Italiens Fußballverband setzt Mancini erneut als Nationaltrainer ein
Rom, 28. Juli 2026
Antonio Mancini / Wikimedia Commons / Public domain
Kurzfassung
Roberto Mancini übernimmt zum zweiten Mal das Amt des italienischen Nationaltrainers, nachdem die Squadra Azzurra zum dritten Mal in Folge eine WM verpasst hat. Verbandspräsident Giovanni Malagò präsentierte den 61-Jährigen in Rom und kündigte zudem den früheren AS-Rom-Coach Claudio Ranieri als neuen Technischen Direktor an.
Der italienische Fußballverband hat Roberto Mancini zum zweiten Mal als Cheftrainer der Männer-Nationalmannschaft verpflichtet und damit eine fast viermonatige Suche nach einem Nachfolger des im April zurückgetretenen Gennaro Gattuso beendet.
Vorgeschichte mit Sprung-Genick
Verbandspräsident Giovanni Malagò stellte Mancini am Dienstagnachmittag in Rom als neuen „Commissario Tecnico“ vor. Damit kehrt der 61-Jährige auf den Posten zurück, den er bereits von 2018 bis 2023 innehatte. Nach Angaben von Malagò soll Mancini die Nationalmannschaft, die dreimal nacheinander bei einer WM nicht dabei war, wieder in Form bringen. Ein unterzeichneter Vertrag mit dem Verband lag zum Zeitpunkt der Pressekonferenz noch nicht vor.
Die erneute Verpflichtung kommt mit der Vorgeschichte Mancinis beim italienischen Verband daher, die Spuren hinterlassen hat. Drei Jahre zuvor hatte sich Mancini trotz laufenden Vertrags plötzlich als Teamchef nach Saudi-Arabien verabschiedet, angeblich mit einem Vierjahresvertrag für 25 Millionen Euro pro Saison. „als im August 2023 das große Geld aus Saudi-Arabien lockte, war er weg. Er verabschiedete sich trotz laufenden Vertrags aus Italien und übernahm kurz darauf die Auswahl Saudi-Arabiens“, schildert die Deutsche Presse-Agentur den Bruch. Schon im Oktober 2024 endete die Zusammenarbeit mit dem saudischen Verband einvernehmlich wegen der enttäuschenden sportlichen Bilanz.
Stationen zwischen Europa und der Wüste
Bei den Saudis hielt er sich allerdings nur 14 Monate. Danach wechselte er – sicher ebenfalls gegen gutes Geld – nach Katar zum Verein al-Sadd. In Katar war Mancini zuletzt mit Al-Sadd immerhin nationaler Meister. Sein Vertrag dort lief laut Verbandsangaben von November 2025 bis Juni 2026.
Eine Kandidatenkette mit Absagen
Die Suche nach einem Nachfolger für den im April zurückgetretenen Gennaro Gattuso hatte sich als überaus wechselhaft erwiesen. Zunächst sagte der Wunschkandidat ab, der frühere Barcelona-, Bayern- und Manchester-City-Trainer Pep Guardiola. Guardiola sagte ab, weil er sich nach dem Ende seiner zehnjährigen Tätigkeit bei Manchester City derzeit nicht bereit für einen neuen Job fühlt. Eigentlich wollte der neue Verbandspräsident Giovanni Malagò lieber Pep Guardiola als nächsten Chef der Mannschaft gewinnen.
Auch Carlo Ancelotti schied als Kandidat aus. Ancelotti war als aktueller brasilianischer Nationaltrainer von vornherein ein Wunschkonzert und daher nur eine sehr theoretische Option. Als weitere Namen kursierten Thiago Motta oder vielleicht doch Thiago Motta, heißt es in der Berichterstattung. Wiederholt wurde zudem Andrea Pirlo als möglicher Kandidat gehandelt. Ihm wurden jedoch zu enge Kontakte nach Russland zum Verhängnis.
Pirlo, der Italien 2006 in Deutschland als Spielmacher zum WM-Titel geführt hatte, trainiert in Dubai einen Klub, der sich im Besitz eines russischen Unternehmers befindet. Der Weltmeister von 2006 ist Markenbotschafter eines russischen Wettanbieters. Seine Kandidatur scheiterte nach Angaben aus Rom an Bedenken wegen dieser russischen Verbindungen. Erst nach diesem gescheiterten Anlauf begann die intensive Suche nach einem Nachfolger vor einigen Wochen richtig an Fahrt aufzunehmen.
Ranieri als zweiter Mann
Mit der Entscheidung für Mancini fällt der Verband auch personell im Hintergrund zurück auf einen alten Bekannten. An der Seite Mancinis soll nun der frühere Trainer von AS Rom, der 74-jährige Claudio Ranieri, neuer Technischer Direktor werden. Ranieri tritt damit einen Posten an, den zuletzt Paolo Maldini innehatte – allerdings nur 16 Tage lang. Der erst kurz zuvor zum Technischen Direktor berufene Paolo Maldini und sein Berater Leonardo gaben ihre Posten nach nur 16 Tagen im Amt schon wieder auf.
Die sportliche Lage der Squadra Azzurra, die Italiens vierter WM-Triumph noch fehlt und die zwischen 2021 und 2026 unter drei verpassten Endrunden litt, gibt dem Verband kaum Spielraum. Mancinis erste Aufgabe wird die Nations League am 25. September gegen Belgien sein, wenn er es denn im September tatsächlich angehen darf. Vorher stehen noch Formalien zur Vertragsunterzeichnung aus.
