FIFA-Präsident Infantino weist WM-Kritik in ausführlichem Instagram-Beitrag zurück
Zürich, 27. Juli 2026
Bryan Berlin / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Rund eine Woche nach dem Ende der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat sich FIFA-Präsident Gianni Infantino in einem 15-teiligen Instagram-Beitrag ausführlich gegen Kritiker des Turniers gewehrt. Er bezeichnete das Turnier als friedlich und erfolgreich und warf Kritikern vor, bewusst die positiven Aspekte auszublenden.
Rund eine Woche nach dem Ende der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat sich FIFA-Präsident Gianni Infantino in einem 15-teiligen Instagram-Beitrag ausführlich gegen Kritik am Turnier zur Wehr gesetzt und dabei sowohl Medien als auch einzelne Regierungen scharf angegriffen.
Bilanz und Besucherzahlen
In seinem Beitrag nannte Infantino das Turnier die "herausragendste FIFA-Weltmeisterschaft" und warb zugleich für den Fußball als Symbol für Einheit und Zusammenhalt. Nach FIFA-Angaben besuchten rund sieben Millionen Menschen aus mehr als 200 Ländern die Spiele in 16 Städten. Der Präsident hob die aus seiner Sicht friedliche Atmosphäre während des gesamten Turniers hervor.
"Unsere Welt braucht Liebe, keinen Hass", schrieb der 56-Jährige. Die Weltmeisterschaft habe "keine Zwischenfälle, keine Feindseligkeiten, keine Gewalt" erlebt, erklärte der Verbandschef. Sie habe das "Beste der Menschheit" gezeigt und Hoffnung sowie Zusammenhalt vermittelt.
Als Beleg für die verbindende Kraft des Fußballs verwies Infantino unter anderem auf die Einreise der iranischen Nationalmannschaft in die USA trotz der politischen Spannungen zwischen beiden Ländern sowie auf die Erteilung von Visa an Millionen Fans aus aller Welt. Diese reibungslose Organisation sei Ausdruck einer gelungenen Zusammenarbeit mit den drei Gastgebern Kanada, Mexiko und den USA.
Scharfe Attacken gegen Kritiker
Gleichzeitig schoss Infantino scharf gegen Kritiker. Wer hinter "Stiften, Blättern und Bildschirmen Hass und falsche Gerüchte" verbreite, schreibe, während die FIFA "an vorderster Front" hart arbeite, griff der Präsident Journalisten und Beobachter an. Er warf ihnen vor, die positiven Seiten des Turniers bewusst auszublenden.
Auch Kritik aus dem Kreis der Regierungen wies Infantino zurück. Angesichts der Visa-Vergaben an Millionen von Fans und der sportlichen und kulturellen Reichweite des Turniers sei es daher "merkwürdig", wenn gerade Vertreter solcher Länder die FIFA kritisierten. Diese Bemerkung zielt auf Regierungen, die wiederholt Reformen beim Weltverband gefordert hatten.
Infantino bezeichnete die Weltmeisterschaft als das "größte Ereignis der Welt" und sagte, Milliarden Menschen weltweit hätten die Spiele verfolgt. Er betonte, dass der Fußball "größer als Hass und Diskriminierung" sei und forderte: "Im Fussball geht es um Zusammenhalt, nicht um Spaltung."
Auf umstrittene Schiedsrichter- und Disziplinarentscheidungen während des Turniers ging Infantino ebenfalls ein. Er nannte entsprechende Kritik "merkwürdig", ohne inhaltlich auf einzelne Fälle einzugehen. So äußerte er sich etwa nicht zu dem ausgesprochenen Einreiseverbot gegen Schiedsrichter Omar Artan, das in der Fußballwelt für Aufsehen gesorgt hatte.
Schiedsrichter- und Disziplinarentscheidungen
Unerwähnt ließ der FIFA-Präsident in seinem Instagram-Beitrag auch die Aufhebung der Sperre des Folarin Balogun. Wie bekannt wurde, war diese Sperre nach einem Telefonat von Donald Trump mit Infantino aufgehoben worden, was international Empörung ausgelöst hatte. Auch Vorwürfe der iranischen Spieler, sie seien in den USA unfair behandelt worden, griff Infantino nicht direkt auf.
