Georg Uecker: Verdienstorden NRW für „Lindenstraße"-Star | nachrichten360
Georg Uecker erhält Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen
Düsseldorf, 02 Juni 2026
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Kurzfassung
Der Schauspieler Georg Uecker ist am Dienstag in Düsseldorf mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet worden. Geehrt wurde er für sein langjähriges Engagement für die queere Community und seine Rolle in der „Lindenstraße".
Düsseldorf, 02 Juni 2026
Der Schauspieler Georg Uecker ist am Dienstag, dem 2. Juni 2026, in Düsseldorf von Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet worden.
Ordensverleihung in Düsseldorf
Die feierliche Ordensverleihung fand in der Düsseldorfer Staatskanzlei statt. Uecker erhielt die Auszeichnung gemeinsam mit 14 weiteren Persönlichkeiten, darunter der „Lindenstraße"-Erfinder Hans W. Geißendörfer und sein Schauspielkollege Ralph Morgenstern. Alle Geehrten hätten sich „in besonderer Weise für ein offenes, vielfältiges und respektvolles Miteinander in Nordrhein-Westfalen eingesetzt", heißt es in der Begründung der Staatskanzlei.
Uecker, der 33 Jahre nach seiner HIV-Diagnose ausgezeichnet wurde, sagte bei der Verleihung: „Ich fühle mich sehr geehrt, aber habe absolut nicht damit gerechnet. Ich wollte ja für mein Engagement nie einen Orden, sondern gesellschaftliche Veränderung. Und die haben wir erreicht. Man muss aber auch das, was wir erreicht haben, verteidigen. Und dafür ist so eine Auszeichnung natürlich prima!"
Der heute 63-Jährige ist vor allem als Dr. Carsten Flöter aus der ARD-Serie „Lindenstraße" bekannt. Mehr als drei Jahrzehnte lang verkörperte er die Figur, die gemeinsam mit Robert Engel, gespielt von Martin Armknecht, im Jahr 1990 den ersten gleichgeschlechtlichen Kuss im deutschen Vorabendprogramm zeigte. Die „Lindenstraße" gilt bis heute als Vorreiterin im deutschen Fernsehen.
Der Kuss, der Fernsehgeschichte schrieb
Die Serie wurde vom Erfinder Hans W. Geißendörfer konzipiert und lief ab Dezember 1985 über die Bildschirme. Die letzte Folge wurde am 29. März 2020 ausgestrahlt. Wenn am Sonntagabend die Titelmelodie erklang, schauten Millionen Menschen auf das Leben in einer fiktiven Straße irgendwo in Deutschland.
Besonders in Erinnerung geblieben ist die Kuss-Szene aus dem Jahr 1990 zwischen den Figuren Carsten Flöter und Robert Engel. Sie gilt als Meilenstein der deutschen Fernsehgeschichte. „Rückblickend wird die ‚Lindenstraße' deshalb oft als ein Stück Fernsehgeschichte betrachtet, das gesellschaftliche Entwicklungen nicht nur begleitet, sondern mit angestoßen hat", schreibt der WDR.
Persönlicher Kampf gegen HIV und Krebs
Die „Lindenstraße" brachte queere Themen aber nicht nur in Form symbolischer Momente ins Fernsehen. Auch in der Aids-Krise, die das Leben vieler schwuler Männer in den 1980er- und 1990er-Jahren prägte, gab die Serie Einblicke und schuf Sichtbarkeit. „Heute sind queere Menschen deutlich sichtbarer als zu Zeiten der ersten ‚Lindenstraße'-Folgen", betonen Beobachter.
Hinter Ueckers öffentlichem Engagement liegt eine persönliche Geschichte voller Verlust und Krankheit. In einem Interview mit dem stern im Jahr 2018 erinnerte er sich: „Ich habe innerhalb weniger Wochen alles verloren. Vier Wochen nachdem mein Freund gestorben war, lag ich im Krankenhaus mit der Diagnose Lymphdrüsenkrebs und HIV. Alles auf einmal. Ich bin durch die Hölle gegangen."
Der Schauspieler lebt seit 1993 mit HIV. Kurz nach der Diagnose erhielt er zudem die Diagnose Morbus Hodgkin, einen bösartigen Tumor des Lymphsystems. „Ich dachte, jetzt sterbe ich. Ich hatte die härteste Chemo-Variante, die es gab – die Ärzte wollten den Krebs in den Griff kriegen, bevor Aids ausbrechen könnte. In meinem Körper herrschte Atomkrieg."
