Libanon-Konflikt: Israel erobert Burg Beaufort, USA | nachrichten360
Israel weitet Bodenoffensive im Libanon aus und erobert Kreuzfahrerburg Beaufort
Beirut, 01. Juni 2026
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Kurzfassung
Die israelische Armee hat ihre Offensive im Südlibanon ausgeweitet und die strategisch wichtige Kreuzfahrerburg Beaufort eingenommen. Trotz einer offiziell geltenden Waffenruhe kommt es täglich zu Angriffen zwischen Israel und der Hisbollah, während die USA einen neuen Vermittlungsversuch unternehmen.
Israelische Streitkräfte sind am Wochenende tiefer in den Südlibanon vorgedrungen und haben die historische Kreuzfahrerburg Beaufort unter ihre Kontrolle gebracht, während Premierminister Benjamin Netanjahu neue Angriffe auf die Hauptstadt Beirut ankündigte.
Die israelische Armee weitete ihre seit Tagen laufende Bodenoffensive im Libanon weiter aus und rückte über den Litani-Fluss hinaus nach Norden vor. Nach Armeeangaben halten die israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) inzwischen ein Fünftel des libanesischen Staatsgebiets besetzt.
Am Wochenende brachten israelische Truppen die strategisch gelegene Kreuzfahrerburg Beaufort unter ihre Kontrolle. Die Festung liegt auf 700 Metern Höhe und bietet einen weiten Blick bis tief nach Nordisrael. Die Hisbollah hatte die Burg für ihre Luftangriffe genutzt. Bereits 1982 hatte die israelische Armee die Burg unter hohen Verlusten erstmals eingenommen.
Strategische Bedeutung der Burg Beaufort
Premierminister Benjamin Netanjahu zeigte sich nahezu euphorisch über die Einnahme der Burg und erklärte, Israel sei stärker und geeinter denn je zurückgekehrt. Zugleich kündigte er an, die Bodenoffensive weiter auszuweiten. Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz hatten der Armee entsprechende Anweisungen erteilt, nachdem israelische Ortschaften erneut angegriffen worden waren.
Die Angriffe richten sich nach israelischen Angaben gegen „Terrorziele der Hisbollah“ in den südlichen Vororten Beiruts, der sogenannten Dahiya. Das dicht besiedelte Viertel gilt als Hochburg der militant-islamistischen Hisbollah. Seit Inkrafttreten der Waffenruhe Mitte April hatte Israels Armee die Dahiya-Vororte nur selten angegriffen – israelischen Medienberichten zufolge auf Bitten der US-Regierung.
Der libanesische Präsident Joseph Aoun verurteilte die israelischen Aktionen als „bösartige und verwerfliche Aggression“. Ministerpräsident Nawaf Salam warf Israel vor, eine „Politik der verbrannten Erde und kollektiven Bestrafung zu betreiben“ und sprach von einem „Versuch, die Geschichte auszuradieren“.
Waffenruhe existiert nur auf dem Papier
Trotz der offiziell seit Mitte April geltenden Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon kommt es täglich zu gegenseitigen Angriffen. Die Hisbollah hat ihre Raketen- und Drohnenangriffe auf Nordisrael intensiviert. In der Nacht zum Montag wurde nach israelischen Medienberichten ein israelischer Soldat bei einem Hisbollah-Drohnenangriff im Südlibanon getötet. Ein israelischer Angriff im Südlibanon forderte laut der libanesischen Nachrichtenagentur NNA acht Todesopfer und 19 Verletzte.
Die Hisbollah verfügt nach Einschätzung von Experten über faseroptisch gesteuerte Drohnen, die Reichweiten von 20 bis 50 Kilometern erreichen können und eine erhebliche Bedrohung darstellen. Die Bewohner Nordisraels leiden seit fast drei Jahren unter immer wiederkehrendem Beschuss aus dem Libanon und haben wenig Vertrauen in Netanjahus Versprechen, die Hisbollah-Bedrohung ein für alle Mal zu beseitigen.
Netanjahu steht innenpolitisch stark unter Druck. Im September oder Oktober stehen in Israel Neuwahlen an. Er hat der Bevölkerung wiederholt versprochen, die Hisbollah-Gefahr endgültig zu eliminieren, und hofft, mit der Offensive politisch punkten zu können.
Innenpolitischer Druck auf Netanjahu
Die Regierung in Beirut hat nur wenig Einfluss auf die Hisbollah und fordert die Einhaltung der Waffenruhe sowie die Rückkehr der Vertriebenen. Merin Abbass, Leiterin des Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Beirut, beschrieb eine fundamentale Asymmetrie zwischen einem militärisch sehr starken Israel und einem vergleichsweise schwachen libanesischen Staat. „Zwar gelte offiziell weiterhin eine Waffenruhe, tatsächlich laufe der Konflikt aber weiter“, sagte Abbass.
US-Außenminister Marco Rubio telefonierte am Sonntag mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun und dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu. Nach amerikanischen Angaben schlug Rubio vor, dass die Hisbollah zunächst alle Angriffe auf Nordisrael einstellt und Israel im Gegenzug auf eine „Eskalation in Beirut“ verzichtet. Der Vorschlag enthalte laut Reuters eine ziemlich direkte Drohung: Sollte die Hisbollah den Vorschlag nicht annehmen, könnte Beirut bald stärker angegriffen werden.
