ADFC-Sternfahrt Berlin 2026: 30.000 Radfahrer demonstrieren | nachrichten360
30.000 Radfahrer bei 50. ADFC-Sternfahrt in Berlin – Demonstration für bessere Radinfrastruktur
Berlin, 07. Juni 2026
Jörg Braukmann / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Rund 30.000 Menschen haben sich am Sonntag an der 50. Sternfahrt des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in Berlin beteiligt. Auf rund 20 Routen aus Berlin und Brandenburg radelten sie in das Zentrum, um bessere und sichere Radwege zu fordern.
Rund 30.000 Radfahrerinnen und Radfahrer haben am Sonntag an der 50. Sternfahrt des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in das Zentrum von Berlin teilgenommen und auf 20 Routen aus Berlin und Brandenburg für eine bessere Radinfrastruktur demonstriert.
Nach Angaben von Polizei und Veranstalter beteiligten sich am Sonntagnachmittag rund 30.000 Menschen an der traditionsreichen Sternfahrt des ADFC in Berlin. Damit hat sich die Teilnehmerzahl im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt: 2025 hatten nach Polizeiangaben etwa 13.500 Menschen an der Aktion teilgenommen. Die diesjährige Ausgabe stand unter dem Motto "Die Zukunft fährt Rad" und war die 50. Auflage der Veranstaltung.
Tradition und Rekordbeteiligung
Die Sternfahrt ist nach Angaben des ADFC seit Jahren als Demonstration angemeldet. Dieser Status ermöglichte es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, zeitweise Straßen und sogar Autobahnabschnitte wie die Avus (A115) und die A100 zu befahren. Auf rund 20 Routen mit einer Gesamtlänge von mehr als 1.000 Kilometern führten die Wege in die Innenstadt Berlins zum Großen Stern, wo noch bis 18 Uhr ein Umweltfestival stattfand.
Einige Routen starteten bereits am frühen Sonntagmorgen in Brandenburg, unter anderem in Oranienburg, Eberswalde und Brandenburg an der Havel. Längere Nachttouren begannen zudem in Leipzig und Stettin. Neben den Hauptrouten gab es fünf Zubringertouren aus Berlin und Brandenburg sowie eine eigene Strecke für Kinder durch die Berliner Innenstadt. Viele Familien mit Kindern schlossen sich unterwegs dem Radkorso an.
Routen aus Brandenburg und dem Umland
In Berlin wurden die Radfahrerinnen und Radfahrer nach und nach auf die Stadtautobahn geführt und schließlich zum Großen Stern an der Siegessäule geleitet. Wegen der Demonstration waren zahlreiche Straßen für den Autoverkehr gesperrt, darunter die Straße des 17. Juni und die Ebertstraße ganztägig. Zwischen etwa 12 und 14:30 Uhr waren zudem die A100 zwischen Dreieck Neukölln und Spandauer Damm sowie die A115 (Avus) zwischen Kreuz Zehlendorf und Dreieck Funkturm nicht befahrbar.
Die Verkehrsinformationszentrale Berlin informierte auf ihrer Website viz.berlin.de über die Sperrungen und riet, statt des Autos S- und U-Bahnen zu nutzen. Autofahrerinnen und Autofahrer mussten auf Umleitungsstrecken ausweichen. Die meisten gesperrten Strecken sollten ab dem Nachmittag wieder freigegeben werden.
Verkehrslage und Sperrungen
Marlene Alber, Politische Referentin des ADFC Berlin, sagte: "Die Menschen wollen von Herzen Radfahren, dennoch drängt die Politik sie an den Rand und schickt sie auf unsichere Wege". Sie forderte die Verkehrspolitik auf, die Belange der Radfahrer endlich ernst zu nehmen und mehr für sichere Radwege zu tun. Konkret verlangte der ADFC: "Wir fordern Ausbau statt Rückbau, Investitionen statt Kürzungen. Damit Radfahren jeden Tag sicher und komfortabel möglich ist."
