Berliner CDU nominiert Kai Wegner mit 92,6 Prozent als Spitzenkandidaten für die Wiederholungswahl
Berlin, 10. Juni 2026
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Kurzfassung
Auf einem Landesparteitag in Berlin-Neukölln haben die Delegierten der CDU den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner mit 92,6 Prozent der Stimmen als Spitzenkandidaten für die Wiederholungswahl zum Abgeordnetenhaus bestätigt. Die Nominierung erfolgt rund dreieinhalb Monate vor dem Wahltermin am 20. September 2026.
Die Berliner CDU hat auf einem Landesparteitag in Berlin-Neukölln den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner mit 92,6 Prozent der Stimmen in geheimer Abstimmung als Spitzenkandidaten für die Wiederholungswahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 nominiert.
Deutliche Bestätigung in geheimer Abstimmung
Wegner erhielt am Dienstagabend 252 von 272 abgegebenen Stimmen und setzte sich damit gegen einen überraschend angetretenen Gegenkandidaten durch. Der Delegierte aus dem Kreisverband Mitte, Wolfram Wickert, hatte seine Kandidatur kurzfristig erklärt und begründet, die CDU brauche einen anderen Spitzenkandidaten. Am Ende erhielt Wickert nur 20 Stimmen, der überwiegende Teil der Delegierten folgte jedoch dem amtierenden Parteivorsitzenden. Die CDU ist damit die letzte im Abgeordnetenhaus vertretene Partei, die ihre Spitzenkandidatur für die Wahl im September festlegt.
Wegner ist seit 2023 Regierender Bürgermeister von Berlin und führt eine Koalition aus CDU und SPD. Bei der vorangegangenen Abgeordnetenhauswahl im Februar 2023 hatte er die CDU mit 28,2 Prozent klar zur stärksten Kraft gemacht und war damit der erste christdemokratische Regierungschef der Hauptstadt seit mehr als zwei Jahrzehnten. In den aktuellen Umfragen liegt die CDU allerdings nur noch bei 19 bis 20 Prozent, die amtierende Koalition aus CDU und SPD würde damit keine Mehrheit mehr erreichen. Die CDU führt die Umfragen in Berlin nach wie vor an, muss jedoch mit einem schlechteren Ergebnis als bei der letzten Wahl rechnen.
Wegners Regierungsbilanz im Mittelpunkt
Im Mittelpunkt seiner rund einstündigen Rede, die mit lang anhaltendem Beifall aufgenommen wurde, stand die Bilanz der laufenden Legislaturperiode. "Wir sind erfolgreich gewesen. Es waren drei gute Jahre für Berlin", sagte Wegner. Er verwies auf die beschlossene Verwaltungsreform und bekräftigte das Ziel, 80.000 neue Wohnungen in der laufenden Wahlperiode zu bauen. Zudem schloss er Enteignungen von Wohnraum in Berlin kategorisch aus: "Mit mir wird es Enteignungen von Wohnraum in Berlin definitiv nicht geben. Ich schließe das kategorisch aus." Auch am Ausbau der A100 hielt er fest: "Wir werden den 17. Bauabschnitt der A100 realisieren!"
Die kommende Wahl bezeichnete Wegner als "Schicksalswahl". "Ich glaube, diese Wahl ist eine Schicksalswahl", sagte er und fügte hinzu: "Es geht ums Ganze." Mit Blick auf sein Wahlergebnis erklärte er: "92,6 Prozent in geheimer Abstimmung - das ist Unterstützung. Ich will Regierender Bürgermeister bleiben - was sonst!" Auch der Verzicht auf Gegenkandidaten bei seiner ersten Nominierung im November 2022 fiel deutlich stärker aus: Damals wurde er per Handzeichen ohne Gegenstimmen und bei lediglich einer Enthaltung bestätigt. 2021 erhielt er auf einem Parteitag in geheimer Wahl rund 90 Prozent der Stimmen.
Kritik an Krisenmanagement und Affären
Die Partei steht hinter Wegner, obwohl er in den vergangenen Monaten wegen seines Krisenmanagements während eines großflächigen Stromausfalls in Teilen der Hauptstadt in die Kritik geraten war. Der genaue Tagesablauf beim großen Stromausfall ist noch immer nicht vollständig aufgeklärt. Wegner war am ersten Tag des Vorfalls nicht in den betroffenen Bezirken gesehen worden, sondern hatte Tennis gespielt, was er zunächst nicht erwähnte. Auf den Vorwurf angesprochen, meinte Wegner, "alles gesagt" zu haben, doch der Tagesspiegel-Kommentar von Herausgeber Lorenz Maroldt hält fest: "auch wenn er meint, dazu sei 'alles gesagt': ist es nicht".
Neben der Stromausfall-Affäre belasten Wegner die andauernde "Fördergeldaffäre" im Umfeld des Amts des Regierenden Bürgermeisters sowie personelle Turbulenzen in seinem Senat. Insgesamt habe Wegner elf Abgänge auf Senats- und Staatssekretärsebene hinnehmen oder selbst vornehmen müssen, von denen nur einer die SPD betraf. Einer der prominentesten Fälle ist der inzwischen entlassene Kurzzeitstaatssekretär Matthias Hundt, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Insolvenzstraftaten ermittelt.
