Filmfestival Locarno startet mit Mitternachtsprogramm auf der Piazza Grande
Locarno, 05 August 2026
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Kurzfassung
Das Filmfestival Locarno startet in seine neue Ausgabe und setzt auf der Piazza Grande auf ein Mitternachtsprogramm mit Klassikern. Gezeigt werden unter anderem «Wild at Heart» von David Lynch sowie eine restaurierte, viereinhalbstündige Fassung von «Dances with Wolves». Das Festival zählt neben Venedig, Cannes und der Berlinale zu den traditionsreichsten Filmveranstaltungen weltweit.
Locarno, 05 August 2026
Das 79. Filmfestival Locarno ist am Mittwochabend mit einem Programm aus Mitternachtsvorstellungen auf der Piazza Grande eröffnet worden, zu dem Klassiker von David Lynch, Kevin Costner und Martin Scorsese gehören.
Zur Eröffnung des traditionsreichen Schweizer Filmfestivals werden auf der Piazza Grande in den späten Abendstunden mehrere ambitionierte Werke aus der Filmgeschichte gezeigt. Den Auftakt bildet David Lynchs «Wild at Heart», ergänzt durch eine restaurierte, vierstündige ungekürzte Fassung von «Dances with Wolves» (1990) unter der Regie von Kevin Costner. Den Abschluss des Mitternachtsblocks markiert «Taxi Driver» (1976) von Martin Scorsese, dessen fünfzigstes Jubiläum in diesem Jahr gewürdigt wird.
Ein Programm zwischen Genre, Epos und Großstadt
Mit der Kombination aus Genre-Kino, Western und Großstadtthriller greift die Festivalleitung ein Konzept auf, das in früheren Ausgaben wiederholt für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Die ungeschnittene Version von «Dances with Wolves» gilt unter Filmsammlern als Rarität und war bisher nur selten auf großen Leinwänden zu sehen. Scorsese gilt mit «Taxi Driver» als einer der prägenden Regisseure des amerikanischen Kinos der siebziger Jahre.
Das Filmfestival Locarno gehört neben den Internationalen Filmfestspielen von Venedig, die seit 1932 stattfinden, dem Festival von Cannes, begründet 1946, und der Berlinale, gegründet 1951, zu den ältesten und renommiertesten Filmveranstaltungen weltweit. In den kommenden Tagen werden auf der Piazza Grande sowie in weiteren Spielstätten Premieren, Retrospektiven und Sektionen für internationales Autorenkino gezeigt.
Die Organisatorinnen und Organisatoren betonten im Vorfeld, dass die Mitternachtsreihe auf der Piazza Grande seit Jahren ein Markenzeichen des Festivals sei. Regelmäßig würden hier auch Filme präsentiert, die außerhalb des Wettbewerbsprogramms laufen, aber durch ihre kulturelle Strahlkraft ein breites Publikum anziehen. Mit der Wahl von Lynch, Costner und Scorsese setzt die diesjährige Ausgabe auf eine Mischung aus Independent-Geist, epischem Erzählen und urbaner Verzweiflung.
Die Piazza Grande als Bühne des Autorenkinos
Neben den Mitternachtsvorstellungen umfasst das Programm zahlreiche Wettbewerbsfilme, Begegnungen mit Filmschaffenden und Sonderreihen. Die Piazza Grande bietet dabei Platz für mehrere tausend Zuschauerinnen und Zuschauer und gilt als eine der größten Freilichtleinwände Europas. Wegen ihrer besonderen Atmosphäre hat sie sich über die Jahre zu einem Symbol des Festivals entwickelt.
Die Eröffnung am Mittwoch markiert den Auftakt zu elf Tagen mit Filmen, Diskussionen und Preisverleihungen. Zu den weiteren Sektionen zählen unter anderem der Wettbewerb «Filmmakers of the Present», der auf Debütarbeiten und zweite Filme junger Regisseurinnen und Regisseure fokussiert, sowie die Sektion «Open Doors», die Filmschaffende aus Regionen mit eingeschränkter Produktionsfreiheit in den Blick nimmt. Ergänzt wird das Programm durch eine umfangreiche Retrospektive, die in diesem Jahr Werken aus dem Frühwerk von Joseph Losey gewidmet ist.
