30 Jahre Haft für Guo Wengui: New Yorker Gericht verurteilt chinesischen Immobilienmagnaten wegen Betrugs
New York, 30. Juni 2026
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Kurzfassung
Ein Bundesgericht in New York hat den chinesischen Immobilienmagnaten Guo Wengui am Montag zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Geschworenen hatten ihn zuvor unter anderem wegen Anlagebetrugs, Geldwäsche und Erpressung für schuldig befunden; die Staatsanwaltschaft beziffert den Schaden auf mehr als eine Milliarde US-Dollar.
Am Montag hat ein Bundesgericht in New York den chinesischen Immobilienmagnaten und selbsternannten Demokratieaktivisten Guo Wengui – auch bekannt als Miles Kwok – zu einer Freiheitsstrafe von 30 Jahren verurteilt, nachdem ihn eine Jury zuvor unter anderem wegen Anlagebetrugs, Geldwäsche und Erpressung schuldig gesprochen hatte.
Das Strafmaß und der Schuldspruch
Die Urteilsverkündung am Montag fiel knapp zwei Jahre nach dem Schuldspruch aus dem Jahr 2024. Zu diesem Zeitpunkt war allein noch die Höhe des Strafmaßes offen, wie aus Gerichtsdokumenten hervorgeht. Bei der Verkündung im voll besetzten Saal jubelten dem 56-jährigen Chinesen vor allem eigene Anhänger zu, die Plätze bis auf den letzten Stuhl füllten.
Die Staatsanwaltschaft hatte ein Strafmaß von mindestens 30 Jahren gefordert. In ihrem Plädoyer erklärten die Ankläger: "In diesem außergewöhnlichen Fall kann es keine Gerechtigkeit geben ohne ein außergewöhnliches Strafmaß." Die Anklage argumentierte zudem, die Taten Guos überstiegen jene des wegen Kryptobetrugs verurteilten Sam Bankman-Fried, der derzeit eine 25-jährige Haftstrafe verbüßt.
Der vorsitzenden Richterin zufolge fügte Guo seinen Opfern "grossen finanziellen und emotionalen Schaden" zu. Statt mit dem Kapital seiner Kunden auf einen demokratischen Wandel in China hinzuarbeiten, habe er damit seinen "extravaganten Lebensstil" finanziert.
Vom Pekinger Tycoon zum New Yorker Bekenntnis
Die Anklage wirft Guo und einem mitangeklagten Finanzier vor, Hunderttausende Online-Follower mit falschen Versprechen zu Investitionen in verschiedene Firmen und Programme bewegt zu haben. Insgesamt beläuft sich der von der Staatsanwaltschaft angegebene Schaden auf mehr als eine Milliarde US-Dollar; mehrere Hundert Millionen Dollar sollen veruntreut worden sein.
Zudem ordnete das Gericht laut Gerichtsdokumenten die Einziehung von Vermögenswerten in Höhe von rund 889 Millionen US-Dollar – etwa 800 Millionen Euro – an. Die Berichterstattung über das Urteil übernahmen unter anderem das Wall Street Journal und Politico.
In Peking hatte sich Guo Wengui bis zu seiner Flucht als Immobilienmagnat betätigt. Kurz vor Beginn der Olympischen Sommerspiele 2008 eröffnete der Tycoon im Norden Pekings das Pangu Plaza. Der mondäne Bau mit Blick auf das Olympiastadion bestand aus einem Komplex mit Luxusapartments und einem Hotel – dem ersten Sieben-Sterne-Hotel der Welt, wie Guo Besuchern zu erklären pflegte.
Ein kommerzieller Erfolg wurde der Luxuskomplex nie. Weder die Wohnungen verkauften sich noch verdiente der Tycoon mit dem Hotel viel Geld. Um den Verkauf der Wohnungen in Fahrt zu bringen, verbreitete Guo Geschichten, nach denen unter anderem der Microsoft-Gründer Bill Gates und die Schauspielerin Angelina Jolie Apartments im Pangu Plaza gekauft hätten. Beide stritten die Behauptungen später ab.
Geldprobleme nach den Olympischen Spielen 2008
Kurz nach Ende der Olympischen Sommerspiele 2008 musste ein Hongkonger Hedgefonds dem Geschäftsmann mit einem niedrigen dreistelligen Millionen-Dollar-Betrag aushelfen – Guo Wengui musste Kredite bedienen. Als die Anti-Korruptions-Kampagne von Staats- und Parteichef Xi Jinping im Jahr 2015 richtig Fahrt aufnahm, setzte sich Guo Wengui nach New York ab.
