Hamilton feiert in Barcelona seinen ersten Ferrari-Sieg und beendet eine 686-tägige Durststrecke
Barcelona, 15. Juni 2026
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Kurzfassung
Lewis Hamilton hat beim Großen Preis von Barcelona seinen ersten Grand-Prix-Sieg für Ferrari gefeiert und nach 686 Tagen wieder einen Rennsieg errungen. Der 41-jährige Brite profitierte von einem späten Ausfall des WM-Führenden Kimi Antonelli, dessen Mercedes-Fahrzeug fünf Runden vor dem Ziel streiken blieb.
Lewis Hamilton hat beim Großen Preis von Barcelona seinen ersten Grand-Prix-Sieg für Ferrari gefeiert und nach 686 Tagen wieder einen Rennsieg errungen, während WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli fünf Runden vor dem Ziel mit einem technischen Defekt ausfiel.
Lewis Hamilton hat beim Großen Preis von Barcelona einen emotionalen ersten Grand-Prix-Sieg für Ferrari eingefahren. Der 41-jährige Brite, siebenfacher Weltmeister, beendete damit eine Serie von 24 Rennen ohne Podestplatz für die Scuderia und feierte insgesamt seinen 106. Grand-Prix-Erfolg. Auf seiner Lieblingsstrecke in Katalonien, wo er bereits sechsmal gewonnen hatte, sprang nun der lang ersehnte erste Triumph in Rot heraus.
Der 19-jährige Kimi Antonelli, der als Spitzenreiter der Fahrerwertung in das siebte Rennwochenende der Saison gegangen war, schien lange Zeit auf Kurs zu einem weiteren starken Resultat. Er lag fünf Runden vor dem Ziel auf Rang zwei, als sein Mercedes wegen eines elektronischen Defekts stehen blieb. Damit endete für den Youngster eine Serie von fünf aufeinanderfolgenden Grand-Prix-Siegen.
Antonellis Defekt öffnet das Tor
George Russell, der beim Barcelona-Rennen sein 100. Rennen für Mercedes bestritt, führte zur Rennhälfte und musste sich am Ende mit dem zweiten Platz begnügen. Auf dem Podium sagte Russell später, Hamilton sei eine "echte Gefahr" im Titelkampf. Sky-Experte Ralf Schumacher ergänzte, Russell müsse sich nun im teaminternen Duell unterordnen, was ihn "auch innerlich brechen" werde.
Hamilton selbst konnte sein Glück nach der Zieldurchfahrt kaum fassen. Im Zielbereich hüpfte er euphorisch mit seinen Mechanikern, die ihn mit "Lewis, Lewis"-Sprechchören feierten. Auf dem Podium durfte er nach 686 Tagen wieder eine Sektdusche auf dem obersten Treppchen genießen, dazu erklangen einige "Bravissimo"-Rufe aus dem Publikum. Die italienische Sportzeitung Tuttosport titelte am Tag danach "Roter Hammer".
Emotionale Worte nach 686 Tagen
Der Brite sprach anschließend offen über die schwierige Phase, die seinem Triumph vorausgegangen war. "Es begann mit viel Begeisterung (Sprint-Sieg in China, Anm.), dann folgten ein ganzes Jahr lang viele Zweifel und viel Negativität", blickte Hamilton auf die Rückschläge seit seinem Wechsel zu Ferrari zurück. Im Winter habe er härter trainiert als je zuvor, erklärte er.
Hamilton räumte zudem ein, dass es Momente gegeben habe, in denen er an sich selbst gezweifelt habe. "Sheesh, vielleicht stimmt es ja, dass man, wenn man einen bestimmten Punkt erreicht, es nicht mehr draufhat." Doch dann habe er bewiesen, dass das nicht stimme. "Man hat es immer noch drauf, es erfordert nur Arbeit", sagte der Routinier. Diese Erkenntnis war auch eine Antwort auf Kritiker.
Wolff zwischen Respekt und Wut
Auch einen Seitenhieb auf die teilweise heftige Kritik aus dem Netz lieferte Hamilton. McLaren-Pilot Lando Norris, der ebenfalls als Weltmeister unterwegs ist, sagte im Fahrerlager: "Viele Leute haben schlecht über ihn geredet, und er hat online von vielen Seiten ordentlich sein Fett wegbekommen – da ist es schön, dass er ihnen allen den Mittelfinger zeigen kann." Hamilton selbst betonte: "Man darf sich nie selbst hinterfragen, nie an sich zweifeln. Man muss weiter voll an sich glauben."
Toto Wolff, langjähriger Teamchef von Mercedes und gebürtiger Wiener, gratulierte seinem ehemaligen Piloten mit einer Mischung aus Respekt und Galgenhumor. "Er hat so lange gewartet und so hart gearbeitet", sagte Wolff und fügte hinzu: "Ich würde lieber nicht gegen Lewis um den Titel kämpfen. Denn ich weiß, wozu er fähig ist." Über Hamiltons Partnerin, die in den Fakten zwar erwähnt, aber nicht namentlich genannt wird, scherzte Wolff, eine stabile Partnerschaft habe auch ihm selbst geholfen, seine Karriere zu meistern.
