Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen" startet: Bis zu 30.000 Euro pro neuer Wohnung
Berlin, 30 Juni 2026
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Kurzfassung
Ab dem 1. Juli 2026 können Bauherren und Investoren in Deutschland Fördermittel von bis zu 30.000 Euro pro neu geschaffener Wohnung beantragen, wenn sie leerstehende Büro- oder Gewerbeflächen umbauen. Das Bundesbauministerium stellt dafür in diesem Jahr 300 Millionen Euro bereit und erhofft sich tausende zusätzliche Wohnungen in den Innenstädten.
Berlin, 30 Juni 2026
Ab Mittwoch, dem 1. Juli 2026, können Bauherren und Investoren in Deutschland Fördergelder von bis zu 30.000 Euro pro neu geschaffener Wohnung beantragen, wenn sie leerstehende Büros oder Gewerbeflächen in Wohnraum umwandeln, wie das Bundesbauministerium mitteilte.
Startschuss für „Gewerbe zu Wohnen"
Das Programm mit dem Titel „Gewerbe zu Wohnen" war bereits im April von Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) angekündigt worden und ist nun startklar. Anträge können ab dem Tag nach der Veröffentlichung über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) eingereicht werden. „Wir stellen 300 Millionen Euro bereit, um ungenutzten Büro- und Gewerbeimmobilien eine zweite Chance zu geben", erklärte Hubertz bei der Vorstellung des Programms.
Nach Angaben des Bundesbauministeriums stehen in Deutschland mehr als zwölf Millionen Quadratmeter Büroflächen leer. Gleichzeitig fehle in vielen Städten bezahlbarer Wohnraum. „In vielen Städten stehen Gebäude leer, während gleichzeitig Wohnungen fehlen", sagte Hubertz. „Genau diesen Widerspruch wollen wir mit Hilfe unseres neuen Förderprogramms 'Gewerbe zu Wohnen' angehen."
Förderbedingungen im Überblick
Die Förderung wird als nicht rückzahlbarer Zuschuss gewährt. Pro neu geschaffener Wohnung können Investoren oder Eigennutzer bis zu 30.000 Euro erhalten, pro Investor ist der Zuschuss jedoch auf maximal 300.000 Euro gedeckelt. Die Bundesregierung plant, das Programm in diesem Jahr mit insgesamt 300 Millionen Euro auszustatten.
„Die Förderung ist für Investoren höchst attraktiv und gleichzeitig ein kraftvoller Impuls, um Projekte zu starten, die unsere Städte nachhaltig verändern", sagte Hubertz weiter. Die Ministerin verwies darauf, dass durch solche Umnutzungen Ressourcen geschont und Innenstädte neues Leben gewinnen könnten. „Würden sie als Wohnungen genutzt, spare dies Ressourcen und bringe neues Leben in die Zentren."
Welche Gebäude sind gemeint?
Konkret richtet sich das Programm an leerstehende Läden, Büros und alte Dorfgrundschulen, wie Hubertz erläuterte. „Es geht um leere Läden und Büros oder auch die alte Dorfgrundschule, wie Hubertz sagte. „Gebäude, die einmal voller Leben waren, und nun stillstehen, während so viele Menschen nach Wohnraum suchen." Auch für denkmalgeschützte Bauten gelten leicht gelockerte Anforderungen, weil sie nicht in gleichem Maße verändert werden dürfen.
Die energetische Sanierung muss allerdings den Standard „Effizienzhaus 85 EE" erreichen. Dafür sind moderne Dämmung, neue Fenster, effiziente Heiztechnik und ein hoher Anteil erneuerbarer Energien erforderlich. Diese Vorgaben sind Teil der drei Programmziele: Leerstand bekämpfen, Wohnraum schaffen und klimafreundlich sanieren.
Hubertz besuchte zur Präsentation ein Gebäude in Berlin, in dem früher der Berliner Rundfunk untergebracht war und das seit Langem leer steht. Es wird derzeit in Wohnungen umgebaut. Damit solle gezeigt werden, dass die Umnutzung funktioniere und in den Innenstädten neuer Wohnraum entstehen könne, sagte die SPD-Politikerin.
Wie groß ist das Potenzial?
Wie groß das Potenzial tatsächlich ist, schätzen Fachleute unterschiedlich ein. Das Ifo Institut hatte 2024 berechnet, dass durch die Umwandlung von Gewerbeflächen in den sieben größten deutschen Städten bis zu 60.000 Wohnungen für rund 100.000 Menschen entstehen könnten. Der Immobilienspezialist Jones Lang LaSalle (JLL) sah für ungenutzte Büroflächen allein ein Potenzial von etwa 11.000 Wohnungen in diesen Metropolen.
Das Ifo Institut wies zugleich darauf hin, dass sich der Umbau in vielen Fällen wirtschaftlich nicht rechne. „Ifo erklärte, in vielen Fällen rechne sich der Umbau nicht, denn teils müssen die für ganz andere Zwecke entworfenen Flächen sehr aufwendig und teuer umgebaut werden." In den vergangenen Jahren sind die Baukosten zudem deutlich gestiegen, was die Umnutzung zusätzlich verteuert.
