Das Landgericht Bremen hat einen 35-jährigen Mann wegen der Planung eines Terroranschlags in Bremerhaven zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Sein 20-jähriger Neffe wurde freigesprochen, soll aber in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen werden.
Das Landgericht Bremen hat am Montag einen 35-jährigen Deutschen wegen der Planung eines islamistisch motivierten Terroranschlags in Bremerhaven zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt, während sein 20-jähriger Neffe freigesprochen und in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen wurde.
Die Richter legen dem Angeklagten Verabredung zum Mord, Verabredung zur Herbeiführung einer Explosion und Terrorismus-Finanzierung zur Last. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Wie das Magazin "buten un binnen" berichtet, hat der Neffe entsprechende Pläne im Laufe des Prozesses eingeräumt. Laut Anklage wollte einer der Männer mit einer selbstgebauten Sprengstoffweste möglichst viele Menschen töten. Sie wollten demnach mit Schusswaffen möglichst viele Menschen töten.
Hintergrund: Die Anschlagspläne
Die Staatsanwaltschaft spricht von Plänen für einen "dschihadistisch motivierten Anschlag" auf ein nicht näher benanntes Krankenhaus in Bremerhaven. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten unter anderem Verabredung zum Mord und die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor.
Zu der Tat hätten sich die angeklagten Männer im Sommer 2025 entschlossen. Das Gericht zeigte sich davon überzeugt, dass die beiden Deutschen im vergangenen Sommer ihre Pläne konkretisiert hatten. Bei den Angeklagten soll sich dem Gericht zufolge um Onkel und Neffe handeln.
Als denkbares Ziel hätten sie eine Klinik ins Auge gefasst, eine öffentliche Großveranstaltung oder eine Synagoge in Bremerhaven. Die Männer wollten die Sprengstoffweste bei der Mutter des 35-jährigen Angeklagten bauen, so das Gericht in der Urteilsbegründung.
Ermittlungen und Festnahme
Die Frau bestellte drei Stoffe für einen Test in ihrer Küche. Drei Stoffe seien bestellt worden, "weitere relevante Stoffe" hätten jedoch noch gefehlt, so das Landgericht. Weil das Geld für die Bauteile nicht reichte und die Behörden einschritten, kam es dem Gericht zufolge nicht zum Bau der Sprengsätze.
Der Plan sah vor, dass der 20-Jährige die selbstgebaute Sprengstoffweste bei Eintreffen der Polizeikräfte zünden sollte. Sie stießen im Rahmen anderer Ermittlungen zufällig auf Chats zwischen den Männern und nahmen sie fest. Die beiden Tatverdächtigen wurden im vergangenen September in Bremerhaven festgenommen und sitzen seither in Untersuchungshaft.
Der jüngere Angeklagte legte im Prozess ein Geständnis ab. Sein Onkel äußerte sich dem Bericht zufolge bisher nicht zu den Vorwürfen. Sein psychisch kranker Komplize und Neffe sei nur eingeschränkt steuerungsfähig, entschied das Gericht.
Prozessverlauf und Geständnis
Ihnen drohen bis zu 15 Jahre Haft. Das Urteil gegen den 35-Jährigen liegt mit achteinhalb Jahren unter dieser Höchststrafe. Das Landgericht Bremen hat einen 35-jährigen Mann wegen eines geplanten Terroranschlags zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt.
Der Freispruch für den 20-jährigen Mitangeklagten erfolgte, weil das Gericht ihm aufgrund seiner psychischen Erkrankung nur eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit zubilligte. Statt einer Haftstrafe ordnete das Gericht die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung an.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, sodass beide Seiten innerhalb der gesetzlichen Fristen Revision einlegen können. Die Sicherheitsbehörden hatten den Fall als Beleg dafür gewertet, dass islamistische Anschlagsplanungen in Deutschland weiterhin eine ernste Bedrohung darstellen.
Folgen und offene Fragen
Der Prozess hatte die Frage aufgeworfen, wie radikalisiert die beiden deutschen Staatsangehörigen waren und über welche Netzwerke sie möglicherweise verfügten. Ermittler prüften laut "buten un binnen" auch, ob es Kontakte zu islamistischen Gruppierungen im Ausland gab.
Die Verteidigung hatte Zweifel an der Schuldfähigkeit des 35-Jährigen angemeldet, konnte sich damit jedoch nicht durchsetzen. Das Gericht sah die Voraussetzungen für eine verminderte Schuldfähigkeit beim älteren Angeklagten als nicht gegeben an.
Mit dem Urteil endet ein Verfahren, das die Sicherheitslage in Bremen und Bremerhaven über Monate beschäftigt hatte. Die Stadt Bremerhaven hatte nach Bekanntwerden der Pläne ihre Sicherheitsvorkehrungen an Kliniken und Großveranstaltungen erhöht.
Fragen & Antworten
Wen hat das Landgericht Bremen verurteilt?
Das Landgericht Bremen hat einen 35-jährigen Deutschen wegen der Planung eines islamistisch motivierten Terroranschlags in Bremerhaven zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt.
Was war das Ziel des geplanten Anschlags?
Die Staatsanwaltschaft spricht von Plänen für einen dschihadistisch motivierten Anschlag auf ein nicht näher benanntes Krankenhaus in Bremerhaven.
Was geschah mit dem 20-jährigen Mitangeklagten?
Der 20-jährige Neffe wurde freigesprochen, soll aber laut Gericht wegen seiner psychischen Erkrankung und eingeschränkten Steuerungsfähigkeit in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden.
Urteil in Bremen: 35-Jähriger wegen Terroranschlags | nachrichten360