Die Doppeldiagnose überstand Uecker, der sich heute selbst als „zähes Luder" bezeichnet. „Die Ehrung zeigt auch, wie sehr sich der gesellschaftliche Blick verändert hat: Was Anfang der 1990er-Jahre noch Protest auslöste, gilt heute als wichtiger Schritt für mehr Akzeptanz und Sichtbarkeit queeren Lebens in Deutschland", schreibt der WDR in seiner Begründung.
Engagement für die queere Community
Seit dem Ende der „Lindenstraße" im Jahr 2020 ist Uecker selten in der Öffentlichkeit aufgetreten, auch aus gesundheitlichen Gründen. Heute gehe es ihm aber „sehr gut", sagte er vor der Ordensverleihung. Das langjährige Engagement für die queere Community würdigte das Land Nordrhein-Westfalen nun mit dem Verdienstorden.
Der Orden wird jährlich vom Ministerpräsidenten an Bürgerinnen und Bürger verliehen, die sich in besonderer Weise für das Gemeinwohl eingesetzt haben. Die Auszeichnung gilt als eine der höchsten Ehrungen des Landes. Mit Uecker, Geißendörfer und Morgenstern standen in diesem Jahr drei Persönkeiten auf der Liste, die das queere Leben in Deutschland über Jahrzehnte geprägt haben.
Die Rolle als Vorreiterin brachte der „Lindenstraße" viel Anerkennung, aber auch Kritik. „Zwischen Fortschritt und Gegenwind - ein weiter Weg zur Akzeptanz" heißt es in der WDR-Dokumentation zur Verleihung. Die Serie habe Debatten angestoßen und Tabus gebrochen, so die Einschätzung der Autoren.
Gesellschaftlicher Kontext und queere Sichtbarkeit
Dass die Ehrung ausgerechnet am 2. Juni 2026 stattfand, ist kein Zufall: Nordrhein-Westfalen setzt mit der Vergabe des Verdienstordens regelmäßig Zeichen für Vielfalt und Toleranz. In diesem Jahr standen queere Sichtbarkeit und das Engagement gegen Diskriminierung im Mittelpunkt. Auch andere Preisträger, darunter der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands, wurden für ihren Einsatz ausgezeichnet.
Die Reaktionen auf die Ordensverleihung waren überwiegend positiv. In sozialen Netzwerken gratulierten zahlreiche Weggefährten und Fans. Claus Vinçon, ebenfalls „Lindenstraße"-Darsteller, würdigte Ueckers Lebensleistung. Auch Politikerinnen und Politiker aus Bund und Land gratulierten dem Schauspieler.
Im vergangenen Jahr gab es in Nordrhein-Westfalen über 280 Straftaten mit queerfeindlichem Hintergrund - ein neuer Höchststand. Die Zahlen, die das Innenministerium NRW und die Polizei Mönchengladbach veröffentlicht haben, zeigen, dass die Akzeptanz, die Uecker und andere erreicht haben, keine Selbstverständlichkeit ist. Queere Organisationen wie „Queers an der Niers e.V." sehen in der Ordensverleihung ein wichtiges Signal.
Georg Uecker blickt unterdessen gelassen auf die Auszeichnung. Er habe nicht damit gerechnet, sagte er, und er wolle den Orden nicht als Krönung, sondern als Ansporn verstanden wissen. „Man muss das, was wir erreicht haben, verteidigen", sagte er - und kündigte an, sich weiterhin für die Rechte queerer Menschen einzusetzen.
Auszeichnung als Ansporn
Mit der Ehrung schließt sich für Uecker ein Kreis: Vor mehr als 30 Jahren stand er als Dr. Carsten Flöter erstmals vor der Kamera, vor mehr als 30 Jahren küsste er seinen Serienpartner im deutschen Vorabendprogramm. Heute, im Juni 2026, erhält er für genau dieses Engagement den Verdienstorden des Landes - eine Auszeichnung, die weit über die Welt des Fernsehens hinausstrahlt.
Fragen & Antworten
Wer ist Georg Uecker?
Georg Uecker ist ein deutscher Schauspieler, der durch seine Rolle als Dr. Carsten Flöter in der ARD-Serie „Lindenstraße" bekannt wurde. Er lebt seit 1993 mit HIV und engagiert sich seit Jahrzehnten für die queere Community.
Wofür wurde Georg Uecker mit dem Verdienstorden ausgezeichnet?
Uecker wurde für sein langjähriges Engagement für die queere Community und seine Rolle als Vorreiter für Sichtbarkeit homosexueller Lebenswelten im deutschen Fernsehen geehrt.
Wann und von wem wurde der Orden überreicht?
Der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen wurde Georg Uecker am Dienstag, dem 2. Juni 2026, von Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) in der Düsseldorfer Staatskanzlei überreicht.