Infantino empfahl seinen Kritikern, sich einen Moment Zeit zu nehmen, "um nachzudenken, zu meditieren, zu beten oder ein Fußballspiel anzuschauen und die Gesichter, die Augen und die Emotionen wirklich zu betrachten". Wer Energie mit Hass verschwende, solle stattdessen die sportlichen Momente genießen.
Seine Botschaft beendete der Italo-Schweizer mit den Worten "Toleranz, keine Spaltung" und einem Bekenntnis: "Viel Liebe an alle." Er zeigte sich "unglaublich stolz" auf die Weltmeisterschaft und sprach insgesamt von "100 Prozent Sicherheit, nur Freude und Glück" während des Turniers.
Der 15-teilige Instagram-Beitrag sorgte für erhebliche Resonanz. Nach acht Stunden verzeichnete der Post über 18.000 Likes, Kommentare waren allerdings nicht möglich. Viele Reaktionen in den sozialen Netzwerken fielen kritisch aus, Nutzerinnen und Nutzer warfen dem FIFA-Präsidenten vor, berechtigte Einwände einfach abzubügeln.
Reaktionen und Einordnung
Beobachter werten die Länge und die Schärfe der Stellungnahme als außergewöhnlich für einen FIFA-Präsidenten. Üblicherweise äußert sich Infantino nach großen Turnieren eher kürzer oder über Pressekonferenzen. Dass er mit dem 15-teiligen Format direkt auf seinem privaten Instagram-Kanal an die Öffentlichkeit ging, unterstreicht den persönlichen Ton der Verteidigung.
Auffällig ist, dass der Präsident in seinem Beitrag weder auf Berichte über die Disziplinarmaßnahmen gegen den Schiedsrichter noch auf die Rolle des US-Präsidenten bei der Aufhebung der Sperre von Folarin Balogun einging. Stattdessen rückte er die organisatorische Bilanz und die symbolische Wirkung des Turniers in den Vordergrund.
Die FIFA hatte das Turnier gemeinsam mit den drei Gastgeberländern Kanada, Mexiko und den USA ausgerichtet. Nach offiziellen Angaben wurden Visa für Millionen Fans ausgestellt, um die Anreise zu den Spielen in 16 Städten zu ermöglichen. Die iranische Mannschaft konnte laut FIFA trotz der politischen Spannungen zwischen Washington und Teheran ohne Probleme in die USA einreisen.
Politische Hintergründe
Mit dem Schritt, einen so umfangreichen persönlichen Beitrag zu veröffentlichen, reagiert Infantino zugleich auf eine breiter gewordene Debatte über die Menschenrechtslage in den Gastgeberländern, die Vergabe von Visa sowie über die politische Einflussnahme auf sportliche Entscheidungen. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit diesen Punkten lieferte er jedoch nicht.
Fragen & Antworten
Was hat Gianni Infantino auf Instagram geschrieben?
Infantino veröffentlichte einen 15-teiligen Instagram-Beitrag, in dem er die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 als die "herausragendste FIFA-Weltmeisterschaft" bezeichnete und Kritikern vorwarf, bewusst die positiven Seiten des Turniers auszublenden.
Wie viele Menschen haben laut FIFA die WM-Spiele besucht?
Nach FIFA-Angaben besuchten rund sieben Millionen Menschen aus mehr als 200 Ländern die Spiele in 16 Städten der drei Gastgeberländer Kanada, Mexiko und USA.
Warum ist die Aufhebung der Sperre von Folarin Balogun umstritten?
Die Sperre des Folarin Balogun wurde nach einem Telefonat von Donald Trump mit FIFA-Präsident Infantino aufgehoben, was international Empörung auslöste; Infantino ging in seinem Instagram-Beitrag nicht darauf ein.
Infantino antwortet WM-Kritikern auf Instagram | nachrichten360