Zverev gewinnt French Open: Erster Grand-Slam-Titel in Paris | nachrichten360
Zverev gewinnt French Open: Erster Grand-Slam-Titel in Paris
Paris, 07. Juni 2026
Keith Allison from Hanover, MD, USA / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0
Kurzfassung
Alexander Zverev hat die French Open in Paris gewonnen und damit seinen ersten Grand-Slam-Titel geholt. Der 29-jährige Hamburger setzte sich im Endspiel gegen den Italiener Flavio Cobolli mit 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 (5:7), 6:1 durch und ist der erste deutsche Grand-Slam-Champion seit Boris Becker vor 30 Jahren.
Der 29-jährige Hamburger Alexander Zverev hat am Sonntag die French Open in Paris gewonnen und mit einem 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 (5:7), 6:1 gegen den Italiener Flavio Cobolli seinen ersten Grand-Slam-Titel der Karriere errungen.
Verlauf des Endspiels
Auf dem Court Philippe Chatrier in Paris verwandelte Zverev im fünften Satz seinen zweiten Matchball und beendete damit eine lange Durststrecke. Nach 4 Stunden und 16 Minuten durfte der gebürtige Hamburger die Coupe des Mousquetaires in Empfang nehmen. «Jetzt ist es endlich ein Happy End», sagte Zverev bei der Siegerehrung. Mit dem Triumph ist er der erste deutsche Grand-Slam-Champion im Herreneinzel seit Boris Becker am Australian Open 1996.
Das Endspiel begann für Zverev optimal. Er gewann den ersten Satz mit 6:1 und nahm Cobolli dabei dreimal den Aufschlag ab. «Die Zuschauer im ausverkauften Court Philippe Chatrier erlebten in der Folge ein ständiges Auf und Ab», hieß es im Bericht des Deutschlandfunks. Cobolli steigerte sich nach der anfänglichen Nervosität und gewann den zweiten Durchgang, indem er Zverevs Aufschlag zum 3:4 brach.
Zverev, in der Weltrangliste auf Platz drei geführt und als Nummer zwei gesetzt, schlug im dritten Satz zurück und ging mit 6:4 erneut in Führung. Im vierten Abschnitt fiel die Entscheidung erst im Tiebreak. Nach insgesamt vier Breaks musste der Tiebreak gespielt werden. Cobolli wehrte einen Satzball ab, nachdem er einen Smash unverständlich ins Aus setzte, und glich mit einem Vorhand-Passierball aus. Mit 7:5 sicherte sich der Italiener den Tiebreak.
Zverevs Leidensweg zu Major-Titeln
Im Entscheidungssatz zeigte Zverev wieder seine Dominanz. Mit 6:1 entschied er den Satz und das Match für sich. Zverev hatte im Verlauf der Partie gegen Ende des vierten Satzes mit muskulären Problemen zu kämpfen und ließ sich auf der Bank die Oberschenkel massieren. «Ich wäre lieber der schlechteste Spieler, der schon ein Grand Slam gewinnen konnte», hatte Zverev vor dem Endspiel gesagt.
Für Zverev war es das vierte Grand-Slam-Finale seiner Karriere. Die ersten drei hatte er verloren: 2020 unterlag er Dominic Thiem in fünf Sätzen, als er bereits mit zwei Sätzen in Führung lag. 2024 verlor er in Melbourne gegen Jannik Sinner. Im vergangenen Jahr unterlag er zudem in Paris Carlos Alcaraz, obwohl er mit 2:1 Sätzen vorne gelegen hatte. «Wir waren eine Zeit lang auch Verlierer in den entscheidenden Momenten, aber am Ende des Tages sind wir jetzt Grand-Slam-Champions - und das ist das, was zählt», sagte Zverev.
Cobolli als Überraschungsfinalist
Zverev ist nach Becker, Michael Stich, Steffi Graf und Angelique Kerber der fünfte deutsche Grand-Slam-Champion im Einzel. Bei den Damen hatte zuletzt Angelique Kerber 2018 in Wimbledon triumphiert. Boris Becker, der die Australian Open 1996 gewonnen hatte, äußerte sich als Experte für Eurosport: «Er hat das mehr als verdient.» Becker lobte auch die mentale Stärke Zverevs im Turnierverlauf. «Seit der Niederlage von Jannik Sinner redet jeder davon, dass Alexander Zverev nun der Favorit ist», sagte Becker.
Der 24 Jahre alte Cobolli war als Überraschungsfinalist in sein erstes Grand-Slam-Endspiel gestartet. In der Weltrangliste steht er auf Platz 14 und wird am folgenden Montag erstmals in die Top Ten einziehen. Zverev beschrieb den Italiener als Freund: «Er ist super talentiert, super jung, er verbessert sich immer wieder.» Über Cobolli sagte Zverev zudem: «Für mich ist er einfach ein netter Mensch. Er hat ein gutes Herz.»
Cobolli hatte das Halbfinale durch einen Walkover erreicht, da sein Landsmann Matteo Arnaldi krankheitsbedingt hatte zurückziehen müssen. «Keinen Unterschied. Ich fühle mich gut, ich habe auch keine brutal langen Matches gehabt», sagte Zverev vor dem Endspiel. Cobolli stammt aus demselben römischen Tennisclub wie Adriano Panatta, den letzten italienischen Sieger der French Open bei den Herren aus dem Jahr 1976.
