Die 52-jährige Wienerin Eva Schütz, Gründerin des Online-Boulevardmediums 'Exxpress', hat am Dienstag offiziell ihre Bewerbung um die Generaldirektion des ORF bekanntgegeben.

In einer Aussendung kündigte Schütz eine 'umfassende Reformagenda unter dem Titel 'ORF 2030'' an, mit der sie den öffentlich-rechtlichen Sender strategisch neu ausrichten will.

Die ausgebildete Juristin und ehemalige Leichtathletin war stellvertretende Kabinettchefin im Finanzministerium unter Hartmut Löger in der ÖVP-FPÖ-Regierung unter Sebastian Kurz. Sie saß zudem in Aufsichtsräten der Volksbank Wien und von Unternehmen der ÖBB-Gruppe.

Reformpläne: Salzburger Modell und Gehaltsdeckel

In ihrer Kandidatur stellt Schütz finanzielle Transparenz in den Mittelpunkt. 'Sonderverträge, Sonderzulagen oder "intransparente Zusatzleistungen" sollten abgebaut werden, Gehälter "an der Spitze begrenzt und nachvollziehbar gemacht"', heißt es wörtlich.

Gleichzeitig fordert sie, dass öffentliche Mittel wie der ORF-Beitrag auch privaten Medien offenstehen, die einen öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllen – 'nach klar definierten Kriterien', schreibt Schütz. Unkonkret bleibt die Ankündigung, sie wolle 'die Finanzierung des ORF auf eine langfristig abgesicherte, transparente Grundlage stellen'.

Sie selbst betonte, sie sei keine Kandidatin der Bundesregierung oder Koalition, sondern der 'Zuseherinnen und Zuseher und der Gebührenzahler'. Den ORF nannte sie 'eine der wichtigsten demokratischen Institutionen unseres Landes'.

Schütz hatte 2021 mit dem früheren Gründungschefredakteur Richard Schmitt das umstrittene Portal Exxpress aus der Taufe gehoben. Die Mehrheit an dem Medium liegt inzwischen bei der deutschen Vius, die auch das rechtspopulistische Onlinemedium 'Nius' von Ex-"Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt verantwortet.

Exxpress-Hintergrund und Rolle von Vius

Trotz dieser Entwicklung fungiert Schütz weiterhin als Herausgeberin und gemeinsam mit der ehemaligen ÖVP-Politikerin Laura Sachslehner als Chefredakteurin. Sie hat ihre Anteile an Exxpress eigenen Angaben zufolge in den letzten Jahren deutlich reduziert.

Neben Schütz haben sich bereits ORF-TV-Magazinchefin Lisa Totzauer, der langjährige Privat-TV-Manager Markus Breitenecker sowie der frühere Henkel- und PR-Manager Ernst Primosch zu ihren Bewerbungen geäußert.

Weitere Bewerber und Favoriten

Als Favorit gilt laut Beobachtern APA-Chef Clemens Pig, der allerdings noch keine Bewerbung eingereicht hat. Die Wahrscheinlichkeit von Schütz' Bestellung zur ORF-Generaldirektorin wird dagegen als eher gering eingeschätzt.

Die Entscheidung über die Nachfolge an der ORF-Spitze fällt der Stiftungsrat. In den nächsten Wochen ist mit Hearings der Kandidatinnen und Kandidaten zu rechnen.