Gedenken in Sarajevo: Sirenen markieren 31. Jahrestag des Völkermords von Srebrenica
Sarajevo, 11. Juli 2026
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Kurzfassung
Zum 31. Jahrestag des Völkermords von Srebrenica hat Bosnien und Herzegowina mit einer Schweigeminute und landesweiten Sirenen der mehr als 8.300 ermordeten Bosniaken gedacht. In Potocari wurden zehn neu identifizierte Opfer beigesetzt, während 900 Menschen weiter als vermisst gelten.
Am 11. Juli 2026 hat Bosnien und Herzegowina mit landesweiten Sirenen und einer Schweigeminute des Völkermords von Srebrenica gedacht, bei dem 1995 mehr als 8.300 bosniakische Männer und Jungen getötet wurden.
Gedenkfeier in Potocari
In Sarajevo und im gesamten Kanton Sarajevo stand das öffentliche Leben am Mittag für mehrere Minuten still. Um 12 Uhr heulten Sirenen, der Verkehr kam zum Erliegen, und Tausende Menschen gedachten der Opfer des Völkermords, der als das schwerste Kriegsverbrechen auf europäischem Boden seit dem Zweiten Weltkrieg gilt. Die Gedenkfeier in diesem Jahr markierte den 31. Jahrestag der Ereignisse vom Juli 1995.
Im Gedenkfriedhof von Potocari, einem kleinen Dorf nahe Srebrenica, wurden nach Angaben der Behörden zehn neu identifizierte Opfer beigesetzt. Tausende Trauergäste nahmen an der Zeremonie teil. Einige der Überreste waren bereits 1997 in Massengräbern entdeckt worden, andere erst vor vier Jahren. Die Identifizierung der Toten dauert bis heute an.
Emza Fazlic, Mitarbeiterin des Instituts für Vermisste Personen von Bosnien und Herzegowina in Sarajevo, erklärte, dass bei den derzeit beigesetzten Opfern im Durchschnitt nur etwa 50 Prozent des Skeletts vorhanden seien. „Besonders von den Menschen, die dieser Tage beigesetzt werden, sind im Durchschnitt nur etwa 50 Prozent des Skeletts vorhanden“, sagte Fazlic. Sie betonte, dass die Suche nach Überresten Knochen für Knochen über Jahre fortgesetzt werde.
Die Suche nach den Vermissten
Fazlic wies darauf hin, dass die Angehörigen der Opfer immer wieder hofften, weitere Massengräber zu finden, um die Überreste in möglichst vollständigem Zustand beisetzen zu können. „Das zeigt, dass dieses Verbrechen bis heute andauert - in gewisser Weise“, sagte sie. Die Arbeit der Identifizierung erfordere es, Gräber wieder zu öffnen und Familien erneut zu kontaktieren, um deren Zustimmung für weitere Beisetzungen einzuholen – ein Prozess, der die Hinterbliebenen Jahrzehnte später zwinge, ihr Trauma erneut zu durchleben.
Munira Subasic, Präsidentin des Vereins „Mütter von Srebrenica“, einem Zusammenschluss trauernder Familien, berichtete, sie habe den Völkermord überlebt, aber 22 ihrer Familienangehörigen seien umgebracht worden, darunter ihr Ehemann und ihr jüngster Sohn. „Ich habe den Völkermord überlebt, aber 22 meiner Familienangehörigen wurden umgebracht“, sagte Subasic. Sie fügte hinzu: „Sie wurden umgebracht, weil sie einen anderen Namen hatten und muslimisch waren.“
Persönliche Schicksale
Subasic schilderte auch die persönliche Dimension der Suche nach Überresten: „Ich habe nur zwei Knochen von meinem Sohn gefunden, aber ich habe einen Grabstein; einen Ort, um zeigen, dass er in Srebrenica gelebt hat. Aber viele Mütter haben das nicht.“ Alnes Alic, eines der neu beigesetzten Opfer, war ein Jahr alt, als sein Vater ermordet wurde. Seine Großeltern, sein Vater, drei Onkel väterlicherseits, drei Onkel mütterlicherseits und weitere Verwandte kamen im Krieg ums Leben. „Meine Großeltern wurden im Krieg getötet, mein Vater ebenfalls“, hieß es aus der Familie.
UN-Generalsekretär António Guterres erklärte im Kontext des Gedenkens: „Erinnerung heiße auch, sich in der Gegenwart gegen Hass und Diskriminierung zu stellen.“ Die Europäische Kommission gedachte ebenfalls der mehr als 8.300 ermordeten muslimischen Männer und Jungen. Die UN-Generalversammlung hatte den 11. Juli vor zwei Jahren gegen den Widerstand Serbiens zum internationalen Gedenktag erklärt.
Internationale Reaktionen und die Rolle der UN
Die Rolle der niederländischen UN-Blauhelme, die zum Zeitpunkt der Einnahme Srebrenicas in der Stadt stationiert waren, bleibt ein umstrittenes Kapitel. Die niederländische Regierung entschuldigte sich 2022 im Zusammenhang mit den Ereignissen. Angehörige der Opfer hatten den niederländischen Blauhelmsoldaten vorgeworfen, die Tötungen beobachtet zu haben, ohne einzugreifen. Die Blauhelme waren zahlenmäßig unterlegen und hatten nach Darstellung der Fakten ein unklares militärisches Mandat.
Nach der Einnahme der Stadt durch bosnisch-serbische Milizen am 11. Juli 1995 hatten diese innerhalb weniger Tage Tausende Bosniaken getötet, die sich zumeist in einer UN-Schutzzone aufhielten. Bis heute gelten 900 Menschen aus Srebrenica als vermisst. Die Suche nach weiteren Massengräbern und die Identifizierung von Überresten gehen weiter, während jedes Jahr neu identifizierte Opfer in Potocari beigesetzt werden.
Die Gedenkzeremonie in diesem Jahr unterstrich die fortdauernde Dimension des Verbrechens: Auch 31 Jahre nach den Tötungen werden Familien in Sarajevo und in ganz Bosnien und Herzegowina mit der Suche nach den Überresten ihrer Angehörigen konfrontiert. Die Schweigeminute um 12 Uhr war ein Zeichen dafür, dass die Erinnerung an Srebrenica im öffentlichen Bewusstsein des Landes weiterhin einen festen Platz hat.
Fragen & Antworten
Was geschah am 11. Juli 1995 in Srebrenica?
Bosnisch-serbische Milizen eroberten die Stadt Srebrenica und töteten innerhalb weniger Tage mehr als 8.300 bosniakische Männer und Jungen, die sich zumeist in einer UN-Schutzzone aufhielten.
Wer ist Munira Subasic?
Munira Subasic ist die Präsidentin des Vereins „Mütter von Srebrenica“, eines Zusammenschlusses trauernder Familien, der sich für Aufklärung und würdevolle Gedenkfeiern einsetzt.
Wie viele Menschen aus Srebrenica gelten noch als vermisst?
Nach den vorliegenden Angaben gelten 900 Menschen aus Srebrenica weiterhin als vermisst; die Suche nach Massengräbern und die Identifizierung von Überresten dauern an.
Srebrenica-Gedenken 2026: Zehn Opfer in Potocari beigesetzt | nachrichten360