DM Bochum: Assani schlägt Mihambo, Krause und Agyekum mit | nachrichten360
Assani entthront Mihambo im Weitsprung, Agyekum und Krause mit Meisterschaftsrekorden
Bochum, 26 Juli 2026
Stefan Brending (2eight) / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 de
Kurzfassung
Mikaelle Assani hat bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid die Weitsprung-Königin Malaika Mihambo entthront und mit 6,67 m Gold gewonnen. Gesa Krause und Emil Agyekum stellten Meisterschaftsrekorde über 3000 m Hindernis und 400 m Hürden auf.
Bochum, 26 Juli 2026
Mikaelle Assani hat bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid die Weitsprung-Titelverteidigerin Malaika Mihambo geschlagen und mit 6,67 m die EM-Norm für Birmingham erfüllt.
Die 32-jährige Malaika Mihambo, Olympiasiegerin von Tokio und zweifache Weltmeisterin, musste sich nach einer durchwachsenen Serie mit 6,63 m geschlagen geben. Ihr erster Versuch war noch der weiteste, danach kämpfte die Athletin der LG Kurpfalz vor allem mit böigem Wind. „Mein Anlauf hat durch den Wind nicht gepasst. Und ich war auch mental nicht ganz da“, erklärte sie nach dem Wettkampf. Im letzten Sprung büßte sie am Absprung fast einen halben Meter ein. Erst vor wenigen Tagen in London war Mihambo mit 7,05 m über die Sieben-Meter-Marke geflogen, ihr bestes Resultat seit dem EM-Triumph 2024.
Assani nutzt Mihambos Schwächephase
Den Sieg und die Goldmedaille sicherte sich Mikaelle Assani, die erst im Juni nach einer 15-monatigen Verletzungspause in den Wettkampfbetrieb zurückgekehrt war. Mit 6,67 m erfüllte sie zugleich die Bestätigungsnorm für die Europameisterschaften in Birmingham. Die frühere 800-m-Meisterin Smilla Kolbe hatte Assani bereits nach dem entscheidenden Sprung gratuliert. Tabea Christ aus Münster kam mit 6,52 m auf den dritten Platz. Mihambo zeigte sich trotz der Niederlage als faire Verliererin: „Unabhängig davon, dass für mich der Wettkampf nicht so lief, wie ich mir das vorgestellt habe, kann ich mich trotzdem sehr und freien Herzens für Mika freuen.“
Krause meldet sich mit Rekord zurück
Ebenfalls für Aufsehen sorgte Gesa Krause. Die 33-jährige Athletin aus Dillenburg, die in den vergangenen Jahren eine Babypause eingelegt hatte, gewann zum siebten Mal den Titel über 3000 m Hindernis und steigerte ihren eigenen Meisterschaftsrekord aus dem Jahr 2017 deutlich auf 9:24,40 Minuten. Damit unterbot sie ihre alte Bestmarke klar und meldete sich eindrucksvoll im Hinblick auf die Kontinentaltitelkämpfe zurück. Im Ziel wurde sie von Smilla Kolbe mit einer aufblasbaren Krone überrascht. Für Krause war es der erste DM-Titel seit der Rückkehr aus der Babypause und zugleich ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer fünften EM-Medaille, 14 Jahre nach Bronze 2012 in Helsinki.
Agyekum unterbietet alten Meisterschaftsrekord
„Für mich gab es eigentlich nichts anderes, als diesen Titel zu gewinnen“, sagte Krause im ARD-Interview nach dem Rennen. Die zweimalige Europameisterin von 2018, die zuletzt bei der EM 2024 Silber geholt hatte, betonte zudem: „Ich muss niemandem mehr etwas beweisen, aber ich möchte es eben mir selbst noch beweisen. Ich war heute wirklich extrem angespannt. Ich bin natürlich sehr glücklich mit dem Resultat. Ich fühle mich so gut wie nie zuvor.“ Olivia Gürth aus Trier belegte in 9:27,08 Minuten den zweiten Platz vor Lea Mayer vom VfL Löningen (9:30,96).
Auch Emil Agyekum sorgte für einen historischen Moment. Der 400-m-Hürden-Läufer hatte erst acht Tage zuvor den 44 Jahre alten deutschen Rekord von Harald Schmid mit 47,45 Sekunden gebrochen und bestätigte seine Topform nun mit dem DM-Titel in 47,65 Sekunden – neuer Meisterschaftsrekord. Die alte Bestmarke hatte seit 1985 bei 48,02 Sekunden gestanden. „Ich bin super drauf, hab' ein neues Level erreicht“, sagte Agyekum nach dem Rennen. Owe Fischer-Breiholz vom Königsteiner LV steigerte seine Saisonbestzeit auf 48,08 Sekunden und wurde Zweiter. Joshua Abuaku von Eintracht Frankfurt verpasste als Sechster in 50,82 Sekunden erneut die EM-Bestätigungsnorm.