Wolff hatte allerdings auch Grund zur Verärgerung. Mercedes war mit sechs Siegen in Folge in das Wochenende gegangen, diese Serie endete in Barcelona abrupt. Wolff sprach im ORF von einem "Scheißrennen" für sein Team. Er verwies darauf, dass durch den internen Zweikampf zwischen Russell und Antonelli "irrsinnig viel Rennzeit" verloren gegangen sei und betonte: "Man kann keine Meisterschaften gewinnen, wenn die Autos ausfallen." Sein Team müsse die internen Regeln überdenken, "weil wir jetzt einen echten Gegner haben".
Schumacher-Vergleich und Tifosi-Ekstase
Der Vergleich mit der eigenen Vergangenheit drängte sich am Tag des Sieges geradezu auf. Genau 30 Jahre vor Hamiltons Barcelona-Triumph hatte Michael Schumacher an gleicher Stelle seinen ersten Ferrari-Sieg gefeiert. Die Parallele wurde in der Scuderia mit Wohlwollen aufgenommen. Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur, der Hamilton nach Maranello geholt hatte, sprach von einer "Sache von Details", die letztlich den Unterschied gemacht habe.
Hamiltons Sieg war auch das Resultat einer klugen Rennstrategie und einer glücklichen Fügung: Eine virtuelle Safety-Car-Phase, die durch Antonellis Defekt nötig wurde, spielte dem Ferrari-Piloten in die Karten. Bis dahin hatte Hamilton die Lücke zu den Spitzenreitern Stück für Stück geschlossen. Am Ende stand der erste Ferrari-Sieg seit Oktober 2024, was bei den Tifosi und im Fahrerlager für Begeisterung sorgte.
WM-Stand vor Spielberg: 41 Punkte Differenz
Der Blick in die Wertung zeigt, wie eng der Titelkampf nun werden könnte. Vor dem Großen Preis von Österreich in Spielberg betrug Antonellis Vorsprung auf Hamilton noch 51 Punkte. Nach dem Barcelona-Wochenende ist dieser Abstand auf 41 Punkte geschmolzen. Damit ist der 19-Jährige, der 22 Jahre jünger ist als sein britischer Rivale, zwar weiterhin Spitzenreiter, muss aber nun damit rechnen, dass Hamilton in der WM-Rechnung wieder eine ernsthafte Rolle spielt.
Antonelli selbst zeigte sich nach seinem Ausfall zwar enttäuscht, aber sportlich. "Es tut weh, aber ich freue mich vor allem für Lewis", sagte der Italiener. "Das gehört zum Rennfahren dazu", betonte der 19-Jährige und fügte hinzu: "Er hat so lange auf diesen Sieg für Ferrari gewartet, das hat er absolut verdient." Diese Worte unterstrichen den Respekt, der zwischen den beiden Piloten trotz der harten Duelle herrscht.
Hamiltons Vertrag mit Ferrari läuft mittelfristig, doch sportlich hat er mit dem Barcelona-Sieg ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt. Er wisse, dass die Meisterschaft noch nicht entschieden sei, sagte er: "Es ist noch nicht vorbei, so viel ist sicher." Über seine Ankunft im Team sagte er zudem: "Meine Ankunft war ein Schock für das System, weil ich meine Meinung sehr, sehr deutlich äußere."
Bereits am Tag nach dem Rennen richtete sich der Blick nach vorn. Der achte Saisonlauf steht am Red-Bull-Ring in Spielberg an, einer Strecke, die Hamilton ebenfalls gut liegt. Wolff warnte unterdessen: "Wenn er Blut riecht, dann greift er an. Wenn der Lewis-Hamilton-Zug erstmal gestartet ist, dann ist er schwer zu stoppen." Vasseur und die Ferrari-Verantwortlichen wissen, dass die Messlatte nach diesem emotionalen Wochenende in Barcelona höher liegt.
Nicht nur sportlich, auch menschlich war der Tag in Katalonien für Hamilton ein besonderer. "Ich habe daran geglaubt, was dieses Team erreichen kann, was wir gemeinsam erreichen können", sagte er. Die anfängliche Euphorie nach dem Sprint-Sieg in China sei zwar einer langen Durststrecke gewichen, doch am Ende habe sich die Geduld ausgezahlt. Mit Blick auf den Kindheitstraum sagte er überglücklich: "Ich wollte schon als Kind in einem Ferrari gewinnen, das ist großartig."
Fragen & Antworten
Wie kam Lewis Hamilton zu seinem ersten Ferrari-Sieg in Barcelona?
Hamilton profitierte von einem späten elektronischen Defekt am Mercedes von WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli fünf Runden vor dem Ziel sowie von einer virtuellen Safety-Car-Phase. Bis dahin hatte er die Lücke zu den Führenden Stück für Stück geschlossen und sein siebentes Rennen an gleicher Strecke gewonnen.
Wie hat Toto Wolff den Barcelona-Grand-Prix bewertet?
Wolff nannte das Rennen ein "Scheißrennen" für Mercedes und kritisierte, dass durch den internen Zweikampf seiner Piloten viel Rennzeit verloren ging. Gleichzeitig gratulierte er Hamilton und warnte, dieser werde eine "echte Gefahr" im Titelrennen sein.
Wie ist der WM-Stand vor dem Großen Preis von Österreich?
Nach dem Barcelona-Rennen führt Kimi Antonelli weiterhin die Fahrerwertung an, sein Vorsprung auf Hamilton beträgt allerdings nur noch 41 Punkte. Vor dem Rennwochenende in Spanien hatte der Abstand noch 51 Punkte betragen.
Hamilton Ferrari-Sieg Barcelona: Erster GP-Triumph 2026 | nachrichten360