Forderungen des ADFC
Der ADFC setzt sich nach eigenen Angaben seit Jahrzehnten im Rahmen der Sternfahrt für bessere Bedingungen für den Radverkehr ein. Die Veranstaltung solle laut ADFC die Forderung nach einem besseren Fahrradverkehr unterstreichen. Dazu gehöre insbesondere der Ausbau sicherer und komfortabler Radwege, die den Alltagsradverkehr in der Hauptstadtregion stärken.
Die Polizei und der Veranstalter hatten die Zahl von rund 30.000 Teilnehmenden am Sonntagnachmittag übereinstimmend genannt. Damit erreichte die Jubiläumssternfahrt einen neuen Rekord und unterstrich die wachsende Bedeutung des Radverkehrs in der Region Berlin-Brandenburg.
Die Sternfahrt gilt als eine der größten Fahrraddemonstrationen Deutschlands. Sie findet jährlich statt und zieht Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem gesamten Berliner Umland und darüber hinaus an. In diesem Jahr starteten die längsten Anfahrten bereits in der Nacht, um den Großen Stern am Mittag zu erreichen.
Zeichen für klimafreundliche Mobilität
Mit der Demonstration sollte laut ADFC auch ein Zeichen für eine klimafreundliche Mobilitätspolitik gesetzt werden. Die Verbindung mit dem Umweltfestival am Großen Stern unterstrich diesen Charakter. Familien, Kinder und Erwachsene feierten gemeinsam das Ende der gemeinsamen Fahrt mit Musik, Infoständen und Verpflegung.
Der ADFC Berlin sieht die hohe Beteiligung als Bestätigung dafür, dass viele Menschen sich eine radfreundlichere Verkehrspolitik wünschen. Die Demonstration solle den Druck auf Politik und Verwaltung erhöhen, die Bedingungen für das Radfahren spürbar zu verbessern. Dazu zählten nach Angaben des Verbands geschützte Radwege, sichere Kreuzungen und eine bessere Anbindung des Umlands an die Innenstadt.
Die Sperrungen führten am Sonntag zu erheblichen Behinderungen im Berliner Stadtverkehr. Die Verkehrsinformationszentrale empfahl, weiträumig auszuweichen oder den Öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Mit der schrittweisen Öffnung der Strecken ab dem Nachmittag normalisierte sich die Lage laut Behörde wieder.
Insgesamt zeigt die 50. ADFC-Sternfahrt, dass das Fahrrad in der Hauptstadtregion eine wachsende Rolle spielt. Die Rekordbeteiligung und die prominente Forderung nach Investitionen in die Radinfrastruktur setzen ein deutliches Signal an die Berliner Verkehrspolitik – mit Blick auf die kommenden Haushaltsverhandlungen und die weitere Stadtplanung.
Die nächste Sternfahrt ist für 2027 geplant, wie der ADFC mitteilte. Dann soll es laut Veranstalter erneut darum gehen, den Forderungen nach sicheren, ausgebauten und komfortablen Radwegen Nachdruck zu verleihen – in Berlin und im Umland.
Fragen & Antworten
Wer ist Marlene Alber und welche Rolle spielt sie bei der Sternfahrt?
Marlene Alber ist Politische Referentin des ADFC Berlin und trat bei der 50. Sternfahrt als Sprecherin des Veranstalters auf. Sie formulierte die zentralen Forderungen des ADFC an die Berliner Verkehrspolitik.
Warum durften die Radfahrerinnen und Radfahrer Autobahnen in Berlin befahren?
Die Sternfahrt ist beim ADFC seit Jahren als Demonstration angemeldet. Dieser Status erlaubt es den Teilnehmenden, zeitweise Straßen und Autobahnabschnitte wie die A100 und die A115 (Avus) zu nutzen, die sonst dem Autoverkehr vorbehalten sind.
Welche Straßen und Autobahnen waren am 7. Juni 2026 in Berlin gesperrt?
Die Straße des 17. Juni und die Ebertstraße waren ganztägig gesperrt. Zwischen etwa 12 und 14:30 Uhr kamen Sperrungen auf der A100 zwischen Dreieck Neukölln und Spandauer Damm sowie auf der A115 (Avus) zwischen Kreuz Zehlendorf und Dreieck Funkturm hinzu.