Dort angekommen, kaufte der Tycoon als erstes ein Penthouse mit Blick auf den Central Park. Wenig später erwarb er unter anderem eine Luxusjacht und ein Apartment an der New Yorker Fifth Avenue – der Reichtum stammte laut Anklage aus den Mitteln seiner Investoren.
Vom ersten Tag an erklärte Guo Wengui öffentlich, er werde sich von den USA aus für einen demokratischen Wandel in China einsetzen und nichts unversucht lassen, um die Kommunistische Partei zu Fall zu bringen. Um potenzielle Kunden für sich einzunehmen, gerierte sich Guo als Aktivist, der die Kommunistische Partei stürzen und China die Demokratie bringen wolle.
Netzwerk aus Aliassen und Online-Anhängern
Über eine Online-Plattform soll Guo gutgläubigen Anlegern mehr als eine Milliarde Dollar entlockt haben. Sein Netzwerk an Pseudonymen war breit gefächert: Allein die Anklageschrift listet neben dem Namen Guo Wengui sechs weitere Aliasse auf. Die Staatsanwaltschaft sprach davon, Guo habe sich verschiedener Identitäten bedient, um Anhänger um Geld zu bringen.
Zu seinen Vertrauten gehörten unter anderem die Brüder Lin Qiang und Lin Di. Die Ur-Ur-Urenkel von Lin Zexu bekleideten wichtige Positionen im chinesischen Sicherheitsapparat. Kurz vor Guos Flucht ins amerikanische Exil nahmen die chinesischen Behörden Ermittlungen gegen die Lin-Brüder und Guo Wengui selbst auf; zudem war ein hochrangiger Politiker und einer seiner engsten Vertrauten festgenommen worden.
Verbindungen in US-Regierungskreise
In den USA pflegte Guo Wengui enge Kontakte in regierungsnahen Kreisen. So war etwa Steve Bannon einer seiner Vertrauten. Bannon hatte Donald Trump während dessen erster Amtszeit als US-Präsident als Berater gedient. Im Jahr 2020 war Bannon auf einer Guo gehörenden Jacht festgenommen worden; Trump begnadigte Bannon später.
In China war Guo bereits 2014 geflohen, um sich einer Strafverfolgung wegen Bestechung und Veruntreuung in seiner Heimat zu entziehen. Später wurde er von Interpol auf Ersuchen der chinesischen Regierung als Flüchtiger geführt. Die Volksrepublik zeigte sich über das Urteil in New York informiert: Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking erklärte, China habe die entsprechenden Berichte zur Kenntnis genommen.
Reaktionen aus Peking
Über die Online-Plattform und das Netzwerk an Pseudonymen soll Guo mit seinem Finanzier Hunderttausende Follower mit erfundenen Versprechen zu renditestarken Investments oder Luxusdienstleistungen gelockt haben. Die eingeworbenen Gelder flossen demnach überwiegend in den aufwendigen Lebensstil des Geschäftsmanns – statt, wie angekündigt, in politische Projekte.
Mit der nun verkündeten Strafe von 30 Jahren ist das Verfahren gegen Guo Wengui in den USA nach dem Schuldspruch aus dem Jahr 2024 abgeschlossen. Die Summe aus Haftstrafe und Vermögenseinzug gilt Beobachtern als eines der härtesten Urteile gegen einen aus China geflohenen Geschäftsmann auf US-Boden.
Fragen & Antworten
Wer ist Guo Wengui?
Guo Wengui, auch Miles Kwok genannt, war ein chinesischer Immobilienunternehmer, der unter anderem das Pangu Plaza in Peking errichtete und 2015 in die USA floh. In den USA gab er sich als Demokratieaktivist aus und wurde 2024 in New York unter anderem wegen Anlagebetrugs, Geldwäsche und Erpressung verurteilt.
Weshalb erhielt Guo Wengui ausgerechnet 30 Jahre Haft?
Die Staatsanwaltschaft hatte mindestens 30 Jahre gefordert und ihre Forderung mit dem Ausmaß der Taten begründet, die sie als schwerwiegender einstufte als den Fall des Kryptobetrugers Sam Bankman-Fried, der 25 Jahre verbüßt. Die vorsitzende Richterin verwies auf den großen finanziellen und emotionalen Schaden für die Opfer sowie die Finanzierung des extravaganten Lebensstils aus deren Mitteln.
Was geschah mit den Vermögenswerten Guos?
Das Gericht ordnete nach Angaben aus Gerichtsdokumenten die Einziehung von Vermögenswerten in Höhe von rund 889 Millionen US-Dollar an. Die Staatsanwaltschaft beziffert den gesamten Schaden durch Guos Geschäfte auf mehr als eine Milliarde US-Dollar.
Guo Wengui zu 30 Jahren Haft verurteilt – Prozess in New | nachrichten360