Personelle Turbulenzen im Senat
Wegner hatte Hundt nach eigener Darstellung im August 2024 in Berlin bei einem "Arbeitstreffen zu Themen der Luftverkehrsbranche" kennengelernt und auf dessen Expertise sowie einen "sehr beeindruckenden" Lebenslauf verwiesen. Hundt war Anfang des Jahres 2026 als Nachfolger für die nach Brandenburg gewechselte Staatssekretärin Martina Klement in Betracht gezogen worden. Dokumentiert ist allerdings, dass sowohl Wegner als auch die Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch bereits im Dezember 2022 bei einer Bildungsveranstaltung auf Hundt trafen, bei der er zum Thema "Was Berlin von Sachsen lernen kann" referierte. Nach Tagesspiegel-Informationen war Günther-Wünsch auch bei dem Arbeitstreffen im August 2024 dabei. Hundt hatte sich zuvor bereits vergeblich auf eine ähnliche Stelle in Dresden beworben und war dort im Auswahlverfahren gescheitert, woraufhin er gerichtlich gegen die Entscheidung vorging, jedoch erfolglos blieb. Auf LinkedIn bedankte er sich anschließend "für den sehr intensiven Tag und die lebhaften Diskussionen" besonders bei Günther-Wünsch, die den Beitrag mit einem "Gefällt mir"-Symbol quittierte.
Zugleich wird in dem Kommentar darauf verwiesen, dass Wegner beim Zusammenstellen seines Senats offenbar stärker auf externe Expertise und Diversität gesetzt habe als auf getreue Parteifreundinnen und -freunde. Auch ein Staatssekretär für Digitalisierung wurde nach nur gut zwei Monaten im Amt entlassen. Der Kommentar hält zudem fest, dass Hundt nach den Vorwürfen "kein Ende" nehme. Die Opposition hat in der Personalie eine Belastung für den Regierungschef gesehen, während die CDU sich demonstrativ hinter ihren Vorsitzenden stellt. Auch das in dem Beitrag thematisierte Verhältnis zwischen Wegner und Günther-Wünsch, die sich nach den vorliegenden Informationen in einer privaten Beziehung befinden, ist im Kontext der Affäre Gegenstand von Spekulationen über den behaupteten Zeitpunkt des Beginns dieser Beziehung.
Wiederholungswahl am 20. September 2026
Bei der bevorstehenden Wahl am 20. September 2026 handelt es sich um die Wiederholung der Wahl von 2021. Das Berliner Verfassungsgericht hatte entschieden, dass die Wahl von 2021 wegen schwerer Wahlfehler wiederholt werden musste. Die CDU zog mit Wegner als Spitzenkandidat in die Abgeordnetenhauswahl im September. Auf dem Parteitag in Berlin-Neukölln verabschiedete die CDU zugleich ihr Wahlprogramm. Die weiteren Kandidaten für das Amt des Regierenden Bürgermeisters stehen bereits fest: Für die SPD tritt der Landesvorsitzende Steffen Krach an, für die Grünen der Fraktionsvorsitzende Werner Graf, für die Linke die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Elif Eralp und für die AfD die Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker.
Die Berichterstattung über den Parteitag wurde am 9. Juni 2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Trotz der deutlichen Kritik an seinem Krisenmanagement und den anhaltenden Affären hat die CDU Wegner damit klar als Spitzenkandidaten bestätigt. Die kommenden Wochen bis zur Wahl werden zeigen, ob der Rückhalt der eigenen Partei auch in Wählerstimmen umgesetzt werden kann. Die Ausgangslage ist dabei denkbar unterschiedlich: Während die CDU in Umfragen weiterhin vorne liegt, deuten die Zahlen darauf hin, dass der derzeitige Koalitionspartner SPD den Wiedereinzug in eine gemeinsame Regierung mit der CDU verlieren könnte.
Mit seiner Nominierung ist zugleich der Auftakt für den Wahlkampf der CDU in Berlin verbunden. Wegner selbst sprach von einer "Schicksalswahl" und unterstrich die Bedeutung der Abstimmung für die Zukunft der Stadt. Die programmatischen Schwerpunkte seiner Rede umfassten Wohnungsbau, Verwaltungsreform und Verkehrsinfrastruktur, wobei der A100-Ausbau als Symbol einer stadtentwicklungspolitischen Kontinuität hervorgehoben wurde. Die Delegierten honorierten die programmatische Rede mit lang anhaltendem Applaus, was als Vertrauenssignal für den amtierenden Regierungschef gewertet wurde.
Fragen & Antworten
Wer ist Kai Wegner?
Kai Wegner ist der Regierende Bürgermeister von Berlin und Vorsitzender der Berliner CDU. Er führt seit 2023 eine Koalition aus CDU und SPD und wurde am Dienstagabend mit 92,6 Prozent der Stimmen als Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl im September 2026 nominiert.
Warum steht die Wahl im September 2026 an?
Das Berliner Verfassungsgericht hatte entschieden, dass die Abgeordnetenhauswahl von 2021 wegen schwerer Wahlfehler wiederholt werden musste. Die Wiederholungswahl findet am 20. September 2026 statt.
Welche Kritik musste Wegner hinnehmen?
Wegner geriet wegen seines Krisenmanagements während eines großflächigen Stromausfalls in Teilen Berlins in die Kritik. Darüber hinaus belasteten ihn eine Fördergeldaffäre im Umfeld seines Amtes und die Affäre um den inzwischen entlassenen Kurzzeitstaatssekretär Matthias Hundt, gegen den wegen des Verdachts auf Insolvenzstraftaten ermittelt wird.
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