Berlin, 06 Juni 2026

Ein US-amerikanischer Arzt, der sich in der Demokratischen Republik Kongo mit dem Ebola-Virus angesteckt hatte, ist nach rund zweiwöchiger Behandlung auf der Sonderisolierstation der Berliner Charité als geheilt entlassen worden.

Der Patient war am 20. Mai in die Charité aufgenommen worden, nachdem er aus Uganda in einem Spezialflugzeug nach Berlin gebracht und unter hohen Sicherheitsvorkehrungen in die Klinik transportiert worden war. Ein PCR-Test bestätigte die Infektion mit dem seltenen Bundibugyo-Virus, einem Typ des Ebola-Virus, gegen den es bisher weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische Therapie gibt.

Zunächst sei der Patient deutlich geschwächt gewesen und habe typische Ebola-Symptome sowie eine hohe Viruslast gezeigt, teilte die Klinik mit. Unter einer kombinierten antiviralen Therapie und unterstützenden medizinischen Maßnahmen seien die Krankheitszeichen bereits in der ersten Woche deutlich zurückgegangen. Der Zustand habe sich fortlaufend verbessert, die Laborwerte normalisierten sich.

Therapie und Verlauf

Nach Angaben des behandelnden Teams geht es dem Patienten inzwischen wieder gut. Die zuständige Gesundheitsbehörde hob die Isolationsanordnung am Mittag auf und folgte damit internationalen Standardkriterien. Seit dem 30. Mai war bei dem Patienten kein Virus mehr nachgewiesen worden.

Leif Erik Sander, Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin an der Charité, sprach von einem bedeutenden therapeutischen Erfolg. „Wir sind sehr erfreut über den erfolgreichen Behandlungsverlauf und werten diesen als bedeutenden therapeutischen Erfolg“, sagte Sander. Die Sonderisolierstation der Charité habe sich „einmal mehr als unverzichtbarer Baustein in der Bewältigung hochpathogener Infektionen erwiesen“.

Stimmen aus der Charité

Der Patient selbst bedankte sich für die erhaltene Versorgung: „Meine Dankbarkeit lässt sich mit Worten nicht angemessen beschreiben. (...) Unsere Gedanken sind auch bei den Menschen im Kongo, die nicht die Möglichkeit haben, eine solche Versorgung zu erhalten.“ Er habe eine erstklassige Behandlung erhalten, „unter anderem mit experimentellen Therapien, die derzeit zur Behandlung dieser Virusart erprobt werden“.

Während seines Aufenthalts waren auch die Ehefrau des Patienten und seine vier Kinder nach Berlin gekommen. Sie wurden laut Klinik als Hochrisiko-Kontaktpersonen eingestuft, zeigten jedoch keine Symptome und waren in einem separaten Bereich der Station unter Quarantäne gestellt worden. Nach dem Ende der Isolationsmaßnahmen konnten auch sie die Einrichtung verlassen.

Nach Einschätzung des Bundesgesundheitsministeriums bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Bevölkerung oder andere Patienten. Die Behandlung erfolgte in einer geschlossenen und geschützten Einheit auf dem Campus des Virchow-Klinikums, die vom regulären Krankenhausbetrieb getrennt ist. Solche Sonderisolierstationen sind auf die Versorgung von Patienten mit hochgefährlichen Erregern spezialisiert.

Ausbruch in Zentralafrika

Ebola ist eine hochansteckende, lebensbedrohliche Krankheit, die durch Körperkontakt sowie den Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen wird. Der aktuelle Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo zählt nach Angaben der Africa CDC 381 bestätigte Fälle und 62 Todesfälle. Die WHO geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Im benachbarten Uganda wurden 16 bestätigte Fälle und ein Todesfall registriert.

Die WHO weist zudem darauf hin, dass der Ausbruch in Kongo und Uganda noch längst nicht unter Kontrolle sei. Helfer vor Ort hätten bislang nur 45 Prozent aller Kontaktpersonen von Ebola-Infizierten ausfindig machen können. Um die Ausbreitung zu stoppen, müssten nach WHO-Angaben jedoch mindestens 90 Prozent der Kontaktpersonen identifiziert werden.

Der Ausbruch in Ostkongo von 2018 bis 2020 war mit rund 2300 Toten der zweitschwerste bislang registrierte Ebola-Ausbruch. Bei der Epidemie in Westafrika 2014 und 2015 starben nach WHO-Angaben mehr als 11 000 Menschen. Die Erfahrungen aus diesen Einsätzen flossen in die Behandlungsprotokolle ein, nach denen auch der nun entlassene Patient in Berlin versorgt wurde.