USA-Iran-Konflikt: Neue Angriffe gefährden Friedensdeal | nachrichten360
Angriffe trotz Waffenruhe: Ist ein Friedensdeal zwischen den USA und dem Iran noch möglich?
Washington, 26. Mai 2026
Bundesministerium für Europa, Integration und Äusseres / Wikimedia Commons / CC BY 2.0
Kurzfassung
Trotz einer weitgehend haltenden Waffenruhe haben die USA erneut Ziele im Iran und in der Straße von Hormus angegriffen. Während die Verhandlungen in Doha weitergehen, dämpfen sowohl Donald Trump als auch Teheran die Hoffnungen auf eine schnelle Einigung.
Während in Katar über ein Ende des Krieges verhandelt wird, haben die USA in der Nacht auf Dienstag erneut militärische Ziele im Süden des Irans und Boote in der Straße von Hormus angegriffen.
Militärschläge als „Selbstverteidigung“
Das US-Militär bestätigte die Angriffe und bezeichnete sie als „Selbstverteidigungsmaßnahmen“. Nach Angaben des US-Zentralkommandos (Centcom) richteten sich die Schläge gegen Boote der iranischen Revolutionsgarden, die offenbar Seeminen in der strategisch wichtigen Meerenge verlegen wollten, sowie gegen Raketenabschussrampen im Süden des Landes.
Iranische Medien berichteten von mehreren Explosionen in der Küstenstadt Bandar Abbas und nahe der Straße von Hormus. Die Nachrichtenagentur Mehr meldete, die Lage sei unter Kontrolle. Zudem behauptete die Revolutionsgarde, eine US-Drohne vom Typ MQ-9 abgeschossen zu haben, nachdem diese in den iranischen Luftraum eingedrungen sei.
Die neuen Kampfhandlungen überschatten die laufenden Friedensverhandlungen. US-Außenminister Marco Rubio sagte, die Abstimmung über die genauen Formulierungen eines ersten Abkommens könne noch einige Tage dauern. Er halte eine Einigung aber weiterhin für möglich.
Die Straße von Hormus müsse „so oder so“ offen bleiben, so Rubio mit Blick auf die jüngsten Militärschläge. Das iranische Vorgehen in der für die Weltwirtschaft wichtigen Meerenge sei „rechtswidrig und illegal – es ist für die Welt untragbar und nicht akzeptabel“.
Trumps widersprüchliche Signale
US-Präsident Donald Trump selbst hat sich zu den jüngsten Angriffen noch nicht geäußert. Seine öffentlichen Signale zu den Verhandlungen schwankten in den vergangenen Tagen jedoch erheblich. Am Samstag hatte er auf seiner Plattform Truth Social noch „Peace“ in großen Buchstaben verkündet und erklärt, eine Vereinbarung mit dem Iran sei „weitgehend ausgehandelt“.
Nur einen Tag später dämpfte er die Hoffnungen auf eine schnelle Einigung und teilte mit, er habe seine Vertreter angewiesen, nichts zu überstürzen. Am Montag hieß es von ihm, es werde nur einen „großartigen Deal“ für alle geben oder gar keinen. Zuvor hatte Trump gefordert, dass das iranische Uran entweder unverzüglich an die Vereinigten Staaten übergeben oder an einem anderen akzeptablen Ort vernichtet werden müsse.
Auch aus Teheran kamen zurückhaltende Signale. Esmail Baghaei, Sprecher des iranischen Außenministeriums, sagte am Montag, die Seiten hätten sich zwar angenähert, mit einem kurzfristigen Abschluss sei aber nicht zu rechnen. Die Verhandlungen sollen demnach fortgesetzt werden, anstatt in einem unmittelbaren Deal zu münden.
Die USA und Israel hatten am 28. Februar gemeinsam einen Krieg gegen den Iran begonnen. Seitdem hat das geschwächte islamistische Regime in Teheran erhebliche Schäden durch die Luftangriffe erlitten. Der Krieg hat die Vereinigten Staaten nach eigenen Angaben ein Vermögen gekostet.
Ein zentraler Streitpunkt ist die Zukunft des iranischen Atomprogramms. Die Verhinderung einer iranischen Atombombe war eines der erklärten Kriegsziele der USA und Israels. Trump erwartet, dass der Iran sein angereichertes Uran an die USA übergibt oder es im Iran unter Aufsicht internationaler Beobachter vernichtet wird.
Der Streit um das Atomprogramm
Der Umgang mit rund 400 Kilogramm hochangereichertem Uran aus Teheran ist ein Kernpunkt der Verhandlungen. Laut US-Regierungskreisen hat der Iran grundsätzlich der Übergabe seines hochangereicherten Urans zugestimmt. Ein iranischer Sprecher erklärte jedoch, dass Gespräche über das Atomprogramm nur innerhalb einer 60-tägigen Frist stattfinden könnten.
