Filmfestspiele Venedig: 83. Ausgabe bringt Topstars, Oasis-Doku und Österreich-Beitrag an den Lido
Venedig, 23 Juli 2026
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Die 83. Filmfestspiele Venedig haben ihr Programm vorgestellt. Vom 2. bis 12. September konkurrieren 20 Filme um den Goldenen Löwen, Jurypräsidentin ist Maggie Gyllenhaal, und unter den Gästen werden auch Oasis erwartet.
Venedig, 23 Juli 2026
Festivaldirektor Alberto Barbera hat am Donnerstag das Programm der 83. Filmfestspiele Venedig vorgestellt, die vom 2. bis 12. September 2026 stattfinden und 20 Filme im Hauptwettbewerb um den Goldenen Löwen versammeln.
Die 83. Ausgabe der Internationalen Filmfestspiele Venedig rückt zwischen dem 2. und dem 12. September 2026 mit einem dichten Programm aus Wettbewerb, Nebenreihen und Sondervorstellungen auf der Insel Lido in den Mittelpunkt der Filmsaison. Eröffnet wird das Festival mit dem Thriller „Ink" des britischen Regisseurs Danny Boyle, der mit Guy Pearce in der Rolle des Medienunternehmers Rupert Murdoch die Geschichte der britischen Boulevardzeitung „The Sun" erzählt. Festivaldirektor Alberto Barbera präsentierte die Auswahl am Donnerstag in Venedig. Insgesamt 20 Filme treten im Hauptwettbewerb um den Goldenen Löwen an.
Im Zentrum der Juryarbeit steht in diesem Jahr die US-amerikanische Schauspielerin, Regisseurin und Drehbuchautorin Maggie Gyllenhaal. Sie hatte 2021 in Venedig den Preis für das beste Drehbuch für „Die verlorene Tochter" erhalten und führt nun als Präsidentin die internationale Jury. Gyllenhaal reist zudem mit ihrem Kurzfilm „Flesh Impact" an, in dem neben weiteren Darstellern auch Ellen Burstyn zu sehen ist.
Jurypräsidentin Maggie Gyllenhaal
Der Wettbewerb liest sich wie ein Querschnitt durch das aktuelle Weltkino. Casey Affleck stellt seinen Film „Company" mit Nick Nolte in der Hauptrolle vor. Florian Zeller ist mit „Bunker" vertreten, in dem das verheiratete Paar Penélope Cruz und Javier Bardem gemeinsam vor der Kamera steht; ergänzt wird die Besetzung von Paul Dano, Stephen Graham und Patrick Schwarzenegger. Lance Oppenheim bringt „Primetime" mit Robert Pattinson in den Wettbewerb. Andrea Pallaoro zeigt „The Echo Chamber" mit Luca Marinelli, Alicia Vikander und Susan Sarandon – basierend auf dem letzten Drehbuch von Bernardo Bertolucci, das dieser selbst nicht mehr realisieren konnte.
Mit Martin McDonagh und Werner Herzog sind zwei Europäer prominent im Rennen vertreten. McDonagh, dessen vorherige Filme „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" und „The Banshees of Inisherin" ebenfalls in Venedig liefen, zeigt „Wild Horse Nine" mit John Malkovich und Sam Rockwell. Werner Herzog kehrt mit „Bucking Fastard" an den Lido zurück, besetzt mit Kate Mara, Rooney Mara und Orlando Bloom und angelehnt an den realen Fall der Zwillingsschwestern Greta und Freda Chaplin. Komplettiert wird das Wettbewerbsfeld unter anderem von Nanni Morettis „Succederà questa notte" mit Louis Garrel und Jasmine Trinca sowie von Cédric Kahns „15/18 (A Place to Heal)".
Hauptwettbewerb und Stars
Außer Konkurrenz und in den Nebenreihen wartet das Festival mit weiteren prominenten Beiträgen auf. Russell Crowe präsentiert in der Reihe „Venezia Open – Fuori Concorso" seinen Dokumentarfilm „What Love Builds", der musikalische Elemente mit einer umfangreichen autobiografischen Erzählung über seine Schauspielkarriere und seine Leidenschaft für Musik verbindet. Kornél Mundruczó zeigt „Place to Be" mit Pamela Anderson, Taika Waititi und Ellen Burstyn. Wim Wenders ist außer Konkurrenz mit „From Inside Out – The Architecture of Peter Zumthor" vertreten, einer Dokumentation über den gleichnamigen Architekten.
