Berlin, 01 Juli 2026

Die Deutsche Bahn stattet ab sofort rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fernverkehr mit Bodycams aus, wie der bundeseigene Konzern mitteilte.

Die Kameras werden an der Dienstkleidung befestigt und stehen allen Beschäftigten mit Kundenkontakt im Fernverkehr zur Verfügung. Der bundeseigene Konzern erklärte, dass die Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter sowie die Beschäftigten in der Bordgastronomie und in den DB-Lounges Bodycams erhielten. „Bisher war das nur im Regionalverkehr der Fall."

Bahnchefin Evelyn Palla hatte die Maßnahme nach einem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in einer Regionalbahn im Februar angekündigt. Sie hatte zugesagt, dass noch im laufenden Jahr alle Beschäftigten mit Kundenkontakt auf freiwilliger Basis mit einer solchen Kamera ausgestattet werden sollen. Mit der Maßnahme sollen die Mitarbeiter Übergriffe durch Fahrgäste besser dokumentieren können.

Hintergrund: Anlass war ein tödlicher Angriff im Februar

Aus Sicht des Unternehmens erfüllen die Geräte mehrere Funktionen zugleich. „Bodycams tragen dazu bei, dass sich Reisende und Mitarbeitende gleichermaßen sicher in den Zügen des Fernverkehrs fühlen", erklärte die Deutsche Bahn. „Sie haben eine präventive Wirkung und dienen der Abwehr und Reduktion von Gewalttaten sowie der Beweissicherung." Die Nutzung bleibt freiwillig.

Die Bodycams sind Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets, das unter dem Titel „Aktionsplan für mehr Sicherheit auf der Schiene" gebündelt ist. Dieser sieht neben der Kamera-Ausstattung auch die Weiterentwicklung eines sogenannten Hilferufknopfs vor, mit dem die Mitarbeiter in Gefahrensituationen schon jetzt unauffällig die Leitstelle informieren können. Zudem sollen 200 zusätzliche Sicherheitskräfte eingestellt werden.

Maßnahmenpaket „Aktionsplan für mehr Sicherheit auf der Schiene"

Die Deutsche Bahn begründet den Ausbau mit einer zunehmenden Zahl von Übergriffen, die sich vor allem gegen Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter richten. Der Vorfall im Februar, bei dem ein Zugbegleiter in einem Regionalzug tödlich angegriffen wurde, hatte die Diskussion um die Sicherheit des Bahnpersonals bundesweit verschärft und Forderungen nach besseren Schutzmaßnahmen laut werden lassen.

Im Regionalverkehr sind Bodycams nach Angaben des Unternehmens bereits seit Längerem im Einsatz. Die Beschäftigten im Regionalverkehr verfügen bereits seit längerem über solche Kameras. Mit der Ausweitung auf den Fernverkehr weitet die Deutsche Bahn die Schutzausstattung nun erstmals auf den gesamten Personenverkehr auf der Schiene aus.

Beobachterinnen und Beobachter sehen in der Kameraausstattung vor allem ein Signal an die Belegschaft. Die Deutsche Bahn wolle mit der flächendeckenden Ausrüstung verdeutlichen, dass Übergriffe auf das eigene Personal nicht hingenommen würden, hieß es. Auch für die Fahrgäste solle sichtbar werden, dass Vorfälle konsequenter dokumentiert und verfolgt werden könnten.

Funktionsweise und freiwillige Nutzung

Die Bodycams zeichnen grundsätzlich Bild und Ton auf und können in akuten Bedrohungslagen aktiviert werden. Über die genaue Auslösung entscheidet die jeweilige Mitarbeiterin oder der jeweilige Mitarbeiter selbst, da die Nutzung ausdrücklich freiwillig bleibt. Die gespeicherten Aufnahmen sollen im Fall eines Vorfalls als Beweismittel dienen.

Gleichzeitig betont die Deutsche Bahn, dass die Kameras nicht die einzige Säule des neuen Sicherheitskonzepts darstellen. Neben Bodycams, Hilferufknopf und zusätzlichem Sicherheitspersonal sind weitere Maßnahmen wie Schulungen und eine engere Zusammenarbeit mit der Bundespolizei Teil des Aktionsplans. Damit solle der Schutz sowohl für Beschäftigte als auch für Reisende spürbar erhöht werden.

Die Ausstattung der rund 2.000 Mitarbeitenden im Fernverkehr läuft nach Konzernangaben sofort an und soll im laufenden Jahr abgeschlossen werden. Die Deutsche Bahn kündigte an, die Erfahrungen aus Regional- und Fernverkehr später gemeinsam auszuwerten und das System bei Bedarf weiterzuentwickeln.

Diese Nachricht wurde am 01.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.