Großbritannien plant nächtliche Social-Media-Sperre für 16- und 17-Jährige
London, 15. Juli 2026
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Kurzfassung
Die britische Regierung hat in London Pläne für eine nächtliche Social-Media-Sperre für 16- und 17-Jährige vorgestellt. Zwischen Mitternacht und 6.00 Uhr sollen Plattformen wie Instagram oder TikTok nur noch nutzbar sein, wenn Jugendliche die Voreinstellung aktiv ändern.
Die britische Regierung hat am Dienstag in London Pläne vorgestellt, wonach 16- und 17-Jährige zwischen Mitternacht und 6.00 Uhr keinen Zugang zu Social-Media-Apps wie Instagram oder TikTok mehr haben sollen, sofern sie die Voreinstellung nicht aktiv ändern.
Was die Regierung plant
Wie die Regierung am Dienstag in London mitteilte, sollen 16- und 17-Jährige Apps wie Instagram oder TikTok zwischen Mitternacht und 6.00 Uhr nur noch nutzen können, wenn sie die Voreinstellung aktiv ändern. Die Maßnahme ist Teil eines umfassenden Gesetzespakets zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet, das im Frühjahr 2027 in Kraft treten soll.
Technologieministerin Liz Kendall begründete den Vorstoß mit dem Schlafbedürfnis Heranwachsender. Diese Maßnahmen sind entscheidend, um jungen Menschen zu dem Schlaf zu verhelfen, den sie brauchen, sich auf Schule und Ausbildung zu konzentrieren und mehr Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen, erklärte sie.
In einer weiteren Stellungnahme sagte Kendall, Eltern und Jugendliche hätten eine klare Botschaft gesendet: Auch wenn junge Menschen mit 16 Jahren unabhängiger werden, müssten sie vor den schädlichsten Mechanismen des Internets geschützt werden, um ausreichend Schlaf zu finden, sich auf ihre Bildung zu konzentrieren und ein erfülltes Leben aufzubauen.
Pilotprojekt mit 300 Familien
Die britische Regierung stützt sich nach eigenen Angaben auf ein Pilotprojekt mit über 300 Familien, in dem unterschiedliche Regeln getestet worden waren, darunter ein tägliches Zeitlimit von 15 Minuten, eine Sperrstunde ab 21.00 Uhr oder eine vollständige Entfernung der Apps. Die Rückmeldungen der Familien seien einhellig positiv gewesen und hätten von besserem Schlaf, höherer Konzentration und einem harmonischeren Familienleben berichtet.
Die Maßnahme soll unter anderem zu besserem Schlaf führen, wie es aus Regierungskreisen heißt. Der Hintergrund ist die seit Monaten geführte Debatte über den Umgang Minderjähriger mit den vor allem aus den USA und China betriebenen sozialen Plattformen.
Die geplanten Änderungen sind Teil eines großen Gesetzespakets der britischen Regierung. Im Kern sieht es bereits ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige vor. Im Juni hatte sich die britische Regierung bereits für ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren entschieden.
Suchterzeugende Funktionen als Ansatzpunkt
Unter dem neuen Vorhaben sollen 16- und 17-Jährige in den Standardeinstellungen suchterzeugende Funktionen deaktiviert bekommen. Dazu zählen demnach unter anderem automatisch nacheinander abgespielte Videos oder Feeds, die fortlaufend personalisierte Inhalte anzeigen. Auch diese Deaktivierung sollen Nutzer wieder aufheben können.
Wie es weiter hieß, sollen zudem Funktionen, die zum endlosen Weiternutzen animieren, standardmäßig deaktiviert werden. Dazu zählen automatisch abgespielte Videos ("Auto-Play") und endlose Feeds ("Infinite Scroll"). Die britische Regierung stuft solche Mechanismen als suchterzeugend ein.
Die Technologiekonzerne sollen gesetzlich zur Umsetzung der Sperre verpflichtet werden. Bei Verstößen drohten "sehr strenge regulatorische Sanktionen", wie der für Online-Sicherheit zuständige Minister Kanishka Narayan ankündigte.
Zeitplan: Weihnachten 2026, Frühjahr 2027
Die Regelungen sollen bis Ende des Jahres ins Parlament eingebracht werden. Das Gesetz soll bis Weihnachten verabschiedet werden und im Frühjahr 2027 in Kraft treten.
Kritik von Opposition und Experten
Die Opposition kritisierte die Pläne scharf. Die Bildungsexpertin der Partei, Laura Trott, sagte der BBC, Sperren, die sie einfach abschalten können, werden nichts bewirken. Auch Elternvertreter kritisierten die Pläne als nutzlos - ebenso wie die Opposition.
