Deutscher Filmpreis 2026: Senta Berger, Wim Wenders und | nachrichten360
Deutscher Filmpreis: Senta Berger gewinnt erste Lola mit 85, Wim Wenders spricht über Kinski-Szene
Berlin, 29. Mai 2026
Martin Kraft / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0
Kurzfassung
Beim Deutschen Filmpreis in Berlin wurde Senta Berger mit 85 Jahren erstmals als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Wim Wenders erhielt den Ehrenpreis und sprach über eine umstrittene Nacktszene mit der damals 13-jährigen Nastassja Kinski.
Bei der Gala zum Deutschen Filmpreis am Freitagabend in Berlin wurde die 85-jährige Senta Berger für ihre Rolle in der Tragikomödie 'Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke' mit der Lola als beste Hauptdarstellerin geehrt, während Regisseur Wim Wenders den Ehrenpreis entgegennahm und eine kontroverse Szene aus seinem Frühwerk thematisierte.
Senta Berger: Erste Lola mit 85
Rund 1.900 geladene Gäste verfolgten die Zeremonie im Berliner Funkturm, die von Moderator Christian Friedel mit spöttischen Seitenhieben auf die kulturpolitischen Debatten der vergangenen Monate begleitet wurde. Die Veranstaltung wurde am späteren Abend zeitversetzt im Ersten ausgestrahlt, nachdem ein unerwarteter Ausfall der Saaltechnik zu einer vorübergehenden Unterbrechung der Live-Übertragung geführt hatte.
Senta Berger, die in Wien geborene Schauspielerin, erhielt stehende Ovationen, als sie die Auszeichnung für ihre Darstellung der Großmutter des Protagonisten Joachim entgegennahm. Es war ihre allererste Nominierung für den Deutschen Filmpreis überhaupt. 'Ich bin aber aufgeregt. Ich bin erst morgen glücklich. Heute ist es einfach zu viel', sagte Berger auf der Bühne.
Die Tragikomödie basiert auf dem gleichnamigen Roman von Joachim Meyerhoff und wurde von Bergers Sohn Simon Verhoeven inszeniert. Der Regisseur gratulierte seiner Mutter mit den Worten: 'Mama, ich gratuliere dir zu deiner allerersten Nominierung für den Deutschen Filmpreis mit 85 Jahren.' Er fügte hinzu, dass er am Set ständig 'Mama' gesagt habe, was nicht unbedingt autoritätsfördernd sei, aber in diesem Fall wunderbar gewesen sei.
Verhoeven beschrieb seine Erfahrung mit der Mutter vor der Kamera emotional: 'Ich habe deine Verletzlichkeit gesehen, deine Empfindsamkeit, deinen Humor, dein Herz, aber in einer neuen Form, einer neuen Hülle, einem neuen Rhythmus, einem anderen Menschen.' Er habe eine Frau gesehen, die ihm fremd gewesen sei und ihm trotzdem so nahe gekommen sei. Nach der Preisübergabe gab er seiner Mutter einen Kuss.
Großer Abräumer: 'In die Sonne schauen'
Der große Gewinner des Abends war das Drama 'In die Sonne schauen' von Regisseurin Mascha Schilinski. Der Film, der die Geschichte mehrerer Frauen auf einem Hof in der Altmark über verschiedene Zeitebenen hinweg erzählt, gewann zehn Auszeichnungen, darunter die Goldene Lola für den besten Spielfilm sowie Preise für die beste Regie, das beste Drehbuch und die beste Nebendarstellerin.
Lena Urzendowsky, die als beste Nebendarstellerin geehrt wurde, rief in ihrer Dankesrede zu mehr Zusammenhalt auf: 'Wir müssen miteinander reden, uns einander anvertrauen und füreinander da sein.' Der Film war als deutscher Beitrag für die Oscars eingereicht worden, schaffte es jedoch nicht in die Endrunde.
Die Silberne Lola ging an den politischen Thriller 'Gelbe Briefe' von Regisseur İlker Çatak, der die Geschichte eines Künstlerpaares unter politischer Repression erzählt. Produziert wurde der Film von Ingo Fliess. Çatak hatte im Februar mit demselben Werk den Goldenen Bären der Berlinale gewonnen – als erster deutscher Regisseur seit mehr als 20 Jahren.
Die Lola in Bronze erhielt die Tragikomödie 'Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke'. August Diehl wurde als bester Hauptdarsteller für seine Leistung in 'Das Verschwinden des Josef Mengele' ausgezeichnet, Michael Wittenborn als bester Nebendarsteller. Der Preis für den besten Dokumentarfilm ging an 'Siri Hustvedt - Dance Around the Self', die Auszeichnung für den besten Kinderfilm an 'Zirkuskind'.
