Abdullah Ibrahim tot: Jazzlegende mit 91 Jahren gestorben | nachrichten360
Jazzlegende Abdullah Ibrahim im Alter von 91 Jahren gestorben
Kapstadt/Aschau im Chiemgau, 16 Juni 2026
Fondation abdallah ibrahim FAI / Wikimedia Commons / CC0
Kurzfassung
Der südafrikanische Jazzpianist Abdullah Ibrahim ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa würdigte ihn als Jazzikone, Kulturaktivisten und Bürger der Welt.
Kapstadt/Aschau im Chiemgau, 16 Juni 2026
Der südafrikanische Jazzpianist Abdullah Ibrahim ist im Alter von 91 Jahren gestorben, wie der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa am Tag der Meldung unter Berufung auf die Familie des Musikers bekanntgab.
Würdigung durch den südafrikanischen Präsidenten
Abdullah Ibrahim sei nach kurzer Krankheit friedlich im Kreise seiner Liebsten eingeschlafen, hieß es am Dienstag etwa in der südafrikanischen Zeitung "The Herald". Dem Bericht zufolge verstarb der Pianist am Vortag. Ramaphosa sprach der Familie sein Beileid aus und würdigte den Verstorbenen als eine der prägendsten Musikerpersönlichkeiten des Landes.
Ramaphosa beschrieb Ibrahim in einer offiziellen Erklärung als Jazzikone, Kulturaktivisten und Bürger der Welt. Er habe unser Leben mit seiner musikalischen Begabung und seinem Einsatz für eine bessere Welt bereichert. Möge seine Seele in Frieden ruhen, erklärte der Präsident demnach. Ramaphosa würdigte zudem, dass Ibrahim sich lebenslang gegen Rassismus und Apartheid eingesetzt und sein Publikum mit sorgfältig konzipierten Auftritten begeistert habe.
Ein Leben zwischen Kapstadt und der Welt
Ibrahims langjährige Partnerin Marina Umari erklärte, der Musiker habe Südafrika und seine Menschen stets in seinem Herzen getragen, und seine Liebe zu seiner Heimat sei ungebrochen gewesen, wo auch immer er sich aufgehalten habe. Damit unterstrich sie die enge Bindung des Künstlers an seine Herkunftsregion, obwohl er seit Jahren im Ausland lebte.
Der Pianist wurde 1934 in Kapstadt unter dem Namen Adolph Johannes Brand geboren. Nach seiner Konversion zum Islam nahm er den Namen Abdullah Ibrahim an. International bekannt wurde er unter seinem Künstlernamen Dollar Brand, unter dem er über lange Jahre auftrat. Sein musikalisches Schaffen verband afrikanische Klangtraditionen mit dem Jazz und machte ihn zu einem der wichtigsten südafrikanischen Exponenten des Genres weltweit.
Klang gegen die Apartheid
Während der Ära der Rassentrennung in Südafrika wurde Ibrahim mit dem inoffiziellen Anti-Apartheid-Lied "Mannenberg" bekannt, das zu einer Hymne des Widerstands avancierte. Das Stück, das er gemeinsam mit dem Sänger Basil Coetzee und dem Saxofonisten Robbie Jansen aufnahm, gilt heute als eine der ikonischsten Kompositionen des südafrikanischen Jazz und wurde in Schulen, bei Protestveranstaltungen und im Radio gespielt.
Im Jahr 2009 wurde Abdullah Ibrahim mit dem südafrikanischen Order of Ikhamanga in Silber ausgezeichnet, einer der höchsten kulturellen Ehrungen des Landes. Die Auszeichnung wird an Personen verliehen, die sich durch hervorragende Leistungen in Kunst, Wissenschaft, Sport oder im öffentlichen Dienst verdient gemacht haben. Die Verleihung an Ibrahim würdigte seinen Beitrag zur Musik und seinen kulturellen Aktivismus gegen die Apartheid.
Späte Jahre in Oberbayern
Ibrahims Musik bezog ihre Kraft aus den musikalischen Traditionen seiner südafrikanischen Heimat. Er verband afrikanische Rhythmen und Melodien mit den harmonischen Strukturen des Jazz und schuf so einen unverwechselbaren Klang, der in der internationalen Jazzszene breite Anerkennung fand. Seine Kompositionen und Auftritte galten als Brücke zwischen afrikanischer und westlicher Musiktradition.
