Die Kreisvorsitzenden der Berliner CDU haben am Freitagabend Finanzsenator Stefan Evers als neuen Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 nominiert, nachdem der bisherige Amtsinhaber Kai Wegner zuvor unter massivem Druck aus der eigenen Partei seinen Verzicht erklärt hatte.
Frist: zehn Wochen vor der Wahl
Die Berliner CDU vollzieht rund zehn Wochen vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus einen personellen Wechsel an ihrer Spitze. Am Freitagabend einigten sich die Kreisvorsitzenden der Partei darauf, dass der amtierende Finanz- und Kultursenator Stefan Evers die CDU in den Wahlkampf führen soll. Die endgültige Entscheidung trifft der CDU-Landesvorstand voraussichtlich am Montag, wie Fraktionschef Dirk Stettner am Rande des Treffens ankündigte. „Es wird schnellstmöglich jetzt die Empfehlung an den Landesvorstand ausgesprochen werden“, sagte Stettner und ergänzte: „wir gehen ab sofort mit Stefan Evers in den Wahlkampf“.
Dem vorausgegangen war der spektakuläre Rückzug des bisherigen Spitzenkandidaten und Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner. Wegner war seit Monaten wegen widersprüchlicher Angaben zu seinem Verhalten während eines großen Stromausfalls Anfang Januar in die Kritik geraten. Hintergrund war ein Brandanschlag auf die Stromversorgung am 3. Januar, durch den im Berliner Südwesten zeitweise 100.000 Menschen teils tagelang ohne Elektrizität waren. Wegner hatte ursprünglich öffentlich behauptet, er habe sich zu Hause eingeschlossen, um die Krise zu managen. Recherchen des Tagesspiegel auf Grundlage presserechtlicher Auskunftsansprüche sowie ein Bericht des RBB zeigten jedoch, dass Wegner am Morgen des Stromausfalls ein Tennismatch gespielt hatte. Durch mehrere Eilanträge beim Berliner Verwaltungsgericht hatte die Zeitung die Senatskanzlei zur Auskunft gezwungen. Demnach hatte Wegner bis zum Mittag entgegen eigenen Angaben kein dienstliches Telefonat zur Krise geführt. Auch ein von Wegner behauptetes Gespräch mit Bundeskanzler Friedrich Merz am Tag danach wies die Senatskanzlei zurück.
Der Druck auf Wegner wuchs daraufhin erheblich. CDU-Mitglieder verlangten in einem offenen Brief, Wegner solle sich als Dienst am Amt und der Partei zurückziehen. „Ein Wahlkampf mit Wegner sei verloren“, hieß es in dem Schreiben, das unter anderem von dem Unternehmer Christian Miele verfasst wurde. Auch die Junge Union hatte sich für einen Rückzug Wegners ausgesprochen. FDP und AfD forderten seinen Rücktritt als Regierender Bürgermeister. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach schloss eine Zusammenarbeit mit Wegner nach der Wahl kategorisch aus: „Ich werde es in keiner Konstellation zulassen, dass Kai Wegner in einem künftigen Senat eine Rolle übernehmen kann“.
Hintergrund: Der Streit um den Stromausfall
Wegner räumte schließlich Fehler ein. „Ja, ich habe kommunikative Fehler gemacht. Und ja, glauben Sie es mir, ich ärgere mich am meisten darüber. Und das war auch Mist“, sagte er im Fernsehen. Auch habe er sich bei den Berlinerinnen und Berlinern entschuldigt, sagte Wegner laut Berichten. Auf die Frage, warum er den Spitzenkandidaten-Status aufgebe, sagte er: „Die entscheidende Frage ist: Wann ist jetzt der richtige Zeitpunkt?“. Über das weitere Prozedere wolle er mit den Vorsitzenden der CDU-Kreisverbände beraten. Wegner kündigte zudem an, er wolle, dass die CDU in den Wahlkampf ziehe, um ein Linksbündnis nach der Wahl zu verhindern.