Außer Konkurrenz und Nebenreihen
Eine besondere Attraktion verspricht die Dokumentation „Oasis – Don't Look Back in Anger" der Regisseure Dylan Southern und Will Lovelace zu werden, die anlässlich der Wiedervereinigung der britischen Band Oasis ihre Weltpremiere in Venedig erlebt. Die Brüder Liam und Noel Gallagher sprechen darin erstmals über die Hintergründe ihres Comebacks und ihrer gemeinsamen Tour. Barbera zeigte sich zuversichtlich, dass die Musiker auf dem Lido erscheinen werden: „Die Gallagher-Brüder haben versprochen, dass sie in Venedig sein werden." Oasis zählt zu den besonders erwarteten Gästen des Festivals.
Oasis-Doku als besonderes Highlight
Weitere dokumentarische Arbeiten ergänzen das Programm. Luca Guadagnino legt mit „Joie de vivre" eine siebenstündige Werkschau über Bernardo Bertolucci vor, die dessen Bedeutung für die Filmgeschichte nachzeichnet. Alex Gibney zeigt eine Dokumentation über Elon Musk. Laura Poitras, Gewinnerin des Goldenen Löwen 2022 für „All the Beauty and the Bloodshed", präsentiert einen Dokumentarfilm über die politische Lage in Minneapolis während der Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE. Abgeschlossen wird das Festival mit „Dio Ride", das außer Konkurrenz gezeigt wird.
Mit zwei Ehrenpreisen wird das Festival seinen Gästen besonders gerecht. George Clooney erhält den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk. Ellen Burstyn, die vor allem durch ihre Rolle in „The Exorcist" bekannt ist, wird ebenfalls mit einem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet werden. Laut Barbera hat sie ebenfalls angekündigt, nach Venedig zu kommen. „Ich glaube nicht, dass es eine andere Kunstform gibt, die gleichzeitig eine so starke ästhetische, kulturelle und gesellschaftliche Wirkung entfalten kann", sagte Barbera mit Blick auf die Auswahl.
Ehrenpreise für Clooney und Burstyn
Die thematische Bandbreite der Beiträge spiegele, so Barbera, die großen Fragen der Gegenwart. Kriege, Klimawandel, Migration, familiäre Konflikte und soziale Spannungen sowie Hoffnungen und Ängste junger Menschen fänden sich in den Filmen wieder. Das Kino beschränke sich nicht auf bloßes Berichten, sondern verwandle aktuelle Probleme in komplexe Geschichten und künstlerische Erzählungen. Auch über Herzog fand der Festivaldirektor lobende Worte: „Herzog hat uns schon immer bizarre, skurrile und ungewöhnliche Figuren anvertraut."
Deutschsprachige Beiträge in Orizzonti
Der deutschsprachige Raum ist in mehreren Sektionen präsent. In der Orizzonti-Reihe, in der 19 Filme eingeladen wurden, zeigt der österreichische Regisseur Manuel Wetscher seinen Spielfilmdebüt „Eklipse" mit Moritz Hohlrieder und Finley Brown in den Hauptrollen. Wetscher zeichnet gemeinsam mit Bernhard Jarosch als Autor verantwortlich; als Produzenten fungieren Bernhard Holzhammer und Victor Kössl, Ko-Produzenten sind Wilfried Gufler und Debora Nischler. Das Team wird zur Weltpremiere am Lido erwartet. „Eklipse" spielt in Tirol und handelt vom Protagonisten Tomy, der auf einer Alm mit seinem Freund Chris seine eigene Stimme findet, während die ansteckende Krankheit seines Vaters verheimlicht wird.
Eine deutsch-österreichische Koproduktion in derselben Reihe ist „Oase" („Oasis") von Jannis Lenz, mit Florian Geißelmann, Anton Petzold und Godehard Giese. Außerdem ist im Orizzonti-Programm der Film „La ragazza con la Leica" (deutscher Titel „Das Mädchen mit der Leica") von Alina Marazzi zu sehen, mit Luna Wedler, Emilia Schüle und Aaron Altaras. Die Reihe gibt damit einen Einblick in die Vielfalt des aktuellen deutschsprachigen Kinos.