Retrospektive zu Joseph Losey
Losey, dessen Karriere in den vierziger Jahren mit Filmen wie «Body and Soul» (1947) mit John Garfield und «The Boy with Green Hair» (1948) begann, verbrachte einen Großteil seines Schaffens im europäischen Exil. Seine späteren Arbeiten, darunter «The Servant» (1963) und «The Go-Between» (1971), gelten als Meilensteine der europäischen Arthouse-Tradition. Die Retrospektive in Locarno soll laut Veranstaltern einen umfassenden Blick auf das Werk eines Regisseurs ermöglichen, der zwischen Hollywood und Europa ein eigenständiges Kapitel der Filmgeschichte geschrieben hat.
Parallel zur Retrospektive widmet sich das Festival in Podiumsdiskussionen den Themen Filmsprache und Produktionsbedingungen in Europa. Auch Schweizer Filmschaffende wie Petra Volpe, deren Drehbuch «The Awakening of Motti Wolkenbruch» internationale Beachtung fand, sind im Programm vertreten. Sie zählt nach Einschätzung von Branchenbeobachterinnen zu den profiliertesten Stimmen des zeitgenössischen Schweizer Kinos.
Mit der diesjährigen Auswahl unterstreicht die Festivalleitung ihren Anspruch, Locarno als Ort des ambitionierten Kinos zu positionieren – zwischen etablierten Klassikern, experimentellen Formen und politisch relevanten Stimmen aus aller Welt. Präsident Paul Baumann hatte in seiner Rede zur Eröffnung betont, dass das Kino in schwierigen Zeiten Räume der Reflexion und des Dialogs eröffnen könne. Der vollständige Preisträgerkatalog wird am Ende des Festivals bekanntgegeben.
Blick auf das weitere Programm
Die Branche blickt unterdessen gespannt auf die internationale Resonanz der neuen Werke, die in Locarno ihre Welt- oder internationale Premieren feiern. Festivaldirektorinnen betonten, dass Locarno für viele Filmschaffende bewusst eine Plattform jenseits der großen Marktdynamiken bleibe, die andere Festivals prägen. Diese Unabhängigkeit gilt als einer der Gründe, warum Produktionen aus kleineren Ländern und von weniger bekannten Autorinnen und Autoren in der Schweiz regelmäßig ihre ersten großen Auftritte haben.
Insgesamt rechnen die Veranstalter mit mehreren zehntausend Besucherinnen und Besuchern, darunter zahlreiche Fachleute und Journalistinnen und Journalisten. Die Vorstellungen auf der Piazza Grande sind kostenpflichtig und in der Regel rasch ausverkauft; wer keine Karte mehr ergattert, kann viele Filme in den übrigen Kinosälen der Stadt sehen. Der Festivalabschluss mit Preisverleihung ist für den kommenden Samstag geplant.
Fragen & Antworten
Welche Filme werden zur Eröffnung des Filmfestivals Locarno auf der Piazza Grande gezeigt?
Auf der Piazza Grande werden «Wild at Heart» von David Lynch, eine restaurierte viereinhalbstündige Fassung von «Dances with Wolves» (1990) von Kevin Costner sowie «Taxi Driver» (1976) von Martin Scorsese gezeigt, der damit sein 50. Jubiläum feiert.
In welcher Tradition steht das Filmfestival Locarno?
Locarno gehört neben den Filmfestspielen von Venedig (seit 1932), Cannes (seit 1946) und der Berlinale (seit 1951) zu den ältesten und renommiertesten Filmfestivals der Welt.
Was ist sonst noch im Programm von Locarno 2026 zu sehen?
Neben den Mitternachtsvorstellungen umfasst das Festival Wettbewerbsfilme, die Retrospektive zu Joseph Losey, die Sektion «Filmmakers of the Present» und «Open Doors» sowie Diskussionen mit Filmschaffenden wie Petra Volpe.
Filmfestival Locarno: Mitternachtskino auf der Piazza | nachrichten360