AI-generated image (flux-2/pro-text-to-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Eine Demonstration gegen den zunehmenden Transitverkehr hat am Samstag zu einer mehrstündigen Vollsperrung des Brennerpasses geführt. Der ADAC riet Autofahrern dringend, die Route zu meiden, während die Behörden ein Großaufgebot im Einsatz hatten.
Wegen einer von Karl Mühlsteiger als Privatperson angemeldeten Protestversammlung war die Brennerautobahn (A13) und die umliegenden Routen am Samstag für den gesamten Transitverkehr gesperrt.
Umfassende Sperren auf beiden Seiten der Alpen
Die Demonstration unter dem Motto einer Bürgerversammlung begann um 13:00 Uhr direkt auf der Autobahn bei der Auf- und Abfahrt Matrei am Brenner und sollte bis 16:30 Uhr andauern. Die Sperrung der A13 zwischen der Mautstelle Schönberg und dem Brennerpass galt jedoch bereits ab 11:00 Uhr und wurde für Pkw und Motorräder bis 19:00 Uhr aufrechterhalten.
Für Lastwagen über 7,5 Tonnen galt in ganz Tirol bereits ab 9:00 Uhr ein Fahrverbot auf der Nord-Süd-Route. Auch die Brennerstraße (B182), die Ellbögener Straße (L38) und die Stubaitalstraße (B183) waren für den Durchzugsverkehr dicht. Passieren durften nur Anrainer und Personen mit einem triftigen Grund, etwa einer Hotelbuchung oder einem Lieferschein.
Auf italienischer Seite wurde die Brennerautobahn (A22) in Fahrtrichtung Norden ab Sterzing gesperrt. Die Behörden in Tirol und Südtirol hatten die Maßnahmen als die drastischsten in der Geschichte der Region bezeichnet und ein noch nie dagewesenes Großaufgebot an Polizei, Asfinag und weiteren Organisationen in Stellung gebracht.
Scharfe politische Kritik aus Bayern und Südtirol
Der Christian Bernreiter (CSU) kritisierte die Aktion scharf. Er nannte sie einen "Knüppel zwischen die Beine der Logistikbranche". Martin Huber sprach von "purer Schikane", die unzählige Familien auf dem Weg in den Urlaub treffe und Gift für die Logistikbranche sei.
Arno Kompatscher warnte, eine stundenlange Blockade könne bei großen Teilen der Bevölkerung Kopfschütteln auslösen und einen Bumerang-Effekt haben. Auch der Peter Hanke (SPÖ) äußerte die Sorge, dass die Beziehungen zu Deutschland und Italien durch solche Aktionen nicht belastet werden sollten.
Die Organisatoren um Bürgermeister Mühlsteiger begründeten die Aktion als Hilfeschrei des Wipptals. "Das ist ein Hilfeschrei des Wipptales, dass es so mit dem Transit nicht mehr weitergehen kann und nicht mehr weitergehen darf", sagte Mühlsteiger. Die rund 15.000 Bewohner der Region litten unter Lärm und Feinstaub.
Anrainer klagen über Lärm und Gesundheitsgefahren
Eine Anrainerin aus Matrei, Evi Aigner, die direkt an der Bundesstraße wohnt, beschrieb die Belastung drastisch: "Wir ersticken im Verkehr." Sie lebe hinter dreifach verglasten Fenstern, die sie wegen des Motorlärms oft nicht öffnen könne. Der Bürgermeister berichtete zudem von einem Lkw-Fahrer, der vor einigen Jahren am Brennerpass an Herzproblemen verstorben sei, weil Rettungskräfte wegen des Staus nicht rechtzeitig eintrafen.
Die Demonstranten fordern einen besseren Lärmschutz entlang der gesamten Brennerautobahn, die Beibehaltung der bestehenden Nacht-, Wochenend- und Feiertagsfahrverbote sowie höhere Mautgebühren für Lastwagen. Mühlsteiger betonte, man habe jahrelang intensiv verhandelt, sei bei der hohen Politik aber auf taube Ohren gestoßen.
Die Bezirkshauptmannschaft hatte die Versammlung zweimal untersagt. Das Tiroler Landesverwaltungsgericht gab jedoch einer Beschwerde statt und erklärte, eine Untersagung der Demonstration gegen eine hohe Verkehrsbelastung mit einer hohen Verkehrsbelastung zu begründen, führe "im Grunde die Versammlungsfreiheit ad absurdum".
Rechtsstreit um die Versammlungsfreiheit
Fritz Gurgiser, Obmann des Transitforums Austria-Tirol, kritisierte die Veranstalter scharf. Er warf ihnen vor, die Bevölkerung des Wipptals zu missbrauchen. "Das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit kann man gebrauchen oder missbrauchen. Hier wird die Bevölkerung des Wipptals klar missbraucht", sagte Gurgiser und nannte die Aktion eine "politische Verkehrsblockade".
