Die Europäische Kommission hat am Mittwoch eine vertiefte Prüfung der geplanten Übernahme des Elektronikhändlers MediaMarktSaturn durch den chinesischen E-Commerce-Riesen JD.com angekündigt.
Subventionsverdacht im Fokus
Die Brüsseler Wettbewerbshüter teilten mit, dass ihre vorläufige Untersuchung darauf hindeute, dass JD.com möglicherweise ausländische Subventionen erhalten habe, die den EU-Binnenmarkt verzerren könnten. Konkret gehe es um Vorzugsfinanzierungen, Steueranreize und Zuschüsse.
Die Kommission äußerte zudem die vorläufige Sorge, dass „die Transaktion es dem fusionierten Unternehmen ermöglichen könnte, Investitions- und Geschäftsstrategien zu verfolgen, die sich auf die Wettbewerbsbedingungen im EU-Binnenmarkt auswirken könnten“. Es wird angenommen, dass die Mittel von der chinesischen Regierung stammen.
JD.com hatte bereits im Sommer des vergangenen Jahres ein Übernahmeangebot für MediaMarktSaturn vorgelegt. Wenige Monate später sicherte sich das Unternehmen eine Mehrheit der Anteile an der MediaMarktSaturn-Muttergesellschaft Ceconomy AG.
Die Kommission betonte, dass der Ausgang des Verfahrens offen sei. Eine endgültige Entscheidung muss bis zum 2. Oktober getroffen werden. Aus Unternehmenskreisen verlautete unterdessen, dass mit einer vollständigen Genehmigung in der zweiten Jahreshälfte gerechnet werde.
Hintergrund der Beteiligten
Neben der EU prüfen auch Behörden in mehreren Ländern die Übernahme. Entscheidungen aus Deutschland, Spanien und Österreich stehen noch aus.
MediaMarktSaturn ist der größte Elektronikhändler Europas und in Deutschland der viertgrößte Onlineshop – hinter Amazon, Otto und Zalando. Die heutige MediaMarktSaturn Retail Group entstand 2017 als Abspaltung aus dem Metro-Konzern unter dem Dach der Ceconomy AG.
JD.com zählt zu den größten Handelskonzernen der Welt. Nach Angaben des Forschungsinstituts EHI ist das Unternehmen der größte chinesische Einzelhandelskonzern und rangiert unter den zehn umsatzstärksten Handelsgruppen weltweit.
Im Jahr 2024 erzielte JD.com einen Jahresumsatz von rund 159 Milliarden US-Dollar und beschäftigte etwa 570.000 Mitarbeiter. Der Konzern ist neben dem Handel auch in den Bereichen Technologie, Logistik und Gesundheit tätig.
Ausblick und mögliche Folgen
Erst im März dieses Jahres startete JD.com mit dem Online-Shop Joybuy auf dem deutschen Markt. Die vertiefte Prüfung durch die EU-Kommission wirft nun einen Schatten auf die weiteren Expansionspläne des chinesischen Konzerns in Europa.
Die Untersuchung nach der EU-Verordnung über drittstaatliche Subventionen ist ein vergleichsweise neues Instrument, mit dem Brüssel wettbewerbsverzerrende Finanzspritzen von Nicht-EU-Staaten an Unternehmen unterbinden will. Der Fall MediaMarktSaturn gilt als richtungsweisend für die Anwendung dieser Regeln.
Sollte die Kommission zu dem Schluss kommen, dass die Subventionen den Binnenmarkt tatsächlich verzerren, könnte sie die Übernahme untersagen oder mit Auflagen versehen. Beobachter erwarten eine intensive Auseinandersetzung zwischen Brüssel und dem chinesischen Konzern.
Die Aktien von Ceconomy reagierten am Mittwoch zunächst verhalten auf die Nachricht. Analysten verwiesen darauf, dass vertiefte Prüfungen in solchen Fällen nicht ungewöhnlich seien und nicht zwangsläufig ein Scheitern der Transaktion bedeuteten.