Der österreichische Charakterdarsteller Johannes Krisch ist im Alter von 59 Jahren gestorben
Wien, 27. Juli 2026
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Kurzfassung
Der österreichische Schauspieler Johannes Krisch ist am Montagfrüh im Alter von 59 Jahren in einem Wiener Spital gestorben. Der Burgtheater- und Josefstadt-Ensemblemitglied galt als einer der bedeutendsten Charakterdarsteller des Landes und war in Film, Fernsehen und Theater gleichermaßen erfolgreich.
Der österreichische Schauspieler Johannes Krisch ist am Montagfrüh im Alter von 59 Jahren in einem Wiener Krankenhaus gestorben.
Bestätigung und erste Reaktionen
Der Tod des Schauspielers wurde am Montag von der Austria Presse Agentur (APA) und mehreren heimischen Medien unter Berufung auf das Umfeld des Künstlers bestätigt. Demnach verstarb Krisch am frühen Montagmorgen in einer Wiener Klinik. Details zu Todesursache und näheren Umständen wurden zunächst nicht bekannt.
Krisch wurde 1966 in Wien geboren und war einer der profiliertesten Charakterdarsteller Österreichs. Bevor er zur Schauspielerei fand, absolvierte er zunächst eine Tischlerlehre. Über Umwege kam er schließlich zur Bühne und schloss seine Schauspielausbildung 1989 ab, woraufhin ihn der damalige Burgtheater-Direktor Claus Peymann als fixes Ensemblemitglied an das Haus am Wiener Ring holte.
Vom Tischler zum Burgtheater
Am Burgtheater war Krisch über viele Jahre hinweg erfolgreich tätig und entwickelte dort ein Repertoire, das von Shakespeare bis Nestroy und von Bernhard bis zu zeitgenössischen Autoren reichte. 2017 wurde ihm der Berufstitel „Kammerschauspieler" verliehen, eine besondere Auszeichnung der Republik Österreich für herausragende künstlerische Leistungen.
Charakterkopf in Josefstadt und Bockerer-Rolle
Auch am Theater in der Josefstadt, an den Salzburger Festspielen und an verschiedenen weiteren Bühnen im deutschsprachigen Raum gastierte Krisch wiederholt. In der Josefstadt verkörperte er unter anderem den starrsinnigen Wiener Metzger Karl Bockerer, der sich nicht mit den Nationalsozialisten arrangiert. Diese Rolle sollte ihm besonders in Erinnerung bleiben und gilt bis heute als eine seiner prägendsten Bühnenfiguren. Herbert Föttinger, langjähriger Direktor des Theaters in der Josefstadt, würdigte Krisch gegenüber der APA als „einen der bedeutendsten Schauspieler seiner Generation" in Österreich: „Johannes Krisch besaß die seltene Gabe, Figuren nicht zu spielen, sondern sie im Augenblick zu erleben – und das Publikum daran teilhaben zu lassen."
Föttinger ergänzte später: „Mit einer Intensität, einer Wahrhaftigkeit und einer tiefen Menschlichkeit berührte er sein Publikum und prägte jede Bühne, auf der er stand." Krisch habe das Josefstadt-Ensemble „mit seiner unverwechselbaren Persönlichkeit, seiner Intensität und seiner Wahrhaftigkeit geprägt. Seine Rollen waren nie bloße Darstellung, sondern gelebtes Leben."
Filmkarriere und internationale Erfolge
Einem breiten Publikum wurde Krisch vor allem durch seine Film- und Fernsehrollen bekannt. In Götz Spielmanns oscarnominiertem Filmdrama „Revanche" (2008) brillierte er in der Hauptrolle und erhielt dafür unter anderem einen Kineo Award bei den Filmfestspielen von Venedig. Beim Österreichischen Filmpreis 2016 wurde er für seine Darstellung des Serienmörders Jack Unterweger in Elisabeth Scharangs „Jack" als bester männlicher Darsteller ausgezeichnet.
Daneben war Krisch in Adrian Goigingers Bauerndrama „Märzengrund" (2022) in der Rolle des Aussteigers Elias sowie in Elisabeth Scharangs Literaturadaption „Wald" zu sehen. Zu seinem filmischen Werk zählen außerdem „Die Vaterlosen" (2011) und „Finsteres Glück" (2016). International wirkte er in „Der phönizische Meisterstreich" von Wes Anderson sowie in „A Cure for Wellness" von Gore Verbinski mit.
Auszeichnungen und Ehrungen
Im österreichischen Fernsehen gehörte Krisch zum Ensemble von David Schalkos Erfolgsserie „Braunschlag" (2012) und war regelmäßiger Gast im „Tatort", bei „Soko Donau" und in den „Toten vom Bodensee". Für die Streamingdienste Netflix und ORF war er in den Koproduktionen „Vienna Blood" und „Freud" zu sehen. In Peter Patzaks Kottan-Revival „Kottan ermittelt: Rien ne va plus" (2010) übernahm er 2010 die Rolle des Paul Schremser, und in Nikolaus Leytners Seethaler-Verfilmung „Der Trafikant" spielte er die aufrechte Titelfigur.