Das Transitforum, das selbst 2012 eine Bürgerversammlung auf der Inntalautobahn abgehalten hatte, unterstützte die Blockade nicht, weil sie Nachbarregionen belaste und keine echten Lösungen aufzeige. Mühlsteiger hingegen berichtete von rund 700 erhaltenen E-Mails aus Deutschland, Italien und Österreich, die fast alle positiv gewesen seien.
Der ADAC hatte Autofahrer eindringlich davor gewarnt, am Samstag über die Brennerroute zu fahren. Der Verkehrsexperte Alexander Kreipl vom ADAC Südbayern bezeichnete es als utopisch zu glauben, der gesamte Verkehr könne auf die Tauernautobahn (A10) umgelenkt werden, da diese im Reiseverkehr regelmäßig an ihre Grenzen stoße.
Als Alternativen standen der Reschenpass, das Timmelsjoch, der Gotthard-Tunnel und der San-Bernardino-Tunnel in der Schweiz zur Verfügung. Das Land Tirol kündigte an, den Durchzugsverkehr großräumig über die Schweiz und benachbarte Bundesländer umzuleiten.
Großeinsatz von Polizei und Rettungskräften
Die Polizei in Südbayern war mit der "größtmöglichen Stärke im Dienst", wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd mitteilte. Es handelte sich um den größten Verkehrseinsatz seit Bestehen des Präsidiums. Das Bayerische Rote Kreuz bereitete sich mit Motorradstaffeln auf Stau-Einsätze vor, um im Notfall Menschen mit Wasser zu versorgen.
Trotz aller Befürchtungen blieb die befürchtete Verkehrskatastrophe am Samstag aus. Ein Sprecher der Polizeiverkehrsabteilung sagte der APA, die Lage auf der A13 sei am Morgen "sehr entspannt" gewesen, mit viel weniger Verkehr als an normalen Samstagen. Der ÖAMTC zeigte sich "glücklich und freudig überrascht".
Ein ÖAMTC-Sprecher sagte: "Es freut uns, dass sich die Menschen derartig verhalten und auf die Warnungen und Appelle gehört haben. Und es zeigt, dass die Verantwortlichen eine sehr gute Arbeit geleistet haben. Man kann sich auf die Schulter klopfen." Auf der Tauernautobahn, der Pyhrnautobahn und am Fernpass herrschte demnach ungewöhnlich ruhiger Verkehr.
Überraschend entspannte Verkehrslage am Aktionstag
Der ÖAMTC-Stauberater gab an, eine derartige Situation auf der Tauernautobahn noch nie erlebt zu haben. Der Sprecher betonte, auf allen großen Routen sei deutlich weniger Verkehr gewesen, als es selbst ohne die Brenner-Sperrung der Fall gewesen wäre. Das Wochenende war eigentlich ein klassischer Urlauber-Schichtwechsel-Termin.
Die Blockade fiel mitten in die Pfingstferien von Bayern und Baden-Württemberg sowie ans Ende der Ferien in Sachsen-Anhalt. Der ADAC rechnete damit, dass sich der Reiseverkehr in Richtung Süden nicht nur auf den Freitag vor, sondern auch auf den Sonntag nach der Sperrung verlagern würde.
Der Brennerkorridor zählt zu den meistbefahrenen Transitrouten Europas. Laut Asfinag hat sich das Verkehrsaufkommen seit der Eröffnung der Autobahn in den 1960er-Jahren nahezu versiebenfacht. Allein im Jahr 2025 nutzten fast 11 Millionen Pkw und 2,5 Millionen Lkw die mautpflichtige Strecke. Der Lkw-Verkehr hat seit 2010 um rund 40 Prozent zugenommen.
Eine langfristige Entlastung verspricht der Brennerbasistunnel, der 2032 in Betrieb gehen soll. Züge werden dann mit 200 km/h durch die rund 64 Kilometer lange Röhre fahren und die Reisezeit von Innsbruck nach Franzensfeste von derzeit 80 auf 25 Minuten verkürzen.
Fragen & Antworten
Warum wurde die Brennerautobahn am Samstag gesperrt?
Wegen einer von Karl Mühlsteiger als Privatperson angemeldeten Demonstration gegen die hohe Verkehrsbelastung im Wipptal. Die Versammlung fand direkt auf der Autobahn bei Matrei am Brenner statt.
Welche Forderungen stellen die Demonstranten um Karl Mühlsteiger?
Sie fordern besseren Lärmschutz entlang der gesamten Brennerautobahn, die Beibehaltung der bestehenden Nacht- und Wochenendfahrverbote für Lkw sowie höhere Mautgebühren für den Schwerverkehr.
Welche Alternativrouten zum Brenner wurden empfohlen?
Als Ausweichrouten standen der Reschenpass, das Timmelsjoch in Österreich sowie der Gotthard-Tunnel und der San-Bernardino-Tunnel in der Schweiz zur Verfügung.