Der Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, John Ratcliffe, ist nach unbestätigten US-Medienberichten am Dienstag in Moskau gelandet, um dort Gespräche mit russischen Vertretern zu führen.

Mehrere US-Nachrichtensender, darunter CBS News und CNN, berichteten übereinstimmend über die Reise des CIA-Chefs in die russische Hauptstadt. Demnach landete ein US-Militärflugzeug in Moskau, ohne dass die US-Regierung die Reise offiziell bestätigte. Weder das Weiße Haus noch die CIA äußerten sich zunächst zu den Berichten.

Die Gespräche sollen nach Angaben der Sender hochrangig besetzt sein. Russische Stellen hätten sich bereit gezeigt, direkt mit Washington in Kontakt zu treten, hieß es. Über konkrete Inhalte wurde Stillschweigen vereinbart. Beobachter werteten den Besuch als außergewöhnlich, da ein CIA-Direktor in der Regel nicht öffentlich in Hauptstädte reist, mit denen die USA sich in einem offenen Konflikt befinden.

Zeitpunkt der Reise

Der Zeitpunkt der Reise fällt in eine Phase, in der die USA ihre Militärhilfen für die Ukraine neu justieren. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuletzt weitere Waffenlieferungen gefordert, darunter Luftabwehrsysteme und Artillerie. In russischen Angriffen auf zivile Ziele starben nach Angaben ukrainischer Stellen seit Kriegsbeginn mindestens 820 Kinder.

Am Rande der diplomatischen Bewegung hatte ein Vatikan-Vertreter bei einem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow ein Ende des Krieges gefordert. Die katholische Kirche hatte sich wiederholt als Vermittlerin angeboten. Der genaue Inhalt des Gesprächs in Moskau wurde nicht bekannt.

Politische Beobachter sehen in der Reise Ratcliffes zwei mögliche Lesarten. Einerseits könne es um die Vorbereitung eines möglichen Gipfeltreffens zwischen US-Präsident Donald Trump und Kreml-Chef Wladimir Putin gehen. Andererseits sei denkbar, dass konkrete Sicherheitsgarantien für die Ukraine ausgehandelt werden sollen. Beide Varianten gelten als heikel.

Diplomatische Hintergründe

Die USA unterhalten weiterhin diplomatische Kanäle nach Moskau, obwohl die Beziehungen seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 auf einem Tiefpunkt sind. Direkte Gespräche auf Geheimdienstebene gelten in solchen Phasen als üblich, werden aber selten öffentlich.

Nach den Medienberichten soll der Aufenthalt des CIA-Direktors in Moskau nur wenige Stunden dauern. Eine geplante Weiterreise nach Riga, wo sich das US-Militärkommando für Osteuropa befindet, wurde in den Berichten erwähnt. Damit könnte die Reise auch der Abstimmung mit den baltischen NATO-Partnern dienen.

Die Reaktion in Kiew fiel verhalten aus. Ukrainische Offizielle äußerten sich besorgt, dass bilaterale Gespräche zwischen Washington und Moskau ohne Beteiligung der Ukraine zu Ergebnissen führen könnten, die Kiew nicht mitträgt. Die ukrainische Regierung pocht auf eine Einbindung in alle Verhandlungen über die Zukunft des Landes.

Reaktionen aus Kiew

Parallel zu den Reiseberichten wurde bekannt, dass erneut eine russische Ölraffinerie durch ukrainische Drohnen getroffen wurde und in Brand geriet. Die Angriffe auf die Energieinfrastruktur Russlands gehören seit Monaten zum Muster der ukrainischen Kriegsführung.

Unklar blieb zunächst, ob Ratcliffe bei seinem Besuch auch von Kreml-Chef Putin empfangen wird. Treffen westlicher Geheimdienstchefs mit dem russischen Präsidenten sind extrem selten und werden in der Regel streng geheim gehalten.

Die US-Regierung hatte in den vergangenen Wochen wiederholt betont, dass sie eine diplomatische Lösung des Ukraine-Kriegs anstrebe. Gleichzeitig erhöhte sie den Druck auf Moskau durch neue Sanktionen und die Lieferung weitreichender Waffensysteme an die Ukraine.