Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der britische Premierminister Keir Starmer und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj haben sich am Abend des 7. Juni 2026 in London getroffen, um die Chancen für neue Verhandlungen mit Russland auszuloten.
Im Zentrum des Treffens stand nach Angaben des Élysée-Palasts die Fortsetzung der Unterstützung der Ukraine und ein erhöhter Druck auf Russland. Auch eine Bestandsaufnahme der Arbeit der sogenannten Coalition of the Willing war Teil der Tagesordnung. Die Runde der E3 – Deutschland, Frankreich und Großbritannien – hat sich damit nach einer Phase der Beobachterrolle wieder stärker als eigenständiger Akteur in den Bemühungen um ein Ende des seit mehr als vier Jahren andauernden Krieges positioniert.
E3 und Ukraine beraten in London
Selenskyj war am selben Tag in Großbritannien eingetroffen. Über den Onlinedienst Facebook kündigte er seine Ankunft an: "Heute bin ich in Großbritannien. Wir werden bilaterale Gespräche mit Keir führen und an einem Treffen im E3-plus-Ukraine-Format teilnehmen". Bei dem Format handelt es sich um ein Treffen der drei europäischen Staaten gemeinsam mit der Ukraine. Selenskyj veröffentlichte zudem ein Video, das ihn beim Verlassen eines Flugzeugs zeigt. Nach seinen Angaben waren die wichtigsten Themen "unsere Verteidigung im Krieg, eine verstärkte Zusammenarbeit im Bereich der Luftverteidigung für die Sicherheit ganz Europas sowie unsere gemeinsame Vision hinsichtlich der diplomatischen Perspektiven".
Hintergrund der Beratungen ist die Erkenntnis, dass die von den USA vermittelten Gespräche über ein Kriegsende seit Monaten weitgehend festgefahren sind. US-Präsident Donald Trump war im vergangenen Jahr mit dem Versprechen angetreten, den Krieg innerhalb eines Tages zu beenden. Diese Aussage bezeichnete Trump später selbst als sarkastisch. Im August des Vorjahres hatte er Putin nach Alaska eingeladen. Ein daraufhin erwogener US-Plan für ein mögliches Kriegsende hätte jedoch von der Ukraine umfangreiche Zugeständnisse verlangt, darunter eine Begrenzung der Truppenstärke und einen verfassungsrechtlichen Verzicht auf eine NATO-Mitgliedschaft. Zudem hätte die Ukraine die Krim sowie die besetzten Gebiete Donezk und Luhansk als faktisch russisch anerkennen sollen.