Die Europäische Union arbeitet an einem Notfallplan, um einen möglichen Kerosinmangel infolge des Iran-Konflikts abzuwenden.

Hintergrund der Krise

Europa importiert nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) 30 Prozent seines Bedarfs an Flugbenzin. Rund 75 Prozent dieser Einfuhren stammen aus dem Nahen Osten, was die Abhängigkeit von der Region deutlich macht. Die Blockade der Straße von Hormus hat bereits zu einem starken Anstieg der Kerosinpreise geführt und die Lieferketten erheblich gestört.

Viele europäische Raffinerien arbeiten bereits an ihrer Kapazitätsgrenze, während die Raffineriekapazitäten in Europa in den letzten Jahren zurückgegangen sind. Dies verschärft die Situation zusätzlich. "Unsere Kerosin-Lieferanten ändern ihre Prognosezeiträume und sind nicht mehr bereit, einen Ausblick über einen Zeitraum von mehr als einem Monat zu geben", sagte Grazia Vittadini, für die Beschaffung zuständige Lufthansa-Vorständin, gegenüber Reuters.

Maßnahmen der EU

Die EU plant, die Raffineriekapazitäten in Europa zu überprüfen und deren vollständige Auslastung sicherzustellen. Weitere Maßnahmen zur Sicherung der Kerosinversorgung werden derzeit ausgearbeitet, wie Personen mit Kenntnis der Pläne bestätigten. Der Branchenverband Airlines for Europe hat vorgeschlagen, die Bestände EU-weit zu überwachen und gemeinsame Einkäufe zu tätigen.

Ein Entwurf der Notfallmaßnahmen, der Reuters vorliegt, sieht vor, die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten zu intensivieren, um Engpässe zu vermeiden. Die IEA warnt jedoch, dass bereits bis Juni Engpässe drohen könnten, wenn nur die Hälfte der üblichen Lieferungen aus dem Nahen Osten ersetzt werden kann.