Bekennervideo auf Handys des getöteten CSD-Attentäters gefunden
Berlin, 28. Juli 2026
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Kurzfassung
Ermittler haben auf dem Mobiltelefon des getöteten mutmaßlichen Attentäters vom Berliner Christopher Street Day ein Bekennervideo mit einem Treueeid auf den IS gefunden. Der 21-jährige Abdul B. war am Wochenende mit einem Transporter in eine Menschenmenge gefahren, eine Frau wurde getötet, 31 Menschen verletzt.
Nach dem islamistischen Anschlag am Rande des Christopher Street Day in Berlin am Wochenende haben Ermittler auf dem Mobiltelefon des getöteten 21-jährigen mutmaßlichen Attentäters Abdul B. ein Bekennervideo mit einem Treueeid auf die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) sichergestellt.
Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft bestätigte am Dienstag einen entsprechenden Bericht der "Bild". Die Generalbundesanwaltschaft hatte bereits am Sonntagabend die Ermittlungen zu dem mutmaßlichen Terroranschlag übernommen, wie aus der Mitteilung hervorgeht. Bei der Attacke war am Samstag ein 21-Jähriger mit einem Transporter in die Menschenmenge des CSD im Berliner Tiergarten gerast.
Nach Informationen des "Spiegel" ist der Mann auf dem Video verhüllt, es soll sich aber mutmaßlich um B. handeln. Ob es sich bei der Person in dem Video sicher um Abdul B. handelt, blieb zunächst offen. Das Mobiltelefon war im Tatfahrzeug gefunden worden. In dem Video soll sich Abdul B. auf Arabisch zu dem Anschlag im Berliner Tiergarten sowie zur Terrororganisation "Islamischer Staat" bekannt haben. Laut "Bild" wurde das Video am 25. Juli aufgenommen – also am Tag des Anschlags.
Bei dem Anschlag am Rande der Großveranstaltung war eine 65-jährige Frau aus Polen getötet worden. 31 weitere Menschen wurden verletzt, einige davon schwer. Die Pride-Parade in Berlin war am Samstag abgebrochen worden, nachdem ein Auto am Rande der Großveranstaltung in eine Menschenmenge gefahren war. Der Fahrer verließ laut Polizei das Auto und floh. Laut deutschen Medienberichten soll auf dem Handy des mutmaßlichen Attentäters ein Bekennervideo gefunden worden sein.
Tathergang und Opfer
Der mutmaßliche Täter Abdul B. wurde am Sonntagabend bei einem Polizeieinsatz in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau getötet. "Am Sonntagabend wurde der mutmaßliche Täter Abdul B. dann getötet. Bei einem Polizeieinsatz in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau soll der 21-Jährige mit einer Stichwaffe auf die Einsatzkräfte zugelaufen sein", hieß es. Das Berliner SEK habe auf ihn geschossen. Laut Polizei verstarb er trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen durch die Berliner Feuerwehr noch am Einsatzort.
Im Transporter fanden Ermittler außerdem die Scheide einer Machete. Die dazugehörige Klinge ist bislang verschwunden. Ermittler gehen davon aus, dass der Täter sie möglicherweise während seiner Flucht entsorgt haben könnte. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte: "Er sei mutmaßlich auch mit einer Machete auf Passanten losgegangen, sagte der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt (CSU)." Mithilfe von Mantrailer-Hunden rekonstruierten Ermittler laut BILD den mutmaßlichen Fluchtweg vom Großen Tiergarten über das Brandenburger Tor bis zum Bahnhof Friedrichstraße. Von dort aus soll der 21-Jährige schließlich nach Berlin-Spandau gelangt sein. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich dort noch zahlreiche Besucher des CSD auf. Warum der Verdächtige das Gerät zurückließ, ist bislang unklar. Möglich ist, dass es beim Aufprall des Fahrzeugs verloren ging.
Bekennervideo mit IS-Treueeid
Ein ähnliches Vorgehen gab es bereits beim Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016, als der Terrorist Anis Amri vor seiner Lastwagen-Attacke ein IS-Bekennervideo aufnahm. Bereits der Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt 2016, Anis Amri, hatte vor seiner Lkw-Attacke ein ähnliches Video aufgezeichnet.