2017 würdigte die Jury des Filmfestivals Diagonale Krisch mit dem Großen Schauspielpreis. In der Begründung hieß es: „Johannes Krisch lotet die Grenzen als Künstler aus und ist bereit, sie zu übertreten – mit Liebe, mit Leidenschaft und mit einer großen Vielfalt an schauspielerischem Können. Er macht es sich nicht auf gewohntem Terrain bequem, sondern tastet sich in seiner Rollenauswahl in die dunklen Ecken vor." Die Diagonale war beileibe nicht die einzige Institution, die Krisch für seine Arbeit ehrte.
Neben seiner Arbeit als Schauspieler war Krisch auch als Sänger tätig. 2003 veröffentlichte er mit „Mirrors" seine erste CD, eine Hommage an den US-amerikanischen Musiker Lou Reed. Auf die Frage, wie er sich auf seine Bühnenauftritte vorbereite, antwortete Krisch einmal: „Ich spuck' dreimal auf den Bühnenboden und klopf' auf Holz."
Persönliches und Rückschläge
2012 erlitt Krisch bei einer Premiere in Berlin einen schweren Bühnenunfall, als er aufgrund einer fehlenden Treppe knapp zwei Meter in die Tiefe stürzte und sich dabei eine Wirbelverletzung sowie einen Riss im Zwerchfell zuzog. 2023 musste er sowohl seine Hauptrolle in Peter Turrinis Uraufführung „Es muss geschieden sein" als auch die Intendanz bei den Raimundspielen Gutenstein zurücklegen. Zuletzt war er im Film „The Stories" über einen jungen Ägypter zu sehen, der Konzertpianist werden will.
ORF und Branche nehmen Abschied
Der ORF würdigte den Verstorbenen mit umfangreichen Programmänderungen. ORF 2 zeigte bereits am Montagabend um 23.15 Uhr „Jack", daran schloss sich um 0.45 Uhr die Seethaler-Verfilmung „Der Trafikant" und um 2.30 Uhr der Spielfilm „Vielleicht in einem anderen Leben" an. ORF III sendet am Dienstag um 23.25 Uhr „Kottan ermittelt – Rien ne va plus". In der Mediathek ORF ON findet sich zudem die Kollektion „Trauer um Schauspieler Johannes Krisch".
Auch Kolleginnen und Kollegen aus der Theater- und Filmszene äußerten sich bestürzt. Föttinger, der Krisch über Jahrzehnte als künstlerischen Weggefährten begleitet hatte, brachte die Trauer vieler auf den Punkt: „Die Zusammenarbeit mit ihm war für mich ein großes Geschenk." Und am Josefstadt-Theater heißt es: „Unvergessen bleibt seine Verkörperung des Karl Bockerer. Der Karl Bockerer wird uns immer auch an Johannes Krisch erinnern." So hat einer der großen Schauspieler des Landes im Alter von 59 Jahren die Bühne für immer verlassen.
Mit Krisch verliert Österreich einen vielseitigen Künstler, der sich nicht auf gewohntes Terrain begab und stets in die Tiefe seiner Figuren vorstieß. Sein Œuvre reichte von klassischen Theaterrollen über Fernsehkrimis bis zu internationalen Filmproduktionen. Für Kritiker wie Kollegen galt er als Ausnahmeschauspieler, der mit kompromissloser Intensität und einem unverwechselbaren äußeren Erscheinungsbild komplexe, oft gebrochene Charaktere verkörperte. Sein Tod hinterlässt eine Lücke in der heimischen Theater- und Filmlandschaft, die kaum zu schließen sein wird.
Wie aus dem Umfeld des Künstlers weiter verlautete, sind Trauerfeier und ein erstes öffentliches Gedenken in Wien bereits in Planung. Der ORF kündigte an, das Programm in memoriam Johannes Krisch in den kommenden Tagen weiter auszuweiten. Die Stadt Wien und die Bundestheater haben zudem ein Kondolenzbuch im Burgtheater aufgelegt, in das sich Bürgerinnen und Bürger eintragen können.
Fragen & Antworten
Wer war Johannes Krisch?
Johannes Krisch (1966–2026) war ein österreichischer Schauspieler, der ab 1989 zum Ensemble des Wiener Burgtheaters gehörte und später auch am Theater in der Josefstadt, an den Salzburger Festspielen und in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen wirkte. Zu seinen bekanntesten Rollen zählen der Karl Bockerer auf der Bühne sowie die Hauptrollen in „Revanche", „Jack" und „Märzengrund".
Woran und in welchem Alter starb Johannes Krisch?
Der Schauspieler starb am Montagfrüh im Alter von 59 Jahren in einem Wiener Spital. Details zur Todesursache und zu den näheren Umständen wurden zunächst nicht öffentlich bekannt.
Wie reagierten die heimische Theater- und Filmszene auf den Tod von Johannes Krisch?
Herbert Föttinger, Direktor des Theaters in der Josefstadt, würdigte Krisch als „einen der bedeutendsten Schauspieler seiner Generation" in Österreich. Der ORF änderte sein Programm und widmete dem Verstorbenen eine eigene Sendereihe in ORF ON unter dem Titel „Trauer um Schauspieler Johannes Krisch".
Schauspieler Johannes Krisch (59) ist tot – Nachruf | nachrichten360