Israel und Iran beenden gegenseitige Angriffe auf Druck Trumps – Bruch der Waffenruhe vom April
Berlin, 08 Juni 2026
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Kurzfassung
Nach dem ersten direkten militärischen Schlagabtausch zwischen Israel und Iran seit der brüchigen Waffenruhe vom 8. April haben beide Seiten ihre Angriffe für beendet erklärt. US-Präsident Donald Trump hatte Israel und Iran öffentlich aufgefordert, sofort aufzuhören, und nach eigenen Angaben ein Gegenhalten Netanjahus verhindert.
Berlin, 08 Juni 2026
Israel und Iran haben nach tagelangem gegenseitigen Beschuss mit Raketen und Luftangriffen ihre Operationen am Montag für beendet erklärt, nachdem US-Präsident Donald Trump beide Seiten öffentlich und telefonisch zum Einhalten der Waffenruhe aufgefordert hatte.
Die Eskalation begann am späten Sonntagabend mit iranischen Raketensalven auf Israel. Nach Angaben eines israelischen Militärsprechers feuerte Iran seit Sonntagabend rund 30 Raketen auf israelisches Territorium. Die meisten Geschosse konnten laut israelischer Armee abgefangen werden oder gingen in unbewohntem Gebiet nieder, Schäden an einer petrochemischen Anlage in Haifa wurden gemeldet. Die Rettungsorganisation Roter Davidstern registrierte zunächst keine Verletzten durch die iranischen Angriffe auf Tel Aviv und Jerusalem.
Auslöser der iranischen Angriffe waren israelische Luftschläge auf Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut, die als Hochburg der pro-iranischen Hisbollah-Miliz gelten. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, die Angriffe auf die Hisbollah-Gebiete hätten eine "rote Linie" überschritten. AFP-Reporter beobachteten am Sonntagabend mehrere Explosionen über Jerusalem; zuvor waren Luftalarme ausgelöst worden. Die iranische Staatsführung bezeichnete ihre Angriffe im Staatsradio als "schmerzhafte Antwort" auf die israelischen Schläge im Libanon.
Israel reagierte in der Nacht auf Montag mit Luftangriffen auf Ziele im Westen, Nordwesten und in der Mitte Irans, darunter auch auf die Hauptstadt Teheran. Die israelische Luftwaffe griff nach eigenen Angaben neun Luftabwehr- und Radarsysteme sowie eine petrochemische Anlage in der iranischen Stadt Mahshahr an, in der Materialien für die Raketenproduktion hergestellt worden sein sollen. Iranische Staatsmedien meldeten mehrere Explosionen in Teheran, Tabris und Isfahan; nach iranischen Angaben wurden 15 Menschen verletzt.
Auslöser: Schläge auf Beirut
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu ordnete die Gegenschläge an, obwohl Trump ihn nach eigener Darstellung telefonisch eindringlich vor einem Vergeltungsschlag gewarnt hatte. Trump sagte dem US-Portal Axios: "Ich werde Bibi sofort anrufen und ihm sagen, dass er nicht zurückschlagen soll." In einem Telefonat mit Netanyahu habe die Botschaft unmissverständlich lauten müssen, Israel möge nicht zurückschlagen, berichteten gut informierte Quellen. Trotzdem flogen israelische Kampfjets Angriffe auf iranische Abschussanlagen und die petrochemische Industrie.
Trump stellte sich in der Folge öffentlich gegen Netanyahu. In einem Interview mit der Financial Times erklärte er: "Ich habe das Sagen. Ich habe absolut das Sagen. Er hat nicht das Sagen." Zudem sagte er: "Wenn Bibi zurückschlägt, wird es einfach so weitergehen wie in den letzten 47 Jahren oder den letzten 3.000 Jahren." Am Montag schrieb er auf seiner Plattform Truth Social, Israel und Iran müssten "sofort aufhören zu schießen".
Trumps Druck auf Netanyahu
Ein namentlich nicht genannter israelischer Regierungsvertreter erklärte gegenüber Reuters: "Auf Wunsch von Trump stellen wir die Angriffe auf den Iran ein." Aus israelischen Militärkreisen hieß es zugleich, die Angriffe auf den Iran würden vorerst ausgesetzt. Israel werde jedoch seine Einsätze im Südlibanon unverändert mit voller Intensität fortsetzen, hieß es aus dem Büro des Ministerpräsidenten.
