Ebola-Notstand, Masern-Drama, Stoffwechselforschung und ein Zürcher Abschied: Die wichtigsten Meldungen
Berlin, 21. Mai 2026
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Kurzfassung
Die WHO ruft wegen Ebola in Kongo den Notstand aus, in Bangladesch sterben Hunderte Kinder an Masern, und in der Charité wird ein Ebola-Patient behandelt. Zudem: neue Einblicke in den Stoffwechsel und Corine Mauch hört auf.
Während in der Demokratischen Republik Kongo die Ebola-Todeszahlen steigen und eine Masernepidemie in Bangladesch bereits über 500 Kinderleben gefordert hat, sorgen in Deutschland eine Entschädigungsmöglichkeit für Opfer des Leipziger Anschlags, eine Stoffwechselforschung zu braunen Fettzellen und der Abschied der Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch für Schlagzeilen.
Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo hat sich weiter verschärft. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden bis Samstagabend 204 Todesfälle in drei Provinzen registriert, bei 867 Verdachtsfällen. Noch am Freitag hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 177 Toten und 750 Verdachtsfällen gesprochen. Die WHO hat den Ausbruch inzwischen zu einer internationalen Gesundheitsnotlage erklärt.
Das Rote Kreuz meldet, dass drei seiner freiwilligen Helfer in der DR Kongo an Ebola gestorben sind. Zudem wurden in Uganda drei neue Fälle bestätigt. Die Afrikanische Union warnt, dass weitere Länder gefährdet seien. Jean Kaseya, Leiter der Africa Centres for Disease Control and Prevention, sagte: "We have 10 countries at risk". Zu den gefährdeten Staaten zählen Angola, Burundi, die Zentralafrikanische Republik, die Republik Kongo, Äthiopien, Kenia, Ruanda, Südsudan, Tansania und Sambia.
Unterdessen wird in der Berliner Charité ein mit Ebola infizierter US-amerikanischer Patient behandelt. Der 39-jährige Mann, der sich im Kongo angesteckt hatte, sei "sehr geschwächt", aber derzeit nicht in kritischem Zustand, so das Universitätsklinikum. Er zeige deutliche Krankheitssymptome, benötige jedoch keine intensivmedizinischen Maßnahmen. Ein Charité-Sprecher sagte, der Patient sei zwei Tage zuvor aufgenommen worden.
Gesundheitskrisen in Afrika und Asien
Die Charité wies das Bundibugyo-Virus nach, eine Variante des Ebola-Virus. Gegen diese seltenere Form kommen zwei experimentelle Präparate zum Einsatz: Die Substanz MBP 134, die noch nicht offiziell zugelassen ist und zuvor nur in Notfällen verabreicht wurde, sowie ein 2018 gegen einen anderen Ebola-Typ verwendetes Medikament. "Wir setzen beide Präparate ein", hieß es aus dem Krankenhaus. Die Ehefrau und die vier Kinder des Patienten befinden sich in getrennter Quarantäne.
Bereits Ende April waren in den betroffenen Gebieten erst 246 Fälle und 48 Tote bekannt gewesen. Nur wenige Tage später schnellten die Zahlen auf über 700 Infizierte und fast 180 Tote hoch. Die Krankheit breitet sich vor allem in der östlichen Unruheprovinz Ituri aus, wo nach Kämpfen rund 100.000 Menschen auf der Flucht sind. Fachleute betonen, dass frühere Ausbrüche, wie jener von 2014 in Westafrika mit über 28.000 Fällen und mehr als 11.000 Toten, gezeigt haben, dass eine Übertragung über Landesgrenzen selten bleibt.
In Bangladesch ist eine verheerende Masernepidemie ausgebrochen, die international kaum Aufmerksamkeit erhält. "We've been crying out loud about this from the beginning, but it has been a silent situation", sagt Hasina Rahman, stellvertretende Regionaldirektorin Asien des International Rescue Committee (IRC). Seit Mitte März wurden mehr als 60.000 Verdachtsfälle und 528 mutmaßliche Masern-Todesfälle registriert, die allermeisten Betroffenen sind Kinder unter fünf Jahren.
"It is huge, with just so much strain on the [health care] systems", so Rahman. Unterernährung verschärft die Lage: In Bangladesch sind ein Viertel der Kinder unter fünf Jahren in ihrem Wachstum beeinträchtigt und jedes zehnte akut mangelernährt. Deshalb liegt die Sterberate mit etwa einem Prozent deutlich höher als in wohlhabenden Ländern (0,1 bis 0,3 Prozent in den USA).
Masernkatastrophe in Bangladesch
Mohammad Kamal, Vater der zweijährigen Miftahul Zannat, schildert den Leidensweg seiner Tochter: "Once she fell ill, she became completely bedridden. She couldn't even open her eyes." Die Familie fand erst im dritten Krankenhaus in der Hauptstadt Dhaka Hilfe. "My child was cheerful, loved to play, run, and smile. After getting infected with measles, she became silent, not eating food, and had no smile on her face", sagt Kamal. Die Behandlungskosten stürzen viele Eltern in finanzielle Not. Der Rikschafahrer Mohammad Kamal Hossain, dessen neun Monate alte Tochter erkrankte, berichtet: "My elder kid is studying in ninth grade and now I don't know how I will pay her tuition fees this month because I am already in debt."
