Die Europäische Kommission hat am 28. Mai 2026 eine Geldstrafe in Höhe von 200 Millionen Euro gegen den Online-Marktplatz Temu wegen Verstößen gegen das Gesetz über digitale Dienste (DSA) verhängt.

Die Strafe ist die höchste, die jemals gegen einen Marktplatzbetreiber unter dem DSA verhängt wurde. Es ist zudem erst das zweite Mal, dass ein Verstoß gegen das Gesetz mit einem Bußgeld geahndet wird. Zuvor war im Dezember 2025 eine Strafe von 120 Millionen Euro gegen die Plattform X verhängt worden.

Die Kommission wirft Temu vor, die von dem Gesetz geforderten Risikobewertungen nicht ordnungsgemäß durchgeführt zu haben. Konkret habe das Unternehmen es versäumt, die systemischen Risiken illegaler Produkte auf seiner Plattform sorgfältig zu identifizieren, zu analysieren und zu bewerten.

Mangelhafte Risikobewertung

EU-Kommissionsvizepräsidentin Henna Virkkunen kritisierte die Risikobewertung von Temu scharf. „Risikobewertungen sind keine Box-Ticking-Übungen – sie sind das Rückgrat des Gesetzes über digitale Dienste“, erklärte sie. Die Analyse des Unternehmens unterschätze konkrete Risiken, es fehle ihr an Spezifität, sie stütze sich nicht auf solide Beweise und sei nicht umfassend.

Die Erkenntnisse der Kommission basieren auf eigenen Untersuchungen, Studien von Verbraucherschutzorganisationen und Testkäufen. Dabei zeigte sich, dass Verbraucher in der Europäischen Union auf Temu „sehr wahrscheinlich“ auf illegale Gegenstände stoßen.