Sprint-Double und Verfahren gegen Ansah
Bei den Sprints sicherte sich Owen Ansah vom Hamburger SV das Double. Nach dem 100-m-Titel gewann er auch die 200 m in 20,13 Sekunden und krönte sich damit zum Doppelmeister beim Abschluss der Titelkämpfe im Wattenscheider Lohrheidestadion. Zugleich läuft beim Hamburger SV ein Verfahren der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada). Ansah hatte nach eigenen Angaben am 9. Juli eine Dopingprobe verweigert, weil eine Kontrolleurin außerhalb des von ihm angegebenen Zeitfensters erschienen sei und er auf dem Weg zum Diamond-League-Meeting in Monaco gerade die Toilette aufgesucht habe.
Über 400 m der Männer wiederholte Jean Paul Bredau vom VfL Wolfsburg seinen Erfolg und holte in 44,72 Sekunden den dritten DM-Titel in Folge – die schnellste Zeit eines Deutschen über diese Distanz seit 25 Jahren, seit Ingo Schultz. Thorben Finke vom SV Sigiltra Sögel wurde in 45,08 Sekunden Zweiter vor Thilo Traue (45,30). Bei den Frauen setzte sich Johanna Martin in 51,20 Sekunden durch; die verletzte Titelverteidigerin Skadi Schier fehlte. Über 1500 m der Männer verteidigte Robert Farken aus Leipzig mit 3:35,33 Minuten seinen dritten DM-Titel in Folge vor Marc Tortell (Athletics Team Karben/3:38,69). Steven Richter vom LV 90 Erzgebirge gewann das Diskuswerfen mit 66,27 m vor Henrik Janssen (64,64) und Mika Sosna (63,57); im Kugelstoßen der Frauen triumphierte Yemisi Mabry mit 19,04 m.
Insgesamt boten die Finals in Bochum-Wattenscheid eine Woche vor den European Athletics Championships in Birmingham (10. bis 16. August) zahlreiche starke Auftritte. Während die deutschen Hindernisläufer und Weitspringerinnen die EM-Normen unterboten, sorgten Athleten wie Joshua Abuaku auch für Enttäuschungen: Nach knapp verpasster Bestätigungsnorm am Vortag reichte es für ihn nur zu Platz sechs. Die Titelkämpfe zeigten aber auch, dass die deutsche Leichtathletik über mehrere Disziplinen hinweg in guter Form ist – nicht zuletzt dank der Rückkehrerinnen Assani und Krause.
Die DM-Titel im Überblick: Weitsprung Frauen 1. Mikaelle Assani 6,67 m, 2. Malaika Mihambo 6,63 m, 3. Tabea Christ 6,52 m. 3000 m Hindernis Frauen 1. Gesa Krause 9:24,40, 2. Olivia Gürth 9:27,08, 3. Lea Mayer 9:30,96. 400 m Hürden Männer 1. Emil Agyekum 47,65, 2. Owe Fischer-Breiholz 48,08. 200 m Männer 1. Owen Ansah 20,13. 400 m Männer 1. Jean Paul Bredau 44,72. 400 m Frauen 1. Johanna Martin 51,20. 1500 m Männer 1. Robert Farken 3:35,33. Diskus Männer 1. Steven Richter 66,27. Kugelstoßen Frauen 1. Yemisi Mabry 19,04.
Fragen & Antworten
Wer hat Malaika Mihambo im Weitsprung geschlagen?
Mikaelle Assani gewann den Weitsprung-Titel bei den Deutschen Meisterschaften in Bochum-Wattenscheid mit 6,67 m und verwies die 32-jährige Titelverteidigerin Malaika Mihambo (6,63 m) auf den zweiten Platz.
Welche Rekorde stellten Agyekum und Krause auf?
Emil Agyekum steigerte den 400-m-Hürden-Meisterschaftsrekord auf 47,65 Sekunden, nachdem er acht Tage zuvor den deutschen Rekord von Harald Schmid auf 47,45 Sekunden verbessert hatte. Gesa Krause verbesserte ihren eigenen DM-Rekord über 3000 m Hindernis auf 9:24,40 Minuten.
Wann finden die nächsten Europameisterschaften statt?
Die European Athletics Championships 2026 sind für den 10. bis 16. August in Birmingham angesetzt; mehrere deutsche Athletinnen und Athleten haben bereits die Normen erfüllt.