EU-Kommission prüft Mindestalter für Soziale Medien: Experten empfehlen Zugangsbeschränkung für Kinder unter 13 Jahren
Brüssel, 13. Juli 2026
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Kurzfassung
Eine von der EU-Kommission eingesetzte Expertengruppe hat sich am Montag in Brüssel für ein Mindestalter von 13 Jahren für die Nutzung sozialer Medien ausgesprochen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte an, nach dem Sommer einen konkreten Gesetzesvorschlag vorzulegen.
Eine von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eingesetzte Expertengruppe hat am Montag in Brüssel einen Bericht vorgelegt, der eine EU-weite Zugangsbeschränkung zu sozialen Medien für Kinder unter 13 Jahren und einen schrittweisen Ausbau der Nutzungsmöglichkeiten ab dem Teenageralter empfiehlt.
Die EU-Kommission will den Zugang von Kindern und Jugendlichen zu sozialen Medien neu regeln. Eine von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beauftragte Expertengruppe überreichte am Montag (13. Juli 2026) in Brüssel ihren Abschlussbericht. Darin spricht sich das Gremium für eine EU-weite harmonisierte Altersgrenze aus, wie aus den vorliegenden Empfehlungen hervorgeht.
Kernpunkt des Berichts ist eine gestaffelte Regulierung: Kinder unter 13 Jahren sollen demnach Social Media nur in zeitlich begrenztem Umfang und unter Aufsicht von Eltern, Erziehungsberechtigten oder in pädagogischen Kontexten nutzen dürfen. Ab 13 Jahren soll der Zugang schrittweise erweitert werden, bestimmte Dienste könnten nach Risiko erst ab 15 oder 16 Jahren freigegeben werden.
Gestaffeltes Modell: Unter 13 nur eingeschränkt
«Auf der Basis der vorliegenden Evidenz empfehlen wir die EU-weite harmonisierte Einführung einer Zugangsbeschränkung zu Social Media für Kinder unter 13 Jahren», heißt es in dem Bericht. Der Co-Autor Jörg Fegert, ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Ulm, betonte: «Nun zum Jugendalter: Autonomieentwicklung ist eine zentrale Entwicklungsaufgabe des Jugendalters.»
Von der Leyen kündigte an, die Empfehlungen zügig in konkrete Politik zu übersetzen. «Wir werden uns den Bericht sehr genau ansehen und nach dem Sommer einen Vorschlag vorlegen», sagte die Kommissionspräsidentin. Es werde «ein Mindestalter geben, ab dem sich Kinder auf Social Media anmelden können». Mit dem Bericht sei der «Status-quo, in denen wir es den großen Tech-Unternehmen erlauben, uneingeschränkten Zugang zu unseren Kindern erlauben», nicht mehr hinnehmbar, warnte sie.
Die Kommissionspräsidentin verwies auf die besondere Dringlichkeit: «Wir haben keine Zeit.» Junge Menschen verbrächten heute schon insgesamt rund 20 Lebensjahre online, ergänzte die siebenfache Mutter. Nach den Plänen soll die Kommission bis Ende 2026 eine entsprechende Altersgrenze festlegen, ein erster Gesetzesentwurf wird für Anfang Herbst erwartet, möglicherweise im Rahmen der Rede zur Lage der Union im September.
Nationale Vorstöße und internationale Vorbilder
Der Vorstoß trifft auf eine bereits laufende Debatte in mehreren Mitgliedstaaten. Österreich plant nach Angaben der Bundesregierung ein Social-Media-Verbot für Unter-14-Jährige. Der österreichische Staatssekretär für Digitalisierung, Alexander Pröll, betonte: «Kinder und Jugendliche brauchen jetzt Schutz und solange es auf EU-Ebene keine geltende Regelung gibt, bleiben wir bei unserem nationalen Ansatz.»
In Frankreich gilt seit Dezember ein Verbot für unter 16-Jährige. Die EU-Kommission schätzt den französischen Gesetzesvorschlag, der ursprünglich auf unter 15-Jährige zielte, allerdings als nicht vollständig mit EU-Recht vereinbar; die Regierung in Paris muss ihr Vorhaben nach Ansicht der Kommission anpassen. In Großbritannien wird ein Verbot für unter 16-Jährige vorbereitet, Premierminister Keir Starmer begründet dies mit dem Schutz und Wohlbefinden der Kinder.
Auch Spanien, Dänemark und weitere Länder arbeiten nach Darstellung der Kommission an einer «digitalen Volljährigkeit». Australien war Ende 2025 das erste Land weltweit, das ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige einführte. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hatte sich zuvor für ein Verbot für unter 13-Jährige in Deutschland ausgesprochen; die deutschen Experten im Expertengremium hatten ebenfalls zu einem Verbot für Kinder unter 13 Jahren oder zu Beschränkungen für einzelne Dienste je nach Risiko geraten.