Bürogebäude seien zudem nicht automatisch attraktive Wohnorte, betonte das Ministerium. „Zudem sind Bürogebäude nicht immer auch attraktive Wohnorte, etwa, wenn die Anbindung an Schulen, Nahverkehr, Kindergärten, Geschäfte oder Parks fehlt." Auch Brandschutz und Statik stellten bei Umnutzungen besondere Anforderungen, erklärte Dirk Ruß vom Dortmunder Planungsbüro „Planungsgruppe Stadtbüro". „Auch der Bedarf an Belichtung ist natürlich in Wohnungen größer als in Büros."
Kritik und Grenzen des Programms
Kritik an dem Programm kam unter anderem vom Pestel-Institut. Dessen Geschäftsführer Matthias Günther sagte, die Deckelung auf 300.000 Euro pro Investor reiche für große Vorhaben nicht aus. „Große Projekt können somit kaum bewältigt werden", kritisierte Günther. Der bundesweite Rückgang der Bautätigkeit um rund 90.000 Wohnungen binnen zwei Jahren könne durch das Programm nicht aufgefangen werden.
Allein in Nordrhein-Westfalen fehlten nach Berechnungen des Pestel-Instituts rund 376.000 Wohnungen. Um den Rückstand bis 2030 aufzuholen, müssten jährlich etwa 94.000 neue Wohnungen gebaut werden. Nach Angaben des Landesstatistikamtes IT-NRW wurden 2024 in NRW aber nur rund 41.000 Wohnungen fertiggestellt. „Frühestens in einem halben Jahr werden wir sehen, wie das Programm von den potenziellen Investoren angenommen wird", sagte Günther.
Dass die Umnutzung großer Bestände grundsätzlich möglich ist, zeigen bereits realisierte Projekte. In Düsseldorf wurde das ehemalige Thyssenkrupp-Verwaltungsgebäude, in dem bis 2006 rund 1.000 Mitarbeiter arbeiteten, in das Projekt „Living Circle" mit mehr als 300 Wohnungen umgewandelt. In Dortmund-Hörde entstand aus einer alten Polizeiwache ein Haus mit 23 Wohnungen, darunter Cluster-Wohnungen mit Gemeinschaftsflächen. In Wuppertal begann bereits 2017 die Umnutzung einer ehemaligen Textilfabrik zum „Bob Campus".
Beispiele aus der Praxis
Mit dem Förderprogramm wolle man ungenutzten Büro- und Gewerbeflächen eine zweite Chance geben, hatte Hubertz bereits bei der Programmankündigung im April gesagt. Künftig würden hier Menschen zu bezahlbaren Preisen leben können, meinte die SPD-Politikerin. Das Ministerium sieht in dem Programm einen ersten, wichtigen Baustein, um den Widerspruch zwischen leerstehenden Büros und fehlenden Wohnungen aufzulösen.
Die Nachricht über den Programmstart wurde am 30.06.2026 im Deutschlandfunk gesendet und über den dpa-Nachrichtenkanal unter der Kennung 260630-930-308793/1 verbreitet. Die Förderbedingungen und Antragswege sollen in den kommenden Wochen über die KfW und die Internetseiten des Bundesbauministeriums zugänglich gemacht werden.
Fachleute betonen, dass die Wirkung des Programms erst mittelfristig sichtbar werden wird. Neben den Fördergeldern sind auch Planungs- und Genehmigungsverfahren entscheidend dafür, wie schnell leerstehende Büros tatsächlich zu Wohnungen werden. Die Kombination aus Zuschüssen, energetischen Vorgaben und Standortanforderungen soll sicherstellen, dass am Ende nicht nur mehr Wohnungen, sondern auch klimafreundlichere und lebenswerte Quartiere entstehen.
Fragen & Antworten
Wer ist Verena Hubertz und welche Rolle spielt sie beim Förderprogramm?
Verena Hubertz ist Bundesbauministerin und Mitglied der SPD. Sie hat das Programm „Gewerbe zu Wohnen" im April angekündigt und am Dienstag vor dem Start am 1. Juli 2026 der Öffentlichkeit vorgestellt.
Wie viel Geld können Investoren pro Wohnung beantragen?
Pro neu geschaffener Wohnung ist ein nicht rückzahlbarer Zuschuss von bis zu 30.000 Euro möglich, pro Investor jedoch maximal 300.000 Euro. Insgesamt stellt die Bundesregierung in diesem Jahr 300 Millionen Euro bereit.
Warum reicht das Programm nach Einschätzung von Experten nicht aus, um die Wohnungsnot zu lösen?
Matthias Günther vom Pestel-Institut kritisiert, dass die Deckelung auf 300.000 Euro pro Investor große Projekte kaum ermögliche und der Rückgang der Bautätigkeit um rund 90.000 Wohnungen binnen zwei Jahren nicht aufgefangen werden könne. Das Ifo Institut weist zudem darauf hin, dass sich Umnutzungen wegen hoher Umbaukosten häufig wirtschaftlich nicht rechnen.
Gewerbe zu Wohnen: Förderung ab 1. Juli 2026 startet | nachrichten360