Iran erklärte seinerseits am Montag über den staatlichen Rundfunk, die Angriffe auf Israel seien beendet. Die Militärführung kündigte zugleich an, sie werde ihre Operationen einstellen, warnte aber: "Vor diesem Hintergrund wird die Einstellung der Operationen der Streitkräfte bekanntgegeben." Sollte Israel seine Angriffe im Libanon fortsetzen, drohe Teheran mit "härteren und vernichtenderen Maßnahmen". Eine offizielle Bestätigung der iranischen Erklärung lag zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht vor.
Die Hisbollah im Libanon, die wie die Revolutionsgarden zum iranischen "Widerstandsachse"-Netzwerk gehört, feuerte nach israelischen Angaben aus allen Rohren Richtung Nordisrael. Der israelische Sender Kan berichtete, Israel werde die Angriffe im Iran stoppen, nicht aber im Südlibanon. Israel betrachtet die Hisbollah als gefährlichste Bedrohung an seiner Nordgrenze; die Miliz verfügt eigenen Angaben zufolge über ein großes Raketenarsenal, Kampferfahrung und faseroptisch gesteuerte Drohnen, gegen die die israelische Armee bislang keine Antwort gefunden hat.
Regionale Ausweitung: Huthis und Hisbollah
Am Montagmorgen weitete sich der Konflikt regional aus: Die iranisch verbündete Huthi-Miliz im Jemen feuerte nach eigenen Angaben mehrere Raketen auf Israel, ihr erster direkter Angriff seit Anfang April. Die Huthis kündigten zudem ein "vollständiges Verbot der israelischen Schifffahrt im Roten Meer" an und drohten, die Meerenge Bab al-Mandab für Schiffe mit Bezug zu Israel zu sperren. Ein Huthi-Sprecher sagte, die Miliz werde mit Eskalation auf Eskalation reagieren. Auch schiitische Milizen im Irak erklärten ihre Bereitschaft, an der Seite Irans zu kämpfen, und drohten mit Angriffen auf US-Stützpunkte.
International sorgte die Eskalation für scharfe Reaktionen. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte beim Ministertreffen in Nikosia: "Ich denke, die Region braucht keine weitere Eskalation" und forderte die Konfliktparteien auf, "an den Verhandlungstisch" zurückzukehren. Der britische Außenminister Cooper warnte ebenfalls vor einer Ausweitung. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lin Jian, rief beide Seiten zur Mäßigung auf und betonte, die Waffenruhe müsse von allen Konfliktparteien eingehalten werden.
Die Bundesregierung forderte den Iran nach Angaben eines Regierungssprechers auf, die Angriffe einzustellen und ernsthaft zu verhandeln, und appellierte an "alle Seiten", zu deeskalieren. Bundesaußenminister Wadephul bezeichnete die Ankündigung Irans als möglichen "wichtigen Schritt". Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte, es beobachte die Lage mit Sorge, rechne aber zunächst nicht mit Versorgungsproblemen.
Wirtschaftliche Erschütterungen
Die wirtschaftlichen Folgen waren unmittelbar spürbar: Die asiatischen Aktienmärkte gaben zu Wochenbeginn deutlich nach, der südkoreanische KOSPI-Index verlor 8,3 Prozent, der japanische Nikkei schloss mit einem Minus von 3,85 Prozent. Die europäischen Indizes gaben kurzzeitig nach, erholten sich bis zum frühen Nachmittag jedoch wieder. Der Ölpreis schoss am Morgen von 93 auf knapp 98 US-Dollar pro Barrel, fiel bis zum Nachmittag aber auf 94,5 Dollar. Die iranische Schließung der Straße von Hormuz sowie die Drohungen der Huthi-Miliz, die Meerenge Bab al-Mandab zu blockieren, gelten als erhebliche Risiken für den Welthandel.
Der indische Ölminister Singh Puri warnte vor den Folgen einer weiteren Eskalation für den internationalen Energiemarkt. Die EU verhängte wegen iranischer Drohungen gegen die Schifffahrt Sanktionen. Katar gab eine NOTAM heraus, eine Mitteilung an Piloten, um alternative Flugrouten zu nutzen. Die irakischen Behörden öffneten ihren Luftraum wieder, Syrien verlängerte die Schließung. Austrian Airlines strich ihre Verbindungen nach Tel Aviv bis auf Weiteres, die Passagierzahl am Flughafen Ben Gurion wurde auf 2.500 begrenzt.