Rechtliche Grundlage: Digital Services Act
Rechtlich stützt sich die EU auf den Digital Services Act (DSA). Artikel 28 zum «Online-Schutz Minderjähriger» verpflichtet Online-Plattformen, «geeignete und verhältnismäßige Maßnahmen» zum Schutz Minderjähriger zu ergreifen. Der DSA ist seit zwei Jahren in Kraft und soll Online-Unternehmen dazu zwingen, stärker gegen illegale und hetzerische Inhalte im Internet vorzugehen. Viele Plattformen sehen aus Datenschutzgründen heute schon einen Zugang ab 13 Jahren vor.
In der Brüsseler Kommission besteht zugleich der Wunsch nach einer einheitlichen Linie: Man wolle «keine übermäßige Fragmentierung» zulassen, also keine unterschiedlichen Regeln in den 27 Mitgliedsländern. Über einen konkreten Gesetzesvorschlag der Kommission müssten anschließend das Europaparlament und der Rat der 27 Mitgliedstaaten beraten.
Für die technische Umsetzung einer Altersprüfung spielt nach den vorliegenden Plänen auch die digitale Brieftasche EUDI-Wallet eine Rolle, die Anfang 2027 auch in Deutschland verfügbar sein soll. Damit ließe sich das Alter von Nutzerinnen und Nutzern verifizieren, ohne dass etwa eine Ausweiskopie an die Plattformen weitergereicht wird.
Technische Umsetzung mit der EUDI-Wallet
Druck für ein EU-weites Mindestalter kommt auch aus dem Europaparlament: Bereits im November hatte das Plenum ein Mindestalter von 13 Jahren für die Nutzung sozialer Medien und sogenannter KI-Freunde eingefordert. Von der Leyen selbst hatte in der Vergangenheit betont, dass es nicht mehr darum gehe, ob Kinder online Risiken ausgesetzt seien, sondern darum, was dagegen getan werden könne.
Die EU-Kommission erklärte, dass Kinder und Jugendliche «jetzt und heute mit großen Risiken durch technologisches Design und durch inadäquate Inhalte auf Social Media» konfrontiert seien. Vor diesem Hintergrund bewertet die Brüsseler Behörde das Vorhaben als «eine der größten Herausforderungen für die Regierungen»: Wie man Kinder schützen könne und welche Normen und Regelungen dafür geeignet wären.
Risiken, Kritik und offene Fragen
Unter Experten ist die Einschätzung nicht unumstritten. Befürworter verweisen auf Hinweise zu Suchtgefahren und psychischen Belastungen durch intensive Social-Media-Nutzung bei Minderjährigen, etwa im Zusammenhang mit dem Meta-Konzern, dessen Plattformen Instagram und Facebook im Fokus von Untersuchungen stehen. Eine erste Studie zur australischen Altersgrenze zeigte allerdings, dass die Wirkung bisher «fast wirkungslos» ausfällt.
Kritiker warnen, ein pauschales Verbot verlagere die Nutzung nur in schwerer kontrollierbare Bereiche und schränke die digitale Teilhabe junger Menschen ein. Der Ulmer Kinderpsychiater Fegert betonte jedoch, eine differenzierte, altersgestaffelte Lösung könne «Autonomieentwicklung» ermöglichen und gleichzeitig Risiken reduzieren.
Ausblick: Gesetzentwurf nach der Sommerpause
Bis ein verbindlicher europäischer Rechtsrahmen steht, dürften indes noch Monate vergehen: Die Vorlage eines Gesetzesentwurfs bis Ende Sommer oder Anfang Herbst 2026 markiert erst den Beginn eines Prozesses, an dessen Ende die Abstimmung zwischen Parlament und Mitgliedstaaten stehen würde. Bis dahin droht ein Flickenteppich nationaler Regeln, wie ihn die Kommission ausdrücklich vermeiden will.
Die nächsten politischen Etappen sind die Sommerpause der EU-Institutionen sowie die Rede zur Lage der Union von Ursula von der Leyen im September, in der sie den konkreten Vorschlag ankündigen will. Bis Ende 2026 soll dem Bericht zufolge eine entsprechende Altersgrenze festgelegt werden – womit die Debatte um Kinderschutz, digitale Selbstbestimmung und die Macht großer Plattformen in eine neue Runde geht.
Fragen & Antworten
Welches Mindestalter für Soziale Medien empfiehlt die EU-Expertenkommission?
Die Expertengruppe empfiehlt eine EU-weite harmonisierte Zugangsbeschränkung zu Social Media für Kinder unter 13 Jahren, mit einer schrittweisen Erweiterung ab dem Teenageralter.
Was hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am 13. Juli 2026 angekündigt?
Von der Leyen kündigte an, den Expertenbericht genau zu prüfen und nach dem Sommer einen konkreten Gesetzesvorschlag vorzulegen, mit dem eine EU-weite Altersgrenze für Soziale Medien festgelegt werden soll.
Welche Länder haben bereits ein Social-Media-Verbot oder bereiten es vor?
Australien hat Ende 2025 als erstes Land weltweit ein Verbot für unter 16-Jährige eingeführt, Großbritannien bereitet ein Verbot für unter 16-Jährige vor, Österreich plant ein nationales Verbot, und Frankreich, Spanien und Dänemark arbeiten ebenfalls an Altersgrenzen.
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