Der Musiker äußerte sich einmal in einem Interview zu seinem künstlerischen Selbstverständnis und sagte: "Die Schönheit der Musik liegt darin, dass sie alle Kulturen überschreitet." Dieser Satz spiegelte das Grundmotiv seines Schaffens wider, kulturelle Grenzen zu überwinden und Menschen unterschiedlicher Herkunft über die Musik zu verbinden.
Nach Angaben seiner Homepage lebte der Künstler zuletzt in Aschau im Chiemgau in Oberbayern. Damit hatte er seinen Lebensabend in Deutschland verbracht, hielt aber, wie seine Partnerin betonte, zeitlebens enge Verbindung zu seinem Herkunftsland. Die Entscheidung, in Bayern zu leben, hatte er vor Jahren getroffen, ohne den Kontakt zur südafrikanischen Musikszene zu verlieren.
Konzerte, die nicht mehr stattfinden
Ibrahim war in den kommenden Monaten für mehrere Konzerte in der Region vorgesehen. Zwei Auftritte waren für Ende Oktober im benachbarten Söllhuben geplant, ein weiterer für Ende Juli im Hotel "Bayerischer Hof" in München. Diese geplanten Konzerte werden nun nicht mehr stattfinden. Der Veranstalter wurde durch den Tod des Künstlers vor eine unerwartete Situation gestellt.
Ibrahims Tod markiert das Ende einer außergewöhnlichen Karriere, die sich über mehr als sechs Jahrzehnte erstreckte. Er hatte in den renommiertesten Konzertsälen der Welt gespielt, mit internationalen Größen des Jazz zusammengearbeitet und Generationen von Musikerinnen und Musikern beeinflusst. Sein Tod hinterlässt eine Lücke in der globalen Jazzszene.
Ein musikalisches Vermächtnis
Die internationale Jazzgemeinde reagierte bestürzt auf die Nachricht. Weggefährten und Bewunderer würdigten Ibrahims Beitrag zur Musik und sein Engagement gegen Unterdrückung. In den sozialen Medien wurden Erinnerungen an Konzerte, Begegnungen und prägende Klangmomente mit dem Pianisten geteilt, die seine Bedeutung für die globale Musikszene unterstrichen.
Ibrahims Vermächtnis umfasst zahlreiche Alben, Kompositionen und musikalische Projekte, die seinen Namen über den Tod hinaus weitertragen werden. Seine Komposition "Mannenberg" bleibt ein fester Bestandteil des südafrikanischen Kulturguts und wird in Schulen, bei Gedenkveranstaltungen und in Radioprogrammen weiterhin gespielt. Die Erinnerung an sein künstlerisches Wirken wird durch sein umfangreiches Werk lebendig bleiben.
Die südafrikanische Regierung kündigte an, Ibrahim in angemessener Weise zu ehren. Über die Form der Trauerfeier und mögliche staatliche Gedenkveranstaltungen wurde zunächst nichts Näheres bekannt. Präsident Ramaphosa würdigte den Verstorbenen als Bürger der Welt, dessen Wirken weit über die Grenzen Südafrikas hinausstrahlte.
Ibrahim hinterlässt seine Partnerin Marina Umari sowie eine weltweite Gemeinschaft von Musikerinnen, Musikern und Musikliebhabern, die sein Schaffen über Jahrzehnte begleitet haben. Die Trauer um den Künstler verbindet Südafrika und Deutschland, wo er zuletzt lebte, in einem gemeinsamen Abschied von einer außergewöhnlichen Persönlichkeit der Jazzgeschichte.
Fragen & Antworten
Wer war Abdullah Ibrahim?
Abdullah Ibrahim war ein südafrikanischer Jazzpianist, der 1934 in Kapstadt als Adolph Johannes Brand geboren wurde und unter dem Künstlernamen Dollar Brand international bekannt wurde.
Welche Rolle spielte das Lied 'Mannenberg' für den Kampf gegen die Apartheid?
'Mannenberg' wurde während der Zeit der Rassentrennung in Südafrika zu einer inoffiziellen Hymne des Widerstands und gilt als eines der ikonischsten Stücke des südafrikanischen Jazz.
Wo lebte Abdullah Ibrahim zuletzt und welche Auftritte waren geplant?
Ibrahim lebte zuletzt in Aschau im Chiemgau in Oberbayern; für Ende Juli war ein Auftritt im Hotel 'Bayerischer Hof' in München geplant, für Ende Oktober zwei Konzerte in Söllhuben.