Absagen und frühe Niederlagen der Konkurrenz
Die Turnierleitung hatte Panatta anlässlich des 50. Jahrestages seines Triumphes gebeten, die Coupe des Mousquetairs an den Sieger zu überreichen. «Nicht zu glauben, wie Cobolli jetzt aufdreht», kommentierte Becker den Endkampf. Zverev reiht sich damit in eine illustre Riege von Spielern ein, die ihren ersten Major-Titel im vierten Anlauf gewannen: Andre Agassi, Goran Ivanisevic und Dominic Thiem hatten dies ebenfalls geschafft.
Der Weg zum Titel war für Zverev auch deshalb geebnet, weil die größten Konkurrenten früh ausschieden oder fehlten. Die topgesetzten Jannik Sinner und Novak Djokovic schieden bereits in den ersten Runden aus. Sinner hatte bei großer Hitze eine 5:1-Führung im dritten Satz gegen Juan Manuel Cerundolo noch abgegeben und war in der zweiten Runde ausgeschieden. Djokovic verlor tags darauf. Der zweimalige Titelverteidiger Carlos Alcaraz hatte seine Teilnahme wegen einer Handgelenksverletzung am rechten Arm vor Turnierbeginn abgesagt.
Zverev hatte im gesamten Turnierverlauf nur drei Sätze abgegeben. Im Halbfinale besiegte er den Tschechen Jakub Mensik in vier Sätzen. «Das Einzige, worauf ich Einfluss habe, ist mein nächstes Match», sagte Zverev vor dem Endspiel. Zverev hatte in seiner Karriere zuvor 41 Grand-Slam-Turniere bestritten, ohne zu triumphieren. Sein 25. Titel insgesamt ist nun der bedeutendste.
Historische Dimension des Sieges
Bereits am Samstag hatte die Russin Mirra Andreeva, 19 Jahre alt, die Damenkonkurrenz gewonnen. Sie besiegte die Polin Maja Chwalinska in zwei Sätzen. Das Gesamtpreisgeld der Herrenkonkurrenz in Roland Garros beträgt 61,723 Millionen Euro. Das Turnier wird auf Sand ausgetragen.
Schon in der Vergangenheit hatte Zverev Schicksalsschläge in Paris hinnehmen müssen. 2022 hatte er sich im Halbfinale gegen Rafael Nadal schwer am Fuß verletzt und war im Rollstuhl vom Platz gebracht worden. Dass er nun an gleicher Stelle den Titel holte, machte den Erfolg für ihn besonders. Bei der Pokalübergabe trug Zverev ein frisches Hemd, da das ursprüngliche einen großen Salzrand durch den Schweiß aufwies. Die Inschrift auf den Tribünen des Court Philippe Chatrier lautet «victory belongs to the most tenacious».
Becker, dreimaliger Wimbledonsieger, betonte als Eurosport-Analyst die historische Dimension des Sieges. Seit 1968, dem Beginn der Profi-Ära, hatte kein deutscher Herrenspieler mehr einen Grand-Slam-Titel im Einzel gewonnen. Zverev durchbrach diese 30-jährige Wartezeit. Die Schlagzeile der Dokumentation «Der Unvollendete», die über Zverev gedreht worden war, hat damit ihre Gültigkeit verloren.
Ausblick auf die kommenden Turniere
Im Kreis seiner Familie feierte Zverev den Triumph. Sein Vater, seine Mutter, sein Bruder und Freunde waren in Paris anwesend. Seine Partnerin, die Fernsehmoderatorin Sophia Thomalla, war aus beruflichen Gründen nicht vor Ort. Wegen Zverevs Aberglaube sollte sie ohnehin erst zur möglichen Titelparty anreisen. Zverev, Cobolli und Mensik haben ihre Teilnahme an den Erste Bank Open in Wien bestätigt, die vom 24. Oktober bis 1. November stattfinden.
Mit dem Titel in Paris ist Zverev auch der erste Grand-Slam-Champion seit den US Open 2023, der nicht Jannik Sinner oder Carlos Alcaraz heißt. In den vergangenen neun Majors hatten Sinner und Alcaraz die Titel unter sich aufgeteilt. An diesem sonnigen Sonntagnachmittag in Paris ging die Regentschaft der beiden jungen Ausnahmespieler zu Ende. Zverev muss sich nun nicht mehr «der beste Spieler, der nie einen Grand Slam gewonnen hat» nennen lassen, wie er selbst formuliert hatte.
Fragen & Antworten
Wer ist Alexander Zverev und warum ist dieser Titel so bedeutsam?
Alexander Zverev ist ein 29-jähriger Tennisspieler aus Hamburg, der am Sonntag die French Open in Paris gewann. Es war sein erster Grand-Slam-Titel nach zuvor drei verlorenen Major-Endspielen.
Wer war Zverevs Gegner im Finale der French Open?
Zverev besiegte den 24-jährigen Italiener Flavio Cobolli, der in der Weltrangliste auf Platz 14 steht und zum ersten Mal in einem Grand-Slam-Finale stand, mit 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 (5:7), 6:1.
Wann gewann zuletzt ein deutscher Herrenspieler einen Grand-Slam-Titel?
Der letzte deutsche Grand-Slam-Champion bei den Herren war Boris Becker, der 1996 die Australian Open gewann. 30 Jahre später holte Zverev den Titel in Paris.