Die Straße von Hormus ist ein weiterer entscheidender Faktor. Teheran hat die Meerenge kurz nach Kriegsbeginn de facto geschlossen, was die globalen Energiepreise in die Höhe schnellen ließ. Die USA reagierten mit einer Blockade iranischer Häfen. Der Iran betrachtet die Kontrolle über die Wasserstraße als Trumpfkarte und zögert, diese aufzugeben.
Laut der US-Nachrichtenwebsite Axios soll mit der derzeit diskutierten Vereinbarung die seit April geltende Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA um 60 Tage verlängert werden. Unter dem Abkommen würde die Straße von Hormus wieder für die Schifffahrt geöffnet und der Iran dürfte sein sanktioniertes Öl frei verkaufen.
Die Straße von Hormus als Faustpfand
Im Gegenzug würden Sanktionen gegen Teheran gelockert und eingefrorene Vermögenswerte in Milliardenhöhe freigegeben. Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim fordert der Iran Gelder in Höhe von rund 24 Milliarden Dollar. Washington habe in den Verhandlungen bereits zugesagt, einen Teil der im Ausland eingefrorenen iranischen Gelder freizugeben.
Die USA begründeten die jüngsten Angriffe als Maßnahmen zum Schutz der eigenen Truppen. Die USA sagen, ihre Streitkräfte in der Region seien wiederholt durch Drohnen- oder Raketenangriffe bedroht worden – meist durch Milizen, die vom Iran unterstützt werden. Die Luftschläge seien deshalb eine direkte Reaktion gewesen, um solche Angriffe zu stoppen und weitere zu verhindern.
Die USA wollen nach Einschätzung von SRF-USA-Korrespondentin Barbara Colpi betonen, dass sie den Waffenstillstand nicht grundsätzlich verletzen und so eine Eskalation verhindern. Gleichzeitig wolle man den Druck auf den Iran erhöhen. Die politische Linie der USA ist nicht immer klar, so Colpi. Die USA senden mit dem Angriff ein klares Signal.
Der Iran warf den USA eine grobe Verletzung der Waffenruhe vor und behielt sich Vergeltungsmaßnahmen vor. Am Dienstag wurden jedoch keine weiteren Angriffe gemeldet. Die Verhandlungen über ein Ende des Krieges wurden unterdessen wie geplant in Katar fortgesetzt.
Der blutige Nebenkriegsschauplatz Libanon
Ein weiterer Konfliktherd ist der Libanon. Die israelische Armee und die mit dem Iran verbündete schiitische Hisbollah-Miliz führen dort trotz einer offiziellen Waffenruhe weiterhin einen blutigen Krieg. Der Krieg im Libanon hat Hunderttausende in die Flucht gezwungen und fordert täglich Opfer. Israel hat seitdem Teile des Südlibanons besetzt.
Teheran verlangt, dass eine Waffenruhe auch ein Ende der Kämpfe im Libanon einschließen muss. Israel drängt die USA jedoch, in ein mögliches Friedensabkommen mit dem Iran aufzunehmen, dass Israel im Libanon weiterhin militärisch operieren darf. Trump versicherte seinen Verbündeten, dass Frieden am Golf nicht automatisch ein Ende der Kämpfe im Libanon bedeuten würde.
Israels Finanzminister Bezalel Smotrich forderte am Montag, die Armee solle den Krieg im Nachbarland stattdessen ausweiten. Die Golfstaaten, die am stärksten unter dem Krieg leiden, drängen auf eine Verhandlungslösung. Die Ölpreise stiegen am Dienstag, da der Optimismus der Anleger auf ein baldiges Friedensabkommen durch die aktuellen US-Luftangriffe gedämpft wurde.
Das 2015 über mehrere Jahre ausgehandelte Atomabkommen mit dem Iran war von Trump 2018 in seiner ersten Amtszeit aufgekündigt worden. Nun scheint eine neue, fragile Architektur für einen Frieden zu entstehen, die jedoch von gegenseitigem Misstrauen und anhaltender Gewalt überschattet wird.
Fragen & Antworten
Warum haben die USA trotz der laufenden Waffenruhe erneut Ziele im Iran angegriffen?
Das US-Militär bezeichnet die Angriffe als „Selbstverteidigungsmaßnahmen“ zum Schutz der eigenen Truppen, die nach eigenen Angaben wiederholt durch vom Iran unterstützte Milizen bedroht wurden.
Was ist der zentrale Streitpunkt bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran?
Ein zentraler Streitpunkt ist die Zukunft des iranischen Atomprogramms, insbesondere der Umgang mit rund 400 Kilogramm hochangereichertem Uran, das Teheran nach dem Willen von Donald Trump abgeben oder vernichten soll.
Welche Rolle spielt die Straße von Hormus in dem Konflikt?
Der Iran hat die für den globalen Handel und die Energieversorgung wichtige Meerenge de facto geschlossen, was die Ölpreise in die Höhe trieb; die Wiedereröffnung ist eine zentrale Bedingung der USA für ein Abkommen.