Ein Grund für die Krise liegt in einem Einbruch der Impfquote während der 18-monatigen Amtszeit einer Übergangsregierung. "The interim government did not bother about vaccination at all, so many children were not vaccinated for measles", sagt Reaz Mobarok, Professor am größten Kinderkrankenhaus des Landes. UNICEF-Vertreterin Rana Flowers warnte die Regierung mehrfach: "I sat with the interim adviser and the staff on at least 10 occasions saying, 'We are worried. You're going to face a mountain.'"
Die neugewählte Regierung startete am 5. April eine massive Impfkampagne und hat nach eigenen Angaben bereits rund 18 Millionen Kinder erreicht. Mobiles Klinikpersonal soll nun übersehene Kinder aufspüren, "to ensure no child is left behind". Auch Vitamin-A-Kapseln werden verabreicht. "Vitamin A therapy can actually significantly reduce the risk of death from measles", erklärt Mobarok. Allerdings fehlt es an internationaler Hilfe: "We are not getting much help."
In Leipzig können Opfer der Amokfahrt vom 4. Mai 2026 unter bestimmten Voraussetzungen Entschädigung beantragen. Die Verkehrsopferhilfe (VOH), eine Einrichtung der deutschen Autohaftpflichtversicherer, springt ein, wenn Fahrzeuge vorsätzlich als Waffe eingesetzt werden. Der Täter befindet sich in einer psychiatrischen Einrichtung, gegen ihn wird wegen Mordes und versuchten Mordes ermittelt.
Geschädigte können eine formlose E-Mail an leipzig@verkehrsopferhilfe.de senden, mit dem Aktenzeichen VOH-230.451-2026-300. Aus dem "Entschädigungsfonds für Schäden aus Kraftfahrzeugunfällen", der von den Versicherern finanziert wird, werden Schmerzensgeld, Behandlungskosten und Bestattungskosten gezahlt – gesetzlich gedeckelt auf maximal 1,22 Millionen Euro. Sechs Menschen waren bei dem Angriff verletzt worden.
Neue Forschungserkenntnisse aus der Stoffwechselmedizin zeigen, warum manche Menschen leichter zunehmen als andere. Dr. Tim Hollstein, Arzt und Stoffwechselforscher, untersuchte während eines Aufenthalts an den National Institutes of Health (NIH) in Arizona die Pima-Ureinwohner, die besonders häufig an Diabetes und Übergewicht leiden. Studienteilnehmer verbrachten mehrere Tage in hermetisch abgeriegelten Stoffwechselkammern. "Das ist der Goldstandard zur Messung des Energieverbrauchs", sagte Hollstein.
Forschung: Warum nehmen manche Menschen leichter zu?
Die Teilnehmer fasteten 24 Stunden oder bekamen das Doppelte ihres Grundumsatzes an Kalorien. Hollstein berichtete: "Wer beim Fasten besonders stark Energie sparte, reagierte auch bei Überernährung sparsam. Und umgekehrt." So ließen sich ein "sparsamer" und ein "verschwenderischer" Stoffwechseltyp definieren. In einer sechswöchigen streng kontrollierten Studie, in der jede Mahlzeit analysiert und Bewegung sowie Kalorien in Stuhl und Urin gemessen wurden, nahmen die Teilnehmer trotz identischer Bedingungen sehr unterschiedlich ab: Manche verloren mehr als 12 Prozent, andere nur 4 Prozent ihres Körpergewichts.
Der zuvor bestimmte Stoffwechseltyp sagte den Fettverlust gut voraus: Sparsame Typen nahmen am wenigsten ab, verschwenderische am meisten. Ein Jahr später hielten verschwenderische Typen ihr Gewicht besser, während sparsame häufiger wieder zunahmen. Auch bei einer sechswöchigen Überernährungsstudie mit schlanken Menschen, die 50 Prozent mehr aßen und sich nicht bewegen durften, gab es große Unterschiede: Manche legten 1,5 kg zu, andere 5 kg, und der Gewichtszuwachs korrelierte mit dem Stoffwechseltyp.
Ein Schlüssel liegt im braunen Fettgewebe, das Energie verbrennt und Wärme erzeugt, statt Fett zu speichern. Seit etwa 16 Jahren weiß man, dass Erwachsene braunes Fett besitzen, insbesondere im Schlüsselbeinbereich. "Wir konnten wissenschaftlich zeigen, dass Menschen mit verschwenderischem Stoffwechseltyp mehr braunes Fett haben", so Hollstein. Kalte aktiviert die braunen Fettzellen; Menschen in Polarregionen haben evolutionär bedingt mehr davon. Studien mit Mäusen zeigten zudem epigenetische Effekte: Wurden männliche Mäuse vor der Zeugung Kälte ausgesetzt, hatten ihre Nachkommen mehr braunes Fett, einen höheren Energieverbrauch und nahmen bei Überfütterung weniger zu. Ähnliche Mechanismen deuten sich beim Menschen an.