Abdul B. war dem Behörden bereits vor der Tat bekannt. Nach Recherchen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" war der mutmaßliche CSD-Attentäter Abdul B. als Gefährder eingestuft und wurde von einem BKA-Analysetool sogar als "Hochrisikoperson" bewertet. Abdul B. wurde 2005 in Deutschland geboren und wuchs in Berlin auf. Er hatte eine doppelte Staatsbürgerschaft und libanesische Wurzeln.
Vorgeschichte und Verurteilung
Am 12. Mai 2026 verurteilte das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Tiergarten den Mann wegen "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat" und eines Verstoßes gegen einen vollziehbaren Vereinsrechtsverbots. Es verhängte eine Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Der Generalbundesanwalt Berlin hatte Rechtsmittel eingelegt, die Bewährung jedoch aufgehoben. Nach der Verurteilung im Mai wurde der Haftbefehl gegen Abdul B. aufgehoben, der Mann kam auf Bewährung frei.
Nach Erkenntnissen der Generalstaatsanwaltschaft Berlin hatte Abdul B. in der zweiten Jahreshälfte 2025 den Wunsch entwickelt, sich dem bewaffneten Kampf des IS anzuschließen. "Er soll das Video am Tattag aufgenommen haben", hieß es weiter. Der Vater des mutmaßlichen CSD-Attentäters Abdul B. hat im Interview mit dem Spiegel den Verdacht geäußert, sein Sohn sei einer Gehirnwäsche unterzogen worden.
Politische Reaktionen und Forderungen
Nach dem Anschlag wurde eine breite politische Debatte über Konsequenzen ausgelöst. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) brachte drei konkrete Vorschläge ins Gespräch: verstärkte Überwachung von Gefährdern, Präventivhaft und eine Verschärfung des Jugendstrafrechts. Dobrindt forderte: "Wir brauchen Regeln, die dafür sorgen, dass Gefährder nicht mit Jugendstrafrecht behandelt werden und schon gleich gar nicht auf Bewährung in Freiheit kommen." Auch CSU-Landesgruppenchef Hoffmann sagte auf Deutschlandfunk: "Ich glaube, dass wir durchaus im Lichte dieser Ereignisse kurzfristig reden können über das Thema Fußfessel."
Eren Güvercin von der Alhambra-Gemeinschaft sagte im Interview, Islamismus sei kein erst seit 2015 entstandenes Phänomen. "Wenn wir von den Schlüsselakteuren der islamistischen Szene bei uns sprechen, dann sind das in der Tat mehrheitlich Akteure, die häufig in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, hier sozialisiert sind." Güvercin forderte: "Mehr Ehrlichkeit von der muslimischen Gemeinschaft – das verlangt Eren Güvercin von der Alhambra-Gemeinschaft nach dem CSD-Anschlag." Cem Özdemir, Ministerpräsident von Baden-Württemberg (Grüne), kritisierte die Reaktion islamischer Dachverbände: "Wenn man die Erklärung der islamischen Dachverbände liest, wird einem das Motiv des Täters nicht klar." Er sagte weiter: "Es kann da keinen Kulturrabatt geben."
Debatte über Radikalisierungsprävention
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland verurteilte den Anschlag. "Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Opfern, ihren Angehörigen sowie allen Menschen, die diese schreckliche Tat miterleben mussten", erklärte der Verband. "Wo Menschen aufgrund ihrer Identität oder ihrer Lebensweise zur Zielscheibe von Gewalt werden, werden die Grundwerte unseres Zusammenlebens angegriffen." Brandenburgs Sozialminister Wilke bot der queeren Community Unterstützung an: "Die Regenbogenflagge ist zum Kampfsymbol geworden."