Oppositionspolitikerin Laura Trot erklärte ebenfalls im BBC-Interview, Sperrzeiten, die man einfach ausschalten kann, bringen nichts. Damit werde das eigentliche Problem nicht gelöst.
Auch Expertinnen und Experten äußerten Bedenken. Sonia Livingstone, Expertin für digitale Kinderrechte an der London School of Economics, sagte im BBC-Interview: "Wenn es eine Sperre ist, die ein Kind, das Unterstützung, Hilfe oder Trost braucht, daran hindert, sich mitten in der Nacht an vertrauenswürdige Ansprechpartner zu wenden, halte ich das für potenziell ziemlich schädlich."
Der britische Thinktank-Aktivist Andy Burrows, Leiter der auf Suizidprävention spezialisierten Molly-Rose-Stiftung, warf der Regierung gegenüber der BBC vor, kein Gesamtkonzept zu haben. Premierminister Keir Starmer verlasse ein Amt, nachdem er ein Social-Media-Verbot ohne Plan angekündigt habe – und sein wahrscheinlicher Nachfolger Andy Burnham "eine Reihe verpasster Chancen erben" werde.
Internationaler Vergleich und deutsche Debatte
Auch internationale Vergleiche spielen in der Debatte eine Rolle. Australien hatte im Dezember als erstes Land der Welt ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren in Kraft gesetzt. Auch Frankreich und Italien schränken den Zugang Minderjähriger zu sozialen Medien ein.
In Österreich plant die Regierung ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige. Nach Informationen von Der Standard wird derzeit an einem Entwurf gearbeitet, der im Sommer vorgestellt werden soll, um Anfang 2027 in Kraft zu treten. Die österreichische Bundesregierung will die Altersprüfung nicht den Plattformen überlassen und setzt auf eine zentrale Anwendung, die jeder App mitteilt, ob der jeweilige Nutzer zugreifen darf.
In Deutschland sprach sich Familienministerin Prien nach Empfehlungen einer Expertenkommission zuletzt für ein Verbot für unter 13-Jährige aus. Damit zeichnet sich auch hierzulande eine Annäherung an die britische Linie ab, allerdings mit unterschiedlichen Altersgrenzen.
Premierminister Keir Starmer hatte das Ziel der Maßnahme zuvor mit den Worten umrissen, es solle "Kindern ihre Kindheit zurückgeben". Die jetzt vorgestellten nächtlichen Sperren für ältere Jugendliche sind eine Erweiterung dieses Vorhabens und sollen ebenso wie das umfassendere Verbot für unter 16-Jährige im Frühjahr 2027 wirksam werden.
Die betroffenen Konzerne wie Meta und TikTok äußerten sich zunächst nicht. Damit bleibt offen, wie die Plattformen die technische Umsetzung einer verpflichtenden nächtlichen Sperre bewerkstelligen wollen und welche Spielräume sie bei der Altersverifikation erhalten.
Diese Nachricht wurde am 15.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Fragen & Antworten
Was hat die britische Regierung genau angekündigt?
Die britische Regierung hat am Dienstag in London Pläne vorgestellt, wonach 16- und 17-Jährige zwischen Mitternacht und 6.00 Uhr keinen Zugang zu Apps wie Instagram oder TikTok haben sollen, sofern sie die Voreinstellung nicht aktiv ändern. Die Regelungen sollen bis Ende des Jahres ins Parlament eingebracht werden und im Frühjahr 2027 in Kraft treten.
Wer hat die Pläne kritisiert und warum?
Die oppositionelle konservative Partei sowie Elternvertreter kritisierten die Pläne als nutzlos, da sich die Sperre in den Einstellungen leicht abschalten lassen soll. Die Bildungsexpertin Laura Trott sagte, Sperren, die Jugendliche einfach abschalten können, werden nichts bewirken.
Welche weiteren Einschränkungen sind Teil des Gesetzespakets?
Im Kern sieht das Paket bereits ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige vor. Zusätzlich sollen für 16- und 17-Jährige suchterzeugende Funktionen wie automatisch abgespielte Videos und endlose personalisierte Feeds standardmäßig deaktiviert werden, und riskante Angebote wie Livestreams oder Direkt-Chats mit Erwachsenen sollen für unter 16-Jährige drastisch eingeschränkt werden.
UK Social-Media-Sperre nachts für 16- und 17-Jährige ab 2027 | nachrichten360