Digitale Kompetenzoffensive: Staat und 30 Partner bündeln kostenlose Weiterbildung auf einer Plattform
Wien, 14. Juli 2026
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Die österreichische Regierung hat gemeinsam mit 30 Unternehmen und Organisationen eine kostenlose Online-Plattform für digitale Weiterbildung gestartet. Das erste Maßnahmenpaket umfasst rund 60 Bildungsangebote mit über 1.200 Stunden Lerninhalt.
Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) hat am Dienstag im Bundeskanzleramt gemeinsam mit 30 Unternehmen, Institutionen und Sozialpartnern den Pakt für die "Digitale Kompetenzoffensive" (DKO) unterzeichnet und eine zentrale Plattform für kostenlose digitale Weiterbildung vorgestellt.
Die neue Wirtschaftsplattform der Digitalen Kompetenzoffensive bündelt erstmals Bildungsangebote von Staat und Wirtschaft an einem Ort. Unter der Adresse digitalaustria.gv.at/kompetenzen/wirtschaftsplattform finden Interessierte das erste Paket mit rund 60 kostenlosen Bildungsangeboten, mehr als 145 Kursen, Modulen und Lernspielen sowie insgesamt über 1.200 Stunden digitalem Lernmaterial. Damit soll allen Menschen in Österreich der Zugang zu praxisnaher digitaler Bildung erleichtert werden.
Pröll betonte bei der Präsentation die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Initiative: "Digitale Kompetenz entscheidet über gesellschaftliche Teilhabe, berufliche Chancen und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts." Er bezeichnete digitale Bildung als "der Erfolgsfaktor für unseren Wirtschaftsstandort Österreich" und sagte: "Wir machen digitale Bildung für jeden in Österreich zugänglich."
Inhalte und Umfang
Die Plattform deckt ein breites Themenspektrum ab. Im Mittelpunkt stehen digitale Schlüsselkompetenzen: KI, Cybersicherheit, digitale Grundkompetenzen, Programmieren, IT und Datenkompetenz. Ergänzt werde das Angebot durch Inhalte zu digitaler Barrierefreiheit, Finanzbildung und Nachhaltigkeit. Laut Staatssekretariat sind mehr als 70 Prozent der Angebote orts- und zeitunabhängig online verfügbar; ergänzend stünden Webinare, betreute Kurse und Präsenzangebote zur Verfügung, mitunter bei Schulworkshops.
Unter den 30 Partnern finden sich neben Ministerien und Sozialpartnern große heimische Unternehmen wie A1, ÖBB und Dynatrace sowie internationale US-Tech-Konzerne wie Google, Microsoft, Amazon, Apple, IBM, Oracle, Cisco und Samsung. Viele der eingebrachten Programme, etwa IBM SkillsBuild und die Google Zukunftswerkstatt, bestanden bereits und werden nun unter dem staatlichen Dach gebündelt. 15 der zunächst 30 Partner haben zum ersten Maßnahmenpaket konkrete Bildungsangebote beigesteuert.
A1, Samsung und IBM bieten schon seit Jahren IT-Kompetenzprogramme an und können diese nun über die Plattform einbringen. Thomas Arnolder, Vizechef des Telekomkonzerns A1, sagte im Bundeskanzleramt: "Digitale Kompetenzen sind heute so wichtig wie Lesen und Schreiben und wir dürfen die Menschen dabei nicht alleine lassen." Er verwies damit auf den umfassenden Bildungsauftrag, den Wirtschaft und Staat gemeinsam schultern müssten.
Partner aus Wirtschaft und Staat
Pröll kündigte an, dass weitere Unternehmen dazukommen sollen: "Wir werden weitere Unternehmen gewinnen – die 30 sind quasi Gründungsmitglieder." Er beschrieb die Vereinbarung als erstes "Commitment" und formulierte das Ziel, in einem Jahr mit zusätzlich gewonnenen Partnern erneut vor die Öffentlichkeit zu treten. "Dieser Pakt ist das erste 'Commitment' und das Ziel ist es, dass wir in einem Jahr wieder dastehen und weitere Unternehmen dazugewonnen haben werden."
Die Initiative richtet sich ausdrücklich an alle Alters- und Bevölkerungsgruppen: Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Berufstätige, IT-Fachkräfte, Seniorinnen und Senioren sowie Menschen mit Behinderungen und Migrationshintergrund. Damit soll dem Befund entgegengewirkt werden, dass rund ein Drittel der 14-Jährigen in Österreich nur über sehr geringe digitale Kompetenzen verfügt. Gleichzeitig sei die Digitalisierung längst in der älteren Generation angekommen: Drei Viertel der Pensionistinnen und Pensionisten in Österreich sind demnach online.
Zielgruppen und Reichweite
Als konkrete neue Zusage kündigte Google über die Plattform The Female Factor 2.000 zusätzliche Stipendien für Google Career Certificates an. Für September ist eine zentrale Informationsstelle zu IT-Berufsbildern geplant, die Ausbildungswege mit Praxisangeboten wie Praktika und Schulbesuchen verknüpft. Im November sollen zudem bundesweite Aktionstage zu KI-Kompetenzen mit Workshops und Open Company Days stattfinden.