Der libanesische Parlamentssprecher Nabih Berri, der der Hisbollah nahesteht, wies die US-Bedingungen zurück und forderte, Israel müsse zuerst das Feuer einstellen. Die USA haben Israel im Südlibanon bislang freie Hand gelassen, dringen aber auf Zurückhaltung bei Angriffen auf die Hauptstadt Beirut.
Internationale Reaktionen und Vermittlungsversuche
Der Nahost-Experte Jan Wilkens vom German Institute for Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg erklärte: „Aus völkerrechtlicher Perspektive sehen wir weiterhin einen fundamentalen Bruch der staatlichen Souveränität.“ Die Offensive schränke den Handlungsspielraum der libanesischen Regierung erheblich ein. „Die Basis für eine Vereinbarung, mit der alle Seiten dauerhaft leben können, schrumpft, je stärker Israel versucht, dem Libanon eine einseitige Lösung aufzuzwingen“, so Wilkens.
Das Center for Strategic and International Studies (CSIS) warnte, die Angriffe könnten die staatlichen Institutionen untergraben und indirekt das Argument der Hisbollah stärken, nur bewaffneter Widerstand könne Sicherheit garantieren. Das Washington Institute plädiert für eine schrittweise Entwaffnung der Hisbollah und eine stärkere Unterstützung der libanesischen Streitkräfte.
Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot erklärte, „nichts kann die Fortsetzung der israelischen Militäroperation im Libanon und eine immer tiefere Besetzung libanesischen Territoriums rechtfertigen“. Er berief für Montag eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats ein. Auch der deutsche Außenminister Johann Wadephul äußerte sich besorgt und forderte alle Seiten zur Zurückhaltung auf. „Wenn Teile des Libanon dauerhaft unbewohnbar werden, macht das Israels Nachbarschaft langfristig nicht sicherer“, sagte Wadephul.
Humanitäre Lage und Fluchtbewegungen
Israel rief zur Evakuierung aller libanesischen Gebiete südlich des Sahrani-Flusses auf, der 40 Kilometer nördlich der israelischen Grenze liegt. Mehr als eine Million Menschen sind bereits aus den betroffenen Regionen geflohen. Libanesische Medien berichteten von Fluchtbewegungen aus den südlichen Vororten Beiruts. „Seit heute gibt es zudem konkrete Drohungen, die südlichen Vororte Beiruts zu bombardieren. Die ersten Evakuierungen haben bereits stattgefunden“, sagte Merin Abbass.
Die deutsche Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) brach eine Reise in den Libanon aus Sicherheitsgründen ab. Die Entscheidung sei während des Anflugs auf Beirut aufgrund der sich verschlechternden Sicherheitslage getroffen worden, teilte ein Sprecher mit. Vor ihrem Abflug hatte sie von einem „Zeichen der Solidarität mit dem Land“ gesprochen. Ein Thema ihres Besuchs sollten die Bemühungen der libanesischen Regierung sein, ihren Reformkurs trotz der Krise fortzusetzen.
Ausblick: Wege aus der Eskalation
Der Iran brach am Montag den Kontakt zu den Vereinigten Staaten ab und machte Israels „anhaltende Verbrechen“ im Libanon dafür verantwortlich. Die USA sind Israels wichtigster Verbündeter und die einzige externe Macht mit nennenswertem Einfluss auf beide Seiten. Mohanad Hage Ali von der Carnegie-Stiftung sagte, Israel ziele darauf ab, strategische Punkte einzunehmen, indem es dieselben Positionen kontrolliere, die die IDF vor ihrem Rückzug im Jahr 2000 nutzte.
Jan Wilkens betonte, eine Deeskalation bleibe möglich, erfordere aber ein Ende der Gewalt: Die Hisbollah müsse die Feindseligkeiten einstellen und Israel müsse sich aus libanesischem Gebiet zurückziehen. Merin Abbass forderte stärkeren internationalen Druck: Wenn ganze Städte und Dörfer zerstört würden, reiche es nicht, Besorgnis zu äußern – es brauche klarere politische Reaktionen.
Fragen & Antworten
Warum hat Israel die Burg Beaufort eingenommen?
Die Kreuzfahrerburg Beaufort liegt strategisch günstig auf 700 Metern Höhe und bietet einen weiten Blick bis nach Nordisrael. Die Hisbollah nutzte die Festung für ihre Luftangriffe, weshalb die israelische Armee sie nun unter ihre Kontrolle gebracht hat.
Welche Rolle spielen die USA in dem Konflikt?
Die USA sind Israels wichtigster Verbündeter und die einzige externe Macht mit nennenswertem Einfluss auf beide Seiten. US-Außenminister Marco Rubio hat einen neuen Vermittlungsvorschlag unterbreitet, der einen Stopp der Hisbollah-Angriffe gegen einen israelischen Verzicht auf eine Eskalation in Beirut vorsieht.
Wie reagiert die libanesische Regierung auf die israelische Offensive?
Präsident Joseph Aoun verurteilte die Angriffe als „bösartige und verwerfliche Aggression“, und Ministerpräsident Nawaf Salam warf Israel eine „Politik der verbrannten Erde“ vor. Die Regierung in Beirut hat jedoch nur wenig Einfluss auf die Hisbollah und fordert die Einhaltung der Waffenruhe sowie die Rückkehr der Vertriebenen.