Weitere Preisträger des Abends
Den Publikumspreis für den Film mit den höchsten Besucherzahlen des Jahres sicherte sich 'Das Kanu des Manitu' von Michael 'Bully' Herbig. Insgesamt waren rund 2.400 Mitglieder der Deutschen Filmakademie wahlberechtigt, um über viele der Preisträger abzustimmen. Die Lola gilt als die bedeutendste Auszeichnung für Filmschaffende in Deutschland und wird seit 1951 jährlich verliehen.
Wim Wenders und die Kinski-Szene
Im Mittelpunkt des Abends stand auch die Verleihung des Ehrenpreises an Wim Wenders. Der 80-jährige Regisseur von Werken wie 'Paris, Texas' und 'Perfect Days' wurde für seine Verdienste um den deutschen Film mit stehenden Ovationen gefeiert. In seiner Dankesrede griff Wenders ein schwieriges Kapitel seiner Karriere auf: eine Nacktszene in seinem Film 'Falsche Bewegung' aus dem Jahr 1975.
In dem Film war die damals 13-jährige Nastassja Kinski mit nacktem Oberkörper zu sehen. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung versucht Kinski seit Jahren, die Szene aus dem Film entfernen zu lassen. Sie sagte der Zeitung: 'Obwohl ich mit 13 noch nicht so viel wusste, habe ich schon gemerkt, dass das nicht in Ordnung war.'
Wenders räumte ein, dass er die Szene heute nicht mehr so drehen würde. 'Ich weiß heute mehr, viel mehr. Es gibt andere Sensibilitäten, wir leben in einer völlig anderen Welt als vor 50 Jahren', sagte er. Zugleich könne er seinem jüngeren Ich keinen Vorwurf machen. Er stellte die Frage in den Raum: 'Kann man einen Film im Nachhinein kürzen?'
Der Regisseur zeigte sich unschlüssig: 'Und ich bin auch ratlos.' Er warnte davor, dass eine nachträgliche Kürzung einen Präzedenzfall schaffen würde, der alle anderen Filme betreffen könnte. Wenders bat die Deutsche Filmakademie um eine Diskussion zu dem Thema, insbesondere mit jüngeren Menschen, und bezeichnete die Frage als moralische Frage.
Politische Töne und technische Panne
Die Gala war auch von politischen Tönen geprägt. Moderator Christian Friedel warnte vor der AfD und äußerte sich besorgt über seine Geburtsstadt Magdeburg und die anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt. Mit einem Wortspiel auf die Farbe Blau sagte er: 'Wer schon einmal blau war, der weiß, wie scheiße man sich am nächsten Morgen fühlt.'
Auch die Akademiepräsidenten Florian Gallenberger und Vicky Krieps riefen zu Solidarität auf. Gallenberger betonte, dass Kultur verbinde und ein Raum sei, in dem jeder seinen Platz habe. Kultur helfe auch gegen die AfD und widersetze sich jeder Bevormundung. Unter den Gästen war auch der parteilose Kulturstaatsminister Wolfram Weimer.
Für einen humorvollen Moment sorgte Regisseur Leander Haußmann, der in seiner Laudatio İlker Çataks Namen falsch aussprach und dies mit den Worten kommentierte: 'Die Angst des Deutschen vor dem Aussprechen türkischer Namen.' Die Preisverleihung wurde kurzzeitig wegen eines technischen Defekts unterbrochen, sodass das Publikum den Saal verlassen konnte und der Live-Stream pausierte.
Ein Sprecher der ARD-Programmdirektion erklärte dazu: 'Aufgrund eines unerwarteten Ausfalls der Saaltechnik kam es während der Übertragung des Deutschen Filmpreises am Freitagabend zu einer vorübergehenden Unterbrechung des Programms.' Die Gala wurde später am Abend zeitversetzt fortgesetzt und vollständig ausgestrahlt.
Fragen & Antworten
Warum war Senta Bergers Gewinn des Deutschen Filmpreises so besonders?
Senta Berger gewann die Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin mit 85 Jahren – es war ihre allererste Nominierung für den Deutschen Filmpreis überhaupt.
Welche Kontroverse sprach Wim Wenders bei der Verleihung an?
Wenders thematisierte eine Nacktszene mit der damals 13-jährigen Nastassja Kinski in seinem Film 'Falsche Bewegung' von 1975 und bat die Filmakademie um eine Diskussion zum Umgang mit solchen Szenen.
Welcher Film gewann die meisten Preise bei der Gala?
Das Drama 'In die Sonne schauen' von Mascha Schilinski gewann zehn Lolas, darunter die Goldene Lola für den besten Spielfilm.