Die DKO-Wirtschaftsplattform bildet den Rahmen für die Zusammenarbeit von Wirtschaft, Verwaltung, Sozialpartnern und Interessenvertretungen. Sie orientiert sich am Nationalen Referenzrahmen für digitale Kompetenzen, am europäischen Rahmenwerk DigComp sowie am österreichischen KI-Basiscurriculum. Drei Ziele stehen im Mittelpunkt: die digitalen Grundkompetenzen der Bevölkerung zu heben, mehr Menschen für IT-Berufe zu gewinnen und digitale Kompetenzen auf Basis gemeinsamer Standards vergleichbar zu machen.
Pröll machte zugleich deutlich, dass die bloße Verfügbarkeit von Technologie nicht ausreiche: "Die beste technologische Lösung bringt nichts, wenn man sie nicht anwendet." Die Plattform sei daher mehr als eine Absichtserklärung: "Die DKO-Wirtschaftsplattform ist damit nicht nur ein Bekenntnis, sondern eine gemeinsame Arbeits- und Umsetzungsplattform."
Drei Ziele der Offensive
Die Wirtschaftsplattform versteht sich als erster von drei Umsetzungsschritten der Digitalen Kompetenzoffensive. Mit dem Pakt übernehmen Staat und Wirtschaft "gemeinsam Verantwortung für die Zukunft des Standorts", wie Pröll betonte. Die Angebote sind für die gesamte österreichische Bevölkerung kostenlos nutzbar und sollen über bestehende Strukturen der Digitalen Kompetenzoffensive österreichweit sichtbar gemacht werden.
Insgesamt sehen die Beteiligten die Plattform als Antwort auf eine doppelte Herausforderung: den Fachkräftemangel im IT-Bereich und die ungleiche Verteilung digitaler Kompetenzen in der Gesellschaft. Durch die Kooperation zwischen Staat und Wirtschaft entstehe ein zentraler Zugang zu hochwertigen und praxisnahen Angeboten der Wirtschaft, der über die Strukturen der Digitalen Kompetenzoffensive österreichweit sichtbar werde, erklärte Pröll.
Mit dem Start der Plattform ist die erste Etappe eines längerfristigen Programms eingeläutet. Ob die selbstgesteckten Ziele – mehr digitale Grundbildung, mehr IT-Fachkräfte und vergleichbare Kompetenzstandards – erreicht werden, soll sich in den kommenden Monaten und mit Blick auf den avisierten nächsten Partnerzuwachs in einem Jahr zeigen.
Ausblick auf weitere Schritte
Die Teilnahme an den Kursen ist freiwillig und richtet sich an Lernende mit sehr unterschiedlichem Vorwissen. Vom Einsteigerkurs im Umgang mit Smartphone und Cloud bis hin zu spezialisierten Schulungen für IT-Fachkräfte reicht das Spektrum. Damit soll die Plattform sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen und öffentliche Verwaltungen attraktiv sein, die ihre Beschäftigten weiterqualifizieren wollen.
Begleitend zur Online-Plattform sind Präsenzformate ein fester Bestandteil des Angebots. Dazu gehören Schulworkshops, betreute Kurse und Informationsveranstaltungen, die vor allem jene Zielgruppen erreichen sollen, die online schwerer zugänglich sind. Auch spezielle Formate für Menschen mit Behinderungen sind Teil des Programms, ebenso wie Angebote in mehreren Sprachen, um Menschen mit Migrationshintergrund gezielt anzusprechen.
Mit der Digitalen Kompetenzoffensive verfolgt die Regierung einen umfassenden Ansatz, der technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte miteinander verknüpft. Die enge Einbindung internationaler Konzerne soll sicherstellen, dass die Inhalte internationalen Standards entsprechen, während heimische Unternehmen für Praxisnähe und regionale Verankerung sorgen.
Fragen & Antworten
Wer ist Alexander Pröll und welche Rolle spielt er bei der Digitalen Kompetenzoffensive?
Alexander Pröll (ÖVP) ist Digitalisierungsstaatssekretär der österreichischen Bundesregierung. Er hat den Pakt für die Digitale Kompetenzoffensive (DKO) initiiert und am Dienstag im Bundeskanzleramt gemeinsam mit den 30 Partnern unterzeichnet.
Welche Inhalte bietet die neue Plattform digitalaustria.gv.at konkret an?
Die Plattform bündelt rund 60 kostenlose Bildungsangebote mit mehr als 145 Kursen, Modulen und Lernspielen im Umfang von über 1.200 Stunden. Schwerpunkte sind KI, Cybersicherheit, digitale Grundkompetenzen, Programmieren, IT und Datenkompetenz; ergänzt um digitale Barrierefreiheit, Finanzbildung und Nachhaltigkeit.
Welche Unternehmen und Organisationen sind an der DKO-Wirtschaftsplattform beteiligt?
Zu den 30 Partnern zählen Ministerien, Sozialpartner sowie heimische Firmen wie A1, ÖBB und Dynatrace. Internationale Tech-Konzerne wie Google, Microsoft, Amazon, Apple, IBM, Oracle, Cisco und Samsung sind ebenfalls Teil der Initiative.
DKO-Plattform: Gratis-Bildung zu KI und IT in Österreich | nachrichten360