Eine Protestkundgebung von Anwohnern auf der Brennerautobahn (A13) führt am Samstag, dem 30. Mai, zu einer stundenlangen Totalsperre des Brennerkorridors und droht, den Reiseverkehr in und um Tirol massiv zu beeinträchtigen.
Umfassende Sperren und Fahrverbote
Die von Karl Mühlsteiger, dem Bürgermeister der Gemeinde Gries am Brenner, organisierte Demonstration soll von 13.00 bis 16.30 Uhr dauern. Die Sperrungen der Autobahn und umliegender Straßen gehen jedoch weit über diesen Zeitraum hinaus.
Laut ÖAMTC wird die A13 in Richtung Süden von 11.00 bis 19.00 Uhr nicht befahrbar sein. In Richtung Norden gilt die Sperre von 10.30 bis 20.00 Uhr. Auch die Brennerstraße (B182) und die Ellbögener Straße (L38) sind in dieser Zeit für den Durchzugsverkehr dicht.
Die Behörden haben zudem ein Fahrverbot für Transit-Lkw über 7,5 Tonnen erlassen. Dieses gilt am Samstag in ganz Tirol bereits ab 9.00 Uhr. Das Wochenend-Fahrverbot für Lkw beginnt damit früher als üblich.
Der ÖAMTC rechnete im Vorfeld mit "kilometerlangen Staus in und um Tirol" und streckenweisem "Stillstand". Auch der ARBÖ warnte vor massiven Verkehrsbehinderungen.
Die Asfinag richtete einen deutlichen Appell an ausländische Autofahrer: "Vermeiden Sie Reisen via Österreich an diesem Tag im Idealfall komplett", hieß es. Die Demonstration falle zudem auf einen der "verkehrsstärksten Tage", da in drei deutschen Bundesländern Pfingstferien sind.
Großeinsatz in Bayern
Josef Seebacher von der Niederlassung Südbayern der Autobahn GmbH des Bundes warnte unmissverständlich: "Es wird kein Durchkommen geben." In einem Eskalationsszenario könnten Autofahrer auf der A93 und A8 von der Autobahn heruntergeleitet und zurückgeschickt werden.
Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd sprach vom größten Verkehrseinsatz in seiner gut 20-jährigen Geschichte. "Wir sind mit der größtmöglichen Stärke im Dienst", sagte ein Sprecher. Das Hauptziel sei, den Verkehrsfluss und die Rettungsgasse freizuhalten.
Das Landratsamt Rosenheim aktivierte vorsorglich einen "Katastrophenschutzsonderplan Autobahn". Ab 7.00 Uhr wurde eine Koordinierungsgruppe im Lagezentrum besetzt, die permanent die Lage beobachtet. Auch das Bayerische Rote Kreuz versetzte sich in Alarmstufe 1.
Die Sperre der Brennerroute wird unweigerlich auf andere Strecken ausstrahlen. Prognosen zufolge werden Ausweichrouten wie die Tauernautobahn (A10) in Salzburg heillos überlastet sein. Auf der A10 wurden zudem Abfahrtsverbote für den Durchzugsverkehr verhängt.
Ausweichrouten vor dem Kollaps
Auch alle wichtigen Verbindungen in Tirol – die Inntalautobahn (A12), Fernpassstrecke (B179), Seefelder Straße (B177) und weitere – werden höchstwahrscheinlich überlastet sein. Selbst bei einem großräumigen Ausweichen über die Schweiz würde es "eng werden", hieß es.
Die rund 15.000 Bewohnerinnen und Bewohner des Wipptals protestieren mit der Aktion gegen die immense Verkehrsbelastung. Sie leiden unter Lärm, Feinstaub und anderen Beeinträchtigungen durch den stetig wachsenden Transitverkehr.
Seit 2010 hat der Lkw-Verkehr auf der Brennerroute um rund 40 Prozent zugenommen. Im vergangenen Jahr nutzten laut Asfinag rund 2,5 Millionen Lkws die mautpflichtige Autobahn. Insgesamt waren es fast elf Millionen Autos und 2,5 Millionen Lastwagen.
Protest gegen Verkehrslawine
Bürgermeister Mühlsteiger will mit der Demo ein "deutliches Zeichen" setzen, dass man an der Verkehrsbelastungsgrenze angelangt sei. Ein Forderungspapier soll am Samstag "feierlich" an die "ranghöchsten anwesenden Politiker aus Land und Bund" übergeben werden.
Anton Mattle (ÖVP) hatte angekündigt, als "Privatperson" an der Kundgebung teilzunehmen. Der Salzburger Verkehrsreferent Stefan Schnöll (ÖVP) sprach von einem "absoluten Tabubruch": "Wir werden von einer Verkehrslawine überrollt und sind machtlos."
Das Tiroler Landesverwaltungsgericht hatte die Demonstration zuvor genehmigt und einer Beschwerde gegen den Bescheid der Bezirkshauptmannschaft stattgegeben. "Eine Untersagung der Demonstration gegen eine hohe Verkehrsbelastung mit einer hohen Verkehrsbelastung zu begründen führt im Grunde die Versammlungsfreiheit ad absurdum", urteilte das Gericht.
Sicherheitskonzept und Ausnahmen
Ein Sicherheitskonzept soll gewährleisten, dass die A13 für Einsatzfahrzeuge befahrbar bleibt. Es sei "sichergestellt, dass die medizinische Versorgung und die Einsatzfähigkeit der Blaulichtorganisationen jederzeit gewährleistet bleiben", hieß es. Rettungsdienste könnten Patienten im Wipptal weiterhin uneingeschränkt versorgen.
Der Ziel- und Quellverkehr von Urlaubern vor Ort und Anrainern ist von der Sperre der Landesstraßen nicht betroffen. Die Stubaitalstraße (B183) ist am Samstag nur für diesen Verkehr nutzbar.
Bereits am Freitag hatte es auf der A13 lange Staus und Verzögerungen Richtung Süden gegeben. Der ADAC verzeichnete zeitweise einen Stau von rund 13 Kilometern Länge auf der A93 vom Inntaldreieck Richtung Grenzübergang Kiefersfelden.
Lage am Samstagvormittag
Am Samstagvormittag blieb das befürchtete große Chaos zunächst aus. "Es ist im Moment ruhiger als sonst", sagte ein ÖAMTC-Sprecher mit Blick auf Pfingst-Reisewochenenden der Vorjahre. "Bis jetzt läuft der Verkehr", meldete auch das Polizeipräsidium Oberbayern Süd.
Die Behörden zeigten sich vorsichtig optimistisch. "Wir sind froh, dass niemand unnötig im Stau steht", so ein Polizeisprecher. Es könne sein, dass viele nach den Warnungen "zum Glück" tatsächlich nicht gefahren seien.
