EU trotzt russischen Drohungen und hält an Präsenz in Kyjiw fest
Brüssel, 26. Mai 2026
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Kurzfassung
Die Europäische Union hat russische Forderungen nach einem Abzug ihres diplomatischen Personals aus Kyjiw zurückgewiesen. Während Moskau mit systematischen Angriffen auf Entscheidungszentren droht, bereitet die EU weitere Sanktionen vor.
Die Europäische Union hat Forderungen Russlands nach einem Abzug ihres diplomatischen Personals aus der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw entschieden zurückgewiesen.
Katarina Mathernova, Leiterin der EU-Vertretung in Kyjiw, erklärte, die Repräsentanz werde in der Stadt bleiben. Zuvor hatte Moskau am Montag Diplomaten und andere Ausländer aufgefordert, Kyjiw so schnell wie möglich zu verlassen.
Russland kündigte an, seine Streitkräfte würden mit systematischen Angriffen auf militärische und politische Entscheidungszentren in Kyjiw beginnen. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha rief die Verbündeten dazu auf, der russischen Erpressung nicht nachzugeben.
Die EU bestellte zudem den Geschäftsträger der russischen Botschaft in Brüssel ein. Eine Sprecherin der EU-Kommission, Anitta Hipper, bezeichnete die russischen Drohungen auf X als „inakzeptable Eskalation“.
Diplomatische Reaktionen und Drohungen
Die EU forderte Russland auf, den Beschuss von Zivilisten einzustellen und einer „vollständigen und bedingungslosen Waffenruhe“ zuzustimmen. Auch die Bundesregierung bestellte den russischen Botschafter ein.
Am Sonntag hatte Russland Kyjiw massiv beschossen und dabei eine nuklearfähige Hyperschallrakete vom Typ Oreschnik eingesetzt. Es war bereits der dritte Einsatz dieser Waffe. Bei den Angriffen auf Kyjiw starben zwei Menschen, 91 wurden verletzt.
Das Büro der Deutschen Welle und das ARD-Studio in Kyjiw wurden massiv beschädigt und teilweise zerstört. Bei neuen russischen Luftangriffen im Osten der Ukraine wurde mindestens ein Mensch getötet und 15 weitere verletzt.
In der Hafenstadt Odessa wurde nach Angaben des örtlichen Gouverneurs ein Infrastrukturobjekt durch Beschuss zerstört. In Kramatorsk in der Region Donezk wurden am Montagabend zwölf Menschen, darunter ein achtjähriger Junge, durch gelenkte Gleitbomben verletzt.
Angriffe und ihre Folgen
Es war der dritte schwere Angriff auf Kramatorsk an diesem Tag, wie die örtlichen Behörden mitteilten. US-Außenminister Marco Rubio erklärte während eines Besuchs in Indien, die USA wollten bei der Vermittlung im Ukraine-Krieg weiterhin eine Rolle spielen.
Rubio sagte: „Jedes Mal, wenn man diese massiven Angriffe der einen oder anderen Seite sieht, ist dies eine mahnende Erinnerung daran, warum dies ein schrecklicher Krieg ist. Er muss beendet werden.“
Der russische Präsident Wladimir Putin lockt unterdessen neue Rekruten mit einem Schuldenerlass von bis zu rund 120.000 Euro. Das entsprechende Dekret gilt für alle Russen, die ab dem 1. Mai einen Armeevertrag unterzeichnet haben, sowie für deren Ehefrauen.
Die neuen Rekruten müssen sich zu mindestens einem Jahr Dienst für die „militärische Spezialoperation“ verpflichten, wie Moskau den Ukraine-Krieg nennt. Russland bietet bereits seit längerem lukrative Gehälter für Männer an, die sich für mehr als vier Jahre zum Einsatz in der Ukraine verpflichten.
Russlands Rekrutierungsoffensive
Putin hat sich zudem dafür ausgesprochen, aus der Ukraine zurückkehrende Soldaten in der Heimat in hochrangige berufliche Positionen zu bringen. Die EU wird vorerst keinen Sondergesandten für mögliche Friedensverhandlungen mit Russland ernennen.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und führende EU-Staaten wie Deutschland halten die Ernennung eines Sondergesandten für Russland-Verhandlungen derzeit nicht für sinnvoll. Mehrere hochrangige EU-Beamte und Diplomaten sagten der Nachrichtenagentur dpa, zunächst müssten Strategiefragen besprochen werden.
Derzeit findet ein informelles Treffen der EU-Außenminister auf Zypern statt. Dort sollen weitere Russland-Sanktionen vorbereitet werden. Es wird nicht davon ausgegangen, dass der russische Präsident Putin derzeit verhandlungsbereit ist.
Kaja Kallas warnte die US-Regierung einem Medienbericht zufolge vor einem Abzug amerikanischer Soldaten aus Europa. Sie sagte dem Spiegel, eine solche Ankündigung würde Europa zwingen, noch mehr in die eigene Sicherheit zu investieren.
EU-Politik und transatlantische Spannungen
Kallas fügte hinzu: „Die Kehrseite für Amerika ist: Wenn Europa unabhängiger von den USA wird, verlieren die Vereinigten Staaten auch ihren Einflusshebel.“ Sie erklärte zudem, Länder, die sich bisher auf den Schutz Amerikas verließen, seien sich inzwischen nicht mehr sicher, ob die USA ein verlässlicher Partner sind.
