Chinesischer Speicherchiphersteller CXMT legt fulminantes Börsendebüt in Shanghai hin
Shanghai, 28. Juli 2026
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Kurzfassung
Der chinesische DRAM-Hersteller CXMT hat am Montag an der Börse in Shanghai ein spektakuläres Debüt hingelegt: Die Aktie schloss am ersten Handelstag mit einem Plus von 465,82 Prozent. Der Börsengang spülte umgerechnet rund 9,3 Milliarden US-Dollar in die Kasse des Unternehmens und gilt als einer der größten IPOs Chinas seit Jahren.
Der chinesische Speicherchiphersteller CXMT (ChangXin Memory Technologies) hat am Montag an der STAR-Börse in Shanghai einen Börsengang hingelegt, der die Erwartungen deutlich übertraf und einen der größten IPOs in der Volksrepublik seit Jahren darstellt.
Rekordverdächtiger erster Handelstag
Laut dpa-AFX platzierte CXMT rund 6,7 Milliarden Aktien zu einem Ausgabepreis von 8,66 Yuan und nahm damit umgerechnet knapp 9,3 Milliarden US-Dollar ein. Die 58 Milliarden Yuan (rund 7,5 Milliarden Euro), die CXMT mit dem Börsengang einnahm, sind ein deutliches Signal für die wachsende Kapitalmarktdynamik im chinesischen Technologiesektor.
Die Resonanz am ersten Handelstag war enorm: Die CXMT-Aktie startete bei 46,90 CNY und schloss an der Börse in Shanghai bei 49,00 CNY, ein Plus von 465,82 Prozent gegenüber ihrem Emissionspreis. Nach Berechnungen auf Basis der ausgegebenen Aktien ergäbe sich eine implizite Bewertung von 8,76 Billionen Yuan – fast 1,14 Billionen Euro.
Nach dieser Bewertung wäre CXMT höher bewertet als aktuell Micron mit rund 1,04 Billionen US-Dollar (914 Milliarden Euro). Zeitweise lag der Börsenwert des Unternehmens bei rund 487 Milliarden Dollar und damit über jenem des US-Konzerns Intel. Kurzzeitig überholte CXMT sogar Tencent als das höchstbewerteste Unternehmen der Volksrepublik.
Hintergrund des starken Interesses ist die strategische Bedeutung von CXMT. ChangXin Memory Technologies, kurz CXMT, wurde 2016 in Hefei in der ostchinesischen Provinz Anhui gegründet. Heute ist das Unternehmen Chinas grösster Hersteller von DRAM-Speicherchips. Inzwischen ist CXMT der viertgrösste Hersteller von DRAM-Speicherchips weltweit – hinter Samsung, SK Hynix und Micron.
Hintergrund: Aufstieg eines chinesischen Chipkonzerns
In den vergangenen zwölf Monaten konnte das Unternehmen seinen Marktanteil deutlich ausbauen. Dazu beigetragen hat auch die weltweit steigende Nachfrage nach Chips für Anwendungen mit künstlicher Intelligenz. Diese Chips werden in Computern, Servern und Rechenzentren eingesetzt. Sie sind auch für Anwendungen der künstlichen Intelligenz wichtig. Vor allem die KI-Chips des US-amerikanischen Unternehmens Nvidia gelten nach wie vor als weltweiter Massstab für das Training leistungsstarker KI-Modelle.
Mit einem Umsatz von 50,8 Milliarden Yuan (6,6 Milliarden Euro) im ersten Quartal des Jahres 2026 ist das Unternehmen bereits finanzstark. Aktuell liegt die Bewertung bei 3,7 Billionen Yuan, umgerechnet fast 480 Milliarden Euro. CXMT gilt als das am weitesten fortgeschrittene chinesische Unternehmen im Speicherchipmarkt und peilt nach eigenen Angaben mittelfristig eine Kapazität von rund 500.000 Wafer-Starts pro Monat an.
Das Geld aus dem Börsenstart soll nun in neue Produktionsanlagen und die Entwicklung leistungsfähigerer Speicherchips investiert werden. Die Mittel sollen in einen Ausbau der Fertigungskapazitäten und in die Forschung fließen. Bereits Ende 2026 könnte CXMT so auf monatlich 350.000 Wafer Starts (Wpm) kommen. Damit sinkt der Rückstand zu Micron (385.000 Wpm), vor dem chinesischen Konzern der drittgrößte Speicherhersteller weltweit, auf unter zehn Prozent. Allerdings baut auch Micron aktuell seine Fertigungskapazitäten aus.