Die Wettbewerbsfilme und zahlreichen Nebenreihen spiegeln eine gestiegene Anziehungskraft des Festivals wider. Rund 4500 Filme wurden nach Angaben des Festivals für die neue Ausgabe eingereicht, darunter Spielfilme, Dokumentarfilme und Kurzfilme. Im Vorjahr waren es rund 4200 Produktionen. Die Filmfestspiele Venedig gelten traditionell als Auftakt der Oscarsaison und als Indikator für die Stimmung im internationalen Kinogeschäft.
Mit Blick auf das Programm betonte Barbera die Balance zwischen arrivierten Stars und neuen Stimmen. Von Robert Pattinson, Penélope Cruz und Javier Bardem über Maggie Gyllenhaal bis hin zu Ellen Burstyn und George Clooney versammelt die Ausgabe ein außergewöhnlich breites Personaltableau. „Wild Horse Nine" wird als schwarze Komödie über CIA-Agenten auf einer Mission beschrieben, „Bunker" erzählt von einem Architekten, der einen moralisch fragwürdigen Auftrag eines Tech-Milliardärs annimmt, einen Bunker zu bauen, woraufhin seine Ehefrau an der Beziehung zu zweifeln beginnt.
Das Programm verdeutlicht auch den Generationenwechsel an der Spitze der Jury und unter den Ausgezeichneten. Mit Gyllenhaal als Jurypräsidentin, Clooney und Burstyn als Ehrenpreisträger sowie zahlreichen jungen Darstellern und Regisseurinnen und Regisseuren in den Nebenreihen verbindet das Festival die unterschiedlichen Phasen der Kinogeschichte.
Die Veranstalter rechnen über die elf Festivaltage hinweg mit einem ungewöhnlich prominent besetzten Aufgebot auf dem roten Teppich. Mit der Oasis-Doku und einer Reihe biografisch geprägter Dokumentarfilme – darunter Crowes „What Love Builds" – erhält das Programm zudem einen dokumentarischen Schwerpunkt, der die Wettbewerbsfilme ergänzt. Insgesamt zeichnet sich die 83. Ausgabe durch eine Mischung aus Staraufgebot, Autorenkino und dokumentarischer Reflexion aus.
Barbera resümierte, dass die Filme der Auswahl nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anregen wollten. Mit Blick auf Bertolucci, dessen letztes Drehbuch posthum realisiert wird, hob er die besondere Rolle Venedigs als Ort der Würdigung filmhistorischer Vermächtnisse hervor. Guadagninos siebenstündige Dokumentation „Joie de vivre" greift diesen Faden auf und analysiert Werk und Wirkung des 2018 verstorbenen Regisseurs für die Kinogeschichte.
20 Filme rittern von 2. bis 12. September um den Goldenen Löwen, während außer Konkurrenz und in den Sektionen Orizzonti sowie „Venezia Open" zahlreiche weitere Beiträge gezeigt werden. Mit der Mischung aus internationalen Stars, neuen Stimmen und einer prominent besetzten Jury unter Maggie Gyllenhaal präsentiert sich Venedig als traditionsreiche Plattform zwischen europäischer Filmkultur und globaler Aufmerksamkeit.
Fragen & Antworten
Wer leitet die Jury der 83. Filmfestspiele Venedig?
Die US-amerikanische Schauspielerin, Regisseurin und Drehbuchautorin Maggie Gyllenhaal führt als Präsidentin die internationale Jury. Sie hatte bereits 2021 in Venedig den Preis für das beste Drehbuch für „Die verlorene Tochter" erhalten.
Welche Filme eröffnen und beschließen das Festival?
Eröffnet wird das Festival am 2. September 2026 mit „Ink" von Danny Boyle über die britische Boulevardzeitung „The Sun". Den Abschluss bildet „Dio Ride", das außer Konkurrenz gezeigt wird.
Welche deutschsprachigen Filme sind in Venedig zu sehen?
Im Orizzonti-Programm läuft das Spielfilmdebüt „Eklipse" des Österreichers Manuel Wetscher, dazu die deutsch-österreichische Koproduktion „Oase" von Jannis Lenz und „Das Mädchen mit der Leica" von Alina Marazzi. Werner Herzog ist zudem mit „Bucking Fastard" im Hauptwettbewerb vertreten.