Russland hat der Zentralbank und anderen Finanzinstituten gesetzlich erlaubt, Drohnen in eigener Zuständigkeit abzuschießen. Ein Dokument der Staatsduma zeigt, dass die russische Zentralbank, die Sberbank und der russische Geldtransportverband künftig eigene Verteidigungssysteme betreiben und ihr Personal bewaffnen dürfen.
Die Ukraine griff nach russischen Angaben den Hafen von Sewastopol auf der annektierten Halbinsel Krim mit Drohnen und Raketen an. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte nach Beratungen mit seiner Militärführung neue Gegenschläge im russischen Hinterland an.
Bei russischen Angriffen auf die Ukraine wurden in den Regionen Dnipropetrowsk und Saporischschja 21 Menschen verletzt. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums in Moskau haben russische Kräfte weitere Ortschaften in der Ukraine eingenommen.
Die Ukraine wird im Jahr 2027 ihre ersten Gripen-Kampfflugzeuge erhalten. Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson kündigte die Liefervereinbarung nach einem Besuch des ukrainischen Präsidenten Selenskyj an.
Die Ukraine wird 2,5 Milliarden Euro aus einem EU-Darlehen für den Kauf von bis zu 20 Gripen-Kampfflugzeugen des neuesten Modells bereitstellen. Schweden wird der Ukraine 16 Gripen-Flugzeuge der älteren C-Serie spenden, die Anfang 2027 geliefert werden sollen.
Kristersson bezeichnete die Entscheidung als eine „historischen Entscheidung für Schweden“, die die ukrainische Luftverteidigung erheblich stärken werde. Die Lieferung von Gripen E-Kampfflugzeugen der nächsten Generation an die Ukraine soll ab 2030 beginnen.
Militärische Unterstützung und Rüstungslieferungen
Schweden und die Ukraine hatten im Oktober 2025 ein Rahmenabkommen geschlossen, wonach die Ukraine 100 bis 150 Gripen-Jets kaufen könnte. Präsident Selenskyj erklärte auf der Pressekonferenz, die Ukraine hoffe, die Finanzierung sichern und alle 150 Flugzeuge kaufen zu können.
Schweden hat der Ukraine seit Kriegsbeginn Militärhilfe im Wert von rund zwölf Milliarden Euro geleistet. Das Land war nach Beginn der russischen Vollinvasion der NATO beigetreten.
Das ukrainische Parlament ratifizierte ein Kreditabkommen mit der EU im Wert von 90 Milliarden Euro. 298 Abgeordnete stimmten dafür und übertrafen damit die erforderliche Mindestzahl von 226 Stimmen deutlich.
Die EU plant, die erste Tranche des Darlehens Mitte Juni auszuzahlen. EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis sagte, wenn alles „nach Plan“ verlaufe, werde Brüssel dann 3,2 Milliarden Euro des Finanzhilfeprogramms auszahlen.
Präsident Selenskyj sandte einen Brief an US-Präsident Donald Trump und den US-Kongress, in dem er um zusätzliche Luftverteidigungssysteme bat. Er beschrieb ballistische Raketen als Moskaus letzten großen Vorteil auf dem Schlachtfeld.
Die Ukraine ist bereit, die benötigten Patriot-Systeme und Abfangraketen zu kaufen. Selenskyj schrieb, das derzeitige Liefertempo entspreche nicht mehr dem Bedrohungsniveau.
Raketenproduktion und Luftverteidigung
Bei einem massiven russischen Angriff am Sonntag feuerte Russland 30 ballistische Raketen ab, von denen nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe nur elf abgefangen wurden. Selenskyj erklärte auf X: „Je früher es uns gelingt, einen besseren Schutz vor ballistischen Bedrohungen zu gewährleisten, desto eher werden wir die Diplomatie zum Erfolg führen können.“
Der Militärexperte Nico Lange von der Münchner Sicherheitskonferenz schätzt, dass Russland jährlich rund 850 ballistische Raketen produziert. Die USA stellen dagegen nur etwa 600 Patriot PAC-3-Raketen pro Jahr her.
Lange identifizierte zwei „Achillesfersen“ der russischen Raketenproduktion: Treibstoffchemikalien aus Usbekistan und westliche Mikroelektronik, die über Belarus, Zentralasien und China nach Russland gelangen. Er empfahl wirksame Sanktionen gegen westliche Unternehmen, die an den Lieferketten beteiligt sind.
Lange riet zudem, die Ukraine bei der Bombardierung russischer Fabriken für das Raketenprogramm zu unterstützen. Er sagte: „Russlands Lieferketten für die Produktion ballistischer Raketen hart zu unterbrechen, ist die beste Luftverteidigung für Europa. Dazu gehört auch, die Ukraine bei der Bombardierung russischer Fabriken für das Raketenprogramm zu unterstützen.“
Fragen & Antworten
Warum weigert sich die EU, ihr Personal aus Kyjiw abzuziehen?
Die EU betrachtet die russische Forderung als inakzeptable Eskalation und will ihre Unterstützung für die Ukraine durch ihre fortgesetzte Präsenz vor Ort unterstreichen.
Welche neuen Waffen hat Russland bei den jüngsten Angriffen auf Kyjiw eingesetzt?
Russland setzte eine nuklearfähige Hyperschallrakete vom Typ Oreschnik ein, die bereits zum dritten Mal im Krieg verwendet wurde.
Wann wird die Ukraine die ersten Gripen-Kampfflugzeuge aus Schweden erhalten?
Die ersten 16 gespendeten Gripen C-Flugzeuge sollen Anfang 2027 geliefert werden, während die moderneren Gripen E-Modelle ab 2030 folgen.
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