Geopolitischer Kontext und US-Restriktionen
Die hohe Bewertung wird allerdings nicht von allen Seiten uneingeschränkt geteilt. Zudem ist CXMTs Marge niedriger, eine derart hohe Bewertung könnte überzogen sein. Micron mit 18,8 Milliarden US-Dollar (16,5 Milliarden Euro, nur DRAM) im etwa gleichen Zeitraum erzielt einen deutlich höheren Umsatz. Der japanische Investment- und Finanzdienstleister Nomura Holdings hat laut FT ein Kursziel von 116 Yuan für die Aktie ausgegeben.
Auch geopolitische Faktoren spielen eine Rolle. Die USA haben in den vergangenen Jahren den Zugang Chinas zu modernen Chiptechnologien eingeschränkt. Damit sollte die Entwicklung der chinesischen Halbleiterindustrie gebremst werden. Dessen Verkauf in die Volksrepublik haben die USA Ende 2025 praktisch untersagt. US-Exportkontrollen und niederländische Lizenzauflagen versperren China den Zugang zu den fortschrittlichsten EUV-Anlagen, wodurch die Immersions-DUV-Technik zum praktikabelsten Weg für die heimische Chipfertigung wurde.
CXMT erhielt Unterstützung von der Zentralregierung, staatlichen Fonds und lokalen Behörden. Der Versuch Pekings, die Halbleiterselbstversorgung auch mit Hilfe von Hersteller von Lithografie-Maschinen zu gewährleisten, gewinne an Glaubwürdigkeit, hieß es auch laut Dow Jones Newswires in Marktkreisen. CXMT fertigt ebenfalls HBM, scheint aber Huaweis Bedarf für KI-Beschleuniger wie die Ascend 950 (g+) nicht decken zu können.
Ausblick: Lithografiemaschinen und asiatische Märkte
Die Nachfrage hat auch die Analystin Tilly Zhang überrascht, mit der die Financial Times gesprochen hat. Damit zählt der Börsengang zu den grössten des Jahres in Asien. Die ersten chinesischen Immersions-DUV-Lithografieanlagen sollen noch in diesem Jahr an Semiconductor Manufacturing International (SMIC), Hua Hong Semiconductor sowie CXMT selbst ausgeliefert werden.
Am zweiten Handelstag (Dienstag) kam es zu Gewinnmitnahmen: Bis zum Handelsende war es lediglich zu vergleichsweise kleinen Gewinnmitnahmen gekommen, die CXMT-Aktie schloss 4,08 Prozent tiefer bei 47,00 CNY. Während der japanische Nikkei 225 am Dienstag deutlich nachgab und vor allem der südkoreanische KOSPI heftig einbrach, verbucht der Hang Seng in Hongkong zeitweise gegen den allgemeinen Trend in Asien sogar ein Plus von 0,41 Prozent, während der Shanghai Composite mit einem Minus von 1,16 Prozent schloss.
Trotz dieser Fortschritte ist China weiterhin auf westliche Technologie angewiesen. Die chinesischen Anlagen erreichen nach Einschätzung von Branchenbeobachtern zudem noch nicht das Leistungsniveau der ASML-Systeme, und einzelne Komponenten stammen weiterhin von japanischen Zulieferern. ASML lieferte im vergangenen Jahr nach Angaben von Finanzvorstand Roger Dassen rund 130 Immersionsanlagen aus und hält damit einen Marktanteil von etwa 98,7 Prozent im globalen Immersionsgeschäft. Für 2027 plant der Konzern nach eigenen Worten eine Kapazitätserhöhung um 30 Prozent, eine weitere Ausweitung für 2028 wird geprüft.
Der Aktie wahrscheinlich bald Teil von Indexfonds wird. Dadurch steigt die Nachfrage. Analysten stufen CXMT überwiegend positiv ein: UBS, DZ BANK und JP Morgan empfehlen die Aktie zum Kauf oder mit „Overweight" – ein Hinweis auf weiteres Potenzial, aber auch auf die Volatilität, die solche Bewertungen mit sich bringen.
Fragen & Antworten
Wer ist CXMT?
CXMT (ChangXin Memory Technologies) wurde 2016 in Hefei in der ostchinesischen Provinz Anhui gegründet und ist heute Chinas größter Hersteller von DRAM-Speicherchips sowie weltweit der viertgrößte hinter Samsung, SK Hynix und Micron.
Wie viel Geld hat CXMT mit dem Börsengang eingenommen?
CXMT platzierte rund 6,7 Milliarden Aktien zu einem Ausgabepreis von 8,66 Yuan und nahm umgerechnet knapp 9,3 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 58 Milliarden Yuan (rund 7,5 Milliarden Euro) ein.
Warum ist der Börsengang politisch relevant?
Der Börsengang unterstreicht Chinas Streben nach technologischer Selbstständigkeit, da die USA den Zugang zu modernen Chiptechnologien eingeschränkt haben und chinesische Firmen verstärkt auf eigene Fertigung wie Immersions-DUV-Lithografieanlagen setzen.