Hintergrund der aktuellen Krise ist die brüchige Waffenruhe, die am 8. April zwischen Israel und den USA einerseits und Iran andererseits in Kraft getreten und zunächst auf zwei Wochen befristet, dann jedoch verlängert worden war. Israel und die USA führen nach eigenen Angaben seit dem 28. Februar einen gemeinsamen Krieg gegen Iran mit dem erklärten Ziel, das iranische Nuklearprogramm zu stoppen, die Raketenindustrie zu schwächen, die Hisbollah im Libanon entscheidend zu treffen und die Voraussetzungen für einen Machtwechsel in Teheran zu schaffen. Iran hatte in den Monaten Februar und März die ölreichen Golfstaaten massiv unter Beschuss genommen; seither wurden Kuwait, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate erneut Ziel iranischer Angriffe.
Hintergrund: Brüchige Waffenruhe seit April
Anfang April, am Tag des Inkrafttretens der Waffenruhe, hatten sich die USA und Iran auf eine zunächst zweiwöchige Waffenruhe geeinigt, die später verlängert wurde. Die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran über ein dauerhaftes Ende des Krieges haben bislang kein Ergebnis erbracht. Iran knüpft eine Übereinkunft an einen vollständigen Rückzug der israelischen Armee aus dem Südlibanon und das Ende der Angriffe auf die Hisbollah; Netanyahu beharrt im Gegenzug auf einer Trennung der beiden Fronten. Trump ist nach eigenen Angaben bereit, die iranischen Forderungen nach Freigabe eingefrorener Gelder von rund 20 Milliarden Euro und einem Ende der US-Sanktionen erst nach einem Deal in Sachen Raketen- und Nuklearprogramm zu prüfen.
Der iranische Außenamtssprecher Esmail Baghaei sagte, niemand glaube, dass Israel solche Angriffe ohne Koordination mit den Vereinigten Staaten durchführen könne. Er kündigte an, dass indirekte Gespräche mit den USA, die über Pakistan vermittelt werden, fortgesetzt würden, auch wenn die Verhandlungen durch die jüngsten Angriffe "beeinträchtigt" seien. Der libanesische Ministerpräsident Nauaf Salam richtete einen fast flehentlichen Appell an Iran: "Habt Erbarmen mit unserem Süden und hört auf, ihn und seine Menschen als bloße Verhandlungsmasse zu behandeln, um eure Verhandlungspositionen zu verbessern." Bei den israelischen Angriffen auf Beirut wurden nach libanesischen Angaben zwei Menschen getötet und 20 verletzt; an einer UNESCO-Welterbestätte im Libanon entstanden Schäden.
Diplomatische Bemühungen und Appelle
Die iranische Revolutionsgarde drohte mit einer Ausweitung der Angriffe auf Golfstaaten und deren Energieinfrastruktur. Israel kündigte seinerseits an, bei einem erneuten Hisbollah-Beschuss wieder Vororte von Beirut anzugreifen. Trump steht innenpolitisch unter Druck, im November stehen Kongresswahlen an. Die kommende Woche beginnt zudem die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko.
Fragen & Antworten
Wer hat den direkten Schlagabtausch zwischen Israel und Iran ausgelöst?
Auslöser waren israelische Luftangriffe auf Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut, die als Hochburg der pro-iranischen Hisbollah-Miliz gelten. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, die Angriffe hätten eine "rote Linie" überschritten, und feuerten in der Folge Raketen auf Israel.
Welche Rolle spielte US-Präsident Trump in der Krise?
Trump rief Israel und Iran über seine Plattform Truth Social und in Interviews auf, die Angriffe sofort einzustellen. Nach eigenen Angaben warnte er Netanyahu in einem Telefonat eindringlich vor einem Vergeltungsschlag und stellte sich öffentlich gegen ihn, um ein Ende der Gewalt zu erzwingen.
Welche wirtschaftlichen Folgen hatte die Eskalation?
Die asiatischen Aktienmärkte reagierten mit deutlichen Verlusten, der südkoreanische KOSPI fiel um 8,3 Prozent. Der Ölpreis stieg zeitweise auf knapp 98 US-Dollar pro Barrel, und die iranische Blockade der Straße von Hormuz sowie die Drohungen der Huthi-Miliz, die Meerenge Bab al-Mandab zu sperren, galten als erhebliche Risiken für den Welthandel.
Israel Iran Angriffe beendet: Trump stoppt Eskalation | nachrichten360