrikanischer Fussball natürlich, der manchmal so ein bisschen unorthodox ist, ein bisschen wild ist, bisschen vielleicht auch manchmal nicht ganz so von der Taktik geprägt ist" und warnte vor Unberechenbarkeit.
Wie reagierte der Trainer der Elfenbeinküste auf Schweinsteigers Aussagen?
Emerse Faé, Cheftrainer der Elfenbeinküste, nannte die Bemerkungen nach dem Einzug in die K.o.-Runde "traurig" und sagte: "Wir könnten es rassistisch nennen. Als ich seinen Kommentar gehört habe, war ich enttäuscht."