Verband unter Beschuss
Mancini selbst bringt einen prominenten Lebenslauf mit. Als Spieler lief er in den 1980er und 1990er Jahren für Sampdoria Genua auf, später für Lazio Rom, und beendete seine aktive Karriere bei Leicester City in England. Als Trainer gewann er nationale Meisterschaften mit Inter Mailand und Manchester City. Mit Italien feierte er 2021 den Triumph bei der Europameisterschaft. „Der 61-Jährige soll den Angaben zufolge die Nationalmannschaft wieder in Form bringen“, heißt es in der Mitteilung des Verbandes.
Die Vorgeschichte von Mancinis erster Amtszeit in Italien endete ebenfalls im Missklang. Die Qualifikation für die WM 2022 gelang Mancini anschließend nicht. Auch danach verpasste Italien unter seinem Nachfolger die nächste WM-Endrunde, ehe Gattuso im Frühjahr 2026 nach der Pleite gegen Bosnien und Herzegowina zurücktrat. „Fast vier Monate hat die Suche gedauert“, bilanziert die Deutsche Presse-Agentur den Zeitraum zwischen Gattusos Abgang und der Verkündung am Dienstag.
In Rom wird derweil nicht nur über die Trainerfrage gestritten. Der neue Verbandspräsident Malagò selbst erst seit Ende Juni im Amt, sieht sich öffentlicher Kritik ausgesetzt. Italiens Sportminister Andrea Abodi kritisierte Malagò öffentlich und sprach von einem „unschönen Bild“. Malagò erwiderte, nicht jeder könne die Fehler anderer beurteilen, und verteidigte die Suche am Dienstagnachmittag auf einer Pressekonferenz wortreich. Die italienische Sportzeitung Gazzetta dello Sport kommentierte die Trainersuche mit der Forderung: „Italien muss neu gegründet werden“.
Ausblick: Nations League gegen Belgien
Zugleich wurde über weitere Personalien diskutiert. Giorgio Chiellini, ehemaliger Nationalspieler und Manager bei Juventus Turin, stellte am Dienstag klar: „Ich möchte klarstellen, dass ich mit meiner Rolle bei Juventus glücklich bin“, und wies damit Spekulationen über einen Wechsel in den Verband als Technischer Direktor zurück. Auch Gianluigi Buffon war als Delegationsleiter im Gespräch. Aus deutscher Sicht wirkt die Lage in Italien disparat: während der Bundestrainer hierzulande eine Art Aufbruchsstimmung erzeugt hat und Verband und Fans fast einhellig hinter ihm stehen, wirkt die Verbandsspitze in Rom zerrissen.
Mancini selbst war am Dienstag bei der Pressekonferenz in Rom nicht zugegen, wie aus den Berichten hervorgeht. „Wobei: Unterschrieben ist noch nichts...“ schreibt die Deutsche Presse-Agentur zum Stand der Verhandlungen. Die Verpflichtung kommt für Beobachter dennoch überraschend, gilt Mancini doch als Wackelkandidat mit Sprung-Genick und wechselhaften Stationen. Sollte er im September tatsächlich auf der Bank sitzen, wäre es sein dritter Anlauf in derselben Funktion.
Die nächste Bewährungsprobe für den Verband und Mancini folgt unmittelbar. Die Nations-League-Partie am 25. September gegen Belgien wird der erste Ernstfall unter der neuen alten Trainerführung. Bis dahin muss der Verband nicht nur den Vertrag unter Dach und Fach bringen, sondern auch die Frage beantworten, wie ein zum dritten Mal in Serie gescheiterter Verband wieder Anschluss an die Weltspitze finden will.
Fragen & Antworten
Wer ist Roberto Mancini und warum kehrt er als italienischer Nationaltrainer zurück?
Roberto Mancini ist ein 61-jähriger italienischer Fußballtrainer, der die Squadra Azzurra bereits von 2018 bis 2023 betreute und mit ihr 2021 die Europameisterschaft gewann. Er kehrt auf den Posten zurück, nachdem der Posten des „Commissario Tecnico“ seit Anfang April vakant war und mehrere Wunschkandidaten abgesagt hatten.
Warum hat der Verband Pep Guardiola, Carlo Ancelotti und Andrea Pirlo nicht verpflichten können?
Pep Guardiola fühlte sich nach dem Ende seiner zehnjährigen Tätigkeit bei Manchester City nicht bereit für einen neuen Job. Carlo Ancelotti ist bereits brasilianischer Nationaltrainer. Andrea Pirlo wurde wegen seiner engen Kontakte nach Russland – er ist Markenbotschafter eines russischen Wettanbieters und trainiert einen Klub eines russischen Unternehmers in Dubai – als Kandidat ausgeschlossen.
Was bedeutet die Verpflichtung Mancinis für Italiens WM-Aussichten?
Italien hat drei WM-Endrunden in Folge verpasst, zuletzt im Frühjahr 2026 gegen Bosnien und Herzegowina. Mancinis erklärte Aufgabe ist es, die Mannschaft wieder in Form zu bringen, sein erstes Spiel ist am 25. September in der Nations League gegen Belgien – ein unterzeichneter Vertrag lag zum Zeitpunkt der Pressekonferenz jedoch noch nicht vor.
Mancini kehrt als Italiens Nationaltrainer zurück – Chaos | nachrichten360