Hollstein betonte, dass Übergewicht und Adipositas multifaktoriell seien: Stress, Schlaf, Medikamente, Bewegung, Umweltfaktoren und Psyche spielten eine Rolle. "Zudem zeigen zahlreiche Studien, dass wir automatisch mehr Kalorien zu uns nehmen und zunehmen, wenn wir stark verarbeitete Lebensmittel essen", sagte er. Ballaststoffreiche, wenig verarbeitete Kost erfordere mehr Verdauungsarbeit und erhöhe den Energieverbrauch, während hochverarbeitete Produkte bereits "vorverdaut" seien.
Corine Mauch: Zürichs Langzeit-Präsidentin tritt ab
In Zürich tritt nach 17 Jahren die Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) ab. Im Interview mit SRF blickte sie auf ihre Amtszeit zurück. Die größte Stadt der Schweiz leidet seit Jahrzehnten unter Wohnungsnot. Mauch verteidigte ihre Politik gegen den Vorwurf der FDP, sie habe zu wenig Bauland freigegeben. "Dass man mit mehr Bauen automatisch die Mieten senkt, ist ein Märchen. Einfach wild draufloszubauen, würde das Problem nicht lösen. Es würden nur noch mehr teure Wohnungen entstehen", sagte sie.
Sie betonte, dass die Stadt allein in den letzten zehn Jahren über zweitausend gemeinnützige Wohnungen geschaffen habe, Genossenschaftsbauten nicht mitgerechnet. "Der Platz in der Stadt Zürich ist und bleibt begrenzt." Zürich machte immer wieder mit Forderungen wie einem Laubbläserverbot oder Gratis-Schwimmbädern Schlagzeilen. "Viele dieser Vorschläge kommen direkt aus der Bevölkerung. Zürich hat nicht umsonst eine so hohe Lebensqualität. Das ist auch ein Resultat solcher Auseinandersetzungen", so Mauch.
Sie kritisierte, dass Städte in der Bundespolitik oft übersehen würden: "85 Prozent der Wirtschaftsleistung werden in städtischen Gebieten erarbeitet. Aber diese wirtschaftliche Bedeutung ist in Bundesbern viel zu wenig präsent." Während der Pandemie und in der Migrationspolitik habe man die Städte kaum einbezogen. "Das hat man in der Pandemie oder bei der Migrationsthematik gesehen: Wir als Städte werden viel zu wenig in die Konzeption der nationalen Politik eingebunden."
Auf die Frage nach ihrem Führungsstil sagte sie: "Wenn ich diesen bestimmenden 'Präsidentinnen-Tonfall' dann unbewusst mit nach Hause bringe, kommt die Korrektur sofort. Dann sagt meine Frau klar: 'Hör auf damit!'". Das Interview führte David Karasek.
Kunst. In Wien und auf Schloss Prinzendorf inszenierte die Performance-Künstlerin Florentina Holzinger das "Pfingstspiel". Auf dem Gelände des Wiener Eislaufvereins versammelten sich über 700 Personen. Die Tauben? "Vermutlich nicht choreografiert", so eine Beobachterin. Holzinger, 1986 in Wien geboren, gilt als eine der einflussreichsten Figuren der Performancekunst.
Nach dem Auftakt mit einem brennenden Pyrotechnik-Element im Mund auf einem BMW ging es mit Bussen nach Prinzendorf, dem zentralen Ort von Hermann Nitschs "Orgien-Mysterien-Theater". Die Koproduktion der Wiener Festwochen mit der Nitsch-Foundation begann mit einer "Malaktion": Eine nackte Performerin in Kreuzstellung vor einer Leinwand wurde mit roter Farbe besprengt. Dazu sang Lane Shi Otayonii ihren "No War"-Gesang.
Florentina Holzingers "Pfingstspiel" mit Monster-Truck und Körperhaken
Später fuhr ein Monster-Truck über einen Panzer. Der Heilige Geist landete in Form einer Fallschirmspringerin mit Taubenhelm. Im Finale versammelte Holzinger ihre Truppe zu einem "Abendmahl": 13 Performerinnen ließen sich an Haken an Schultern und Knien im Hof aufhängen – das Einsetzen der Haken in die Haut konnte das Publikum live verfolgen, "man hatte nur einige Piercings durch Gelsen zu ertragen". Die Inszenierung reihte sich in die lange Tradition des Wiener Aktionismus ein, jedoch urteilte ein Kritiker: "Die Subtilität und intellektuelle Tiefe des Nitsch'schen Aktions-Kosmos erreicht Holzinger freilich nicht."
Menschen, die früher als "Freaks" ausgestellt worden wären, agierten hier selbstbestimmt. Das Spektakel erinnerte manche an den Nervenkitzel eines Jochen Schweizer, doch Holzinger versteht Zirkuselemente und Erlebnisökonomie als fixen Bestandteil ihrer Kunst, wie auch in ihrem viel diskutierten Österreich-Beitrag zur Kunstbiennale "Seaworld Venice".