Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht" untersucht die Rolle der Frauen im deutschen Unterhaltungsfernsehen
München, 17 Juli 2026
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Kurzfassung
Der Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht" von Eva Müller und Isabelle Schneider untersucht die Rolle der Frauen im deutschen Unterhaltungsfernsehen der 1990er und frühen 2000er Jahre. Schauspielerin Esther Schweins, Moderatorin Bettina Böttinger und Maren Kroymann gehören zu den Mitwirkenden.
München, 17 Juli 2026
Der Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht" von Eva Müller und Isabelle Schneider, der am 17. Juli 2026 in den deutschen Kinos startet, untersucht die Rolle der Frauen im deutschen Unterhaltungsfernsehen der 1990er und frühen 2000er Jahre.
Mitwirkende und Ausgangspunkt
Zu den Mitwirkenden gehören die Schauspielerin Esther Schweins, die Moderatorin Bettina Böttinger sowie die Künstlerin Maren Kroymann. Schweins hatte ihren Durchbruch mit der Sendung „RTL Samstag Nacht" und sprach im Vorfeld des Kinostarts mit der Deutschen Presseagentur (dpa) in München über ihre Erfahrungen.
„Das Mitlachen war eine Überlebensstrategie", erklärte Schweins. Frauen hätten sich damals auf ihr Aussehen reduzieren und betatschen lassen müssen. „Im deutschen Fernsehen hatten Frauen durchzulächeln." Der Begriff Sexismus sei damals nicht verwendet worden. „Es gab viele Begrifflichkeiten nicht. Ich könnte mich nicht erinnern, dass jemand damals über Sexismus sprach. Das war die Norm."
Schweins über die Normalität der 1990er Jahre
Schweins beschrieb „RTL Samstag Nacht" als einen Schutzraum. „Kreativ, menschlich und für mich als junge Frau der erste Ort, an dem ich aufatmen konnte, an dem ich frei denken, freie Rede führen und mir Luft verschaffen konnte." Dort habe sie als komische Frau eine Ausnahme von der Norm sein dürfen: „Komische Frau ist auch schön - oder schöne Frau ist auch komisch."
In dem Dokumentarfilm ist nach Angaben der Produktion eine Szene zu sehen, in der Harald Schmidt die Moderatorin Bettina Böttinger mit einer Toilettenbrille verglich. Schweins reagierte auf die Szene mit Tränen und richtete anschließend eine deutliche Beleidigung an Schmidt.
Die Szene mit Harald Schmidt
Böttinger selbst erklärte zum Film: „Für sie zeigt das Unterhaltungsfernsehen, wie stark Frauenfeindlichkeit die Gesellschaft teils bis heute prägt." Sie verwies zudem auf den Zusammenhang von Humor und Macht: „Böttinger meinte, wer den Witz habe, der habe auch Macht - von Harald Schmidt bis Thomas Gottschalk."
Auch Maren Kroymann, die zu den Mitwirkenden des Films gehört, sieht das Verhalten nicht auf einzelne Sendungen beschränkt. „Das sei sogar bei eher intellektuellen Satirikern wie Harald Schmidt so gewesen", wird sie zitiert. „So habe über Jahrzehnte die gesellschaftlich akzeptierte und gewünschte Form von lockerer Unterhaltung ausgesehen."
Schweins verband ihre Rückschau mit einer Warnung an die Gegenwart. „Doch auch heute gebe es Kräfte, die die Rolle der Frauen zurückdrehen wollten", warnte Schweins im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur. „Die erkämpften Rechte seien filigran, warnte Schweins."
Warnung vor einem Rückschritt
In einem ausführlicheren Statement formulierte sie: „In einer Zeit, in der es von Machtinteresse ist, dass Frauen ihre Stimme verlieren, muss man ganz deutlich sagen: Die Rechte, über die wir verfügen, sind filigran." Schweins äußerte diese Sorge in einer Phase, in der sie einen gesellschaftlichen Rechtsruck beobachtet.
Sie verwies in dem Interview zudem auf die Macht der Sichtbarkeit: „Und wer bestimmt, worüber gelacht wird, hat eben auch Macht. Wer bestimmt, was sichtbar ist oder wer unsichtbar gemacht wird, hat Macht. Und wer unsichtbar ist, ist ohnmächtig."
Der Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht" richtet den Blick auf eine Ära des deutschen Fernsehens, in der nach Einschätzung der Mitwirkenden sexistische Verhaltensmuster nicht als solche benannt wurden. Die Regisseurinnen Eva Müller und Isabelle Schneider zeichnen dafür verantwortlich.
Ein Dokumentarfilm über eine ganze Ära
Der Film reiht sich in eine Reihe von Dokumentarfilmen ein, die Machtverhältnisse und Geschlechterbilder in der Unterhaltungsindustrie der Nachkriegszeit und der späten Bundesrepublik aufarbeiten. Er kommt in die Kinos, während gleichzeitig über die Situation von Frauen in Medienberufen debattiert wird.
Die Deutsche Presseagentur verbreitete die Aussagen von Schweins über ihren Nachrichtenkanal. Der Bericht wurde am 17.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Damit erreichte das Thema ein breites Publikum über den Kinostart hinaus.
Schweins blickte in dem Interview auch auf konkrete Szenen zurück, in denen sie sich als junge Frau in einer von Männern dominierten Sendung behauptete. Sie schilderte, wie sie in „RTL Samstag Nacht" einen Raum fand, in dem sie sich als Frau mit Witz und Haltung zeigen konnte, ohne auf ihr Äußeres reduziert zu werden.
Selbstreflexion der Mitwirkenden
Die Mitwirkenden des Films eint die Erfahrung, dass sie über lange Zeit Verhaltensweisen hinnehmen mussten, die sie im Rückblick als übergriffig beschreiben. Kroymann sprach davon, dass Frauen sich betatschen lassen mussten. Schweins sprach vom „Durchlächeln". Beide schildern damit eine Normalität, die sie aus heutiger Sicht kritisieren.
Der Dokumentarfilm verzichtet nach Angaben der Mitwirkenden nicht auf Selbstreflexion. Auch die eigene Rolle der Künstlerinnen in einem System, das sie kritisch betrachten, wird thematisiert. Schweins betonte, dass sie die Sendung „RTL Samstag Nacht" trotz aller Kritik an der Branche als prägend und wichtig erlebt habe.
Fragen & Antworten
Wer hat den Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht" inszeniert?
Regie führten Eva Müller und Isabelle Schneider. Der Film behandelt die Rolle der Frauen im deutschen Unterhaltungsfernsehen der 1990er und frühen 2000er Jahre.
Welche Aussage von Esther Schweins sorgte für Aufmerksamkeit?
Schweins warnte im Gespräch mit der Deutschen Presseagentur, die erkämpften Rechte der Frauen seien „filigran" und es gebe heute Kräfte, die diese Rolle zurückdrehen wollten.
Wie reagierten die Mitwirkenden auf die gezeigten Szenen?
Schweins brach beim Anblick einer Szene, in der Harald Schmidt Bettina Böttinger mit einer Toilettenbrille verglich, in Tränen aus und richtete anschließend eine deutliche Beleidigung an Schmidt.
Doku „Was haben wir gelacht" über Frauen im TV | nachrichten360