In Baden-Württemberg forderte Innenminister Manuel Hagel (CDU) einen deutlich härteren Kurs gegen Islamisten und Gefährder: "Wir müssen raus aus der Naivität." Hagel erklärte zudem, die Bedrohungslage durch Extremisten sei größer denn je. Tübinger Kriminologe Jörg Kinzig zeigte sich skeptisch gegenüber einer Verschärfung des Jugendstrafrechts speziell für Gefährder: "Hier für eine einzelne Gruppe Veränderungen vorzunehmen, scheint mir nicht sinnvoll." Auch zur Fußfessel sagte Kinzig: "Wenn eine Person wild entschlossen ist, eine Straftat zu begehen, dann muss man so ehrlich sein, die bloße Fußfessel wird ihn vermutlich nicht davon abhalten."
Gefährder und Sicherheitsmaßnahmen
Nach Angaben des BKA werden derzeit 410 Personen dem Bereich des islamistischen Terrorismus beziehungsweise Extremismus zugeordnet und als islamistische Gefährder geführt. Davon ordnen Polizeibehörden 166 der Kategorie "religiöse Ideologie" zu, vor allem islamistischer Extremismus. In Nordrhein-Westfalen stuft die Polizei aktuell 182 Menschen als Gefährder ein. Diese Zahlen stammen aus aktuellen Erhebungen des NRW-Innenministeriums. Bundesweit trugen Ende Juni nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" 147 Menschen eine elektronische Fußfessel. Davon waren 128 verurteilte Straftäter.
Das nordrhein-westfälische Aussteigerprogramm Islamismus (API) unterstützt seit 2014 Menschen, die sich aus ihrem islamistischen Umfeld lösen wollen, oft auch sogenannte Gefährder. API-Ausstiegshelferin Stefanie Adler erklärte: "Was wir in den letzten zwei Jahren beobachten, ist, dass die Klientel deutlich jünger geworden ist. Die Sozialen Medien wirken wie ein Radikalisierungsverstärker, und das auch einfach viel schneller." Abdul B. war im Juni und Juli zu zwei Vorgesprächen bei einem Deradikalisierungsprogramm in Berlin gewesen, die Ausstiegshelfer hatten jedoch nicht das Gefühl, dass er wirklich aussteigen wollte.
In Deutschland ist eine Debatte entbrannt, welche Konsequenzen aus der Tat gezogen werden sollen. Cem Özdemir, Ministerpräsident von Baden-Württemberg (Grüne), sagte am Dienstag in Stuttgart: "Es muss schon klar sein, dass es sich um einen schwulenfeindlichen, queerfeindlichen Anschlag handelt." Er forderte die islamischen Dachverbände auf, Homophobie stärker zu thematisieren. Drohungen mit Konspirationstheorien, die AfD oder den russischen Geheimdienst als Drahtzieher benannten, wies er zurück: "Belege dafür gibt es natürlich keine." Konspirationstheorien überschritten ideologische Grenzen und seien kein exklusives Merkmal einer politischen Richtung.
Fragen & Antworten
Was enthält das auf dem Handy gefundene Bekennervideo?
Auf dem Mobiltelefon des getöteten 21-jährigen Abdul B. wurde ein Bekennervideo gefunden, in dem die Person – mutmaßlich er selbst – auf Arabisch den Anschlag in Berlin-Tiergarten sowie den Islamischen Staat (IS) bekennt und einen Treueeid (Bayat) auf den IS leistet. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung.
Welche Rolle spielte die Vorgeschichte des Verdächtigen?
Abdul B. war bereits seit 2025 als Gefährder eingestuft, das BKA-Analysetool "RADAR-iTE" stufte ihn sogar als Hochrisikoperson ein. Im Mai 2026 wurde er am Amtsgericht Tiergarten wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu einer Jugendstrafe verurteilt, der Haftbefehl wurde jedoch gegen ihn aufgehoben und er kam auf Bewährung frei.
Welche politischen Konsequenzen werden gefordert?
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte verstärkte Überwachung von Gefährdern, Präventivhaft und eine Verschärfung des Jugendstrafrechts, damit Gefährder nicht auf Bewährung freikommen. Politiker wie Cem Özdemir und Manuel Hagel verlangten einen entschiedeneren Umgang mit islamistischer Radikalisierung, während Kritiker auf Defizite bei Präventionsprogrammen hinwiesen.
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