Freinacht Zürich: Public Viewing gegen Argentinien erlaubt | nachrichten360
Zürcher Gastronomie darf Viertelfinal in der Nacht zeigen – nach gescheiterter Prohibition
8.7.2026
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Kurzfassung
Wegen des Schweizer Viertelfinals gegen Argentinien um 3.00 Uhr MESZ haben Zürich, Basel und der Kanton Bern die Sperrstunde für die Nacht auf Sonntag aufgehoben. Restaurants dürfen das Spiel drinnen übertragen, Public Viewings im Freien sind unter Auflagen möglich. Die Alternative Linke scheiterte im Parlament mit dem Versuch, die WM zu boykottieren.
Wegen des Viertelfinalspiels der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft gegen Argentinien am frühen Sonntagmorgen (3.00 Uhr MESZ) haben mehrere Schweizer Städte und Kantone die Nacht auf Sonntag zur Freinacht erklärt und lassen Gastronomiebetriebe die Partie übertragen.
In Zürich verfügte Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart eine Freinacht im «Inneren von Gastwirtschaftsbetrieben». Wie die Stadt am Mittwoch mitteilte, dürfen alle Restaurants öffnen und das Spiel drinnen übertragen. In Zürich, Basel und im gesamten Kanton Bern ist in der Nacht zum Sonntag die Sperrstunde aufgehoben. Damit fällt die Sperrstunde für alle Gastronomiebetriebe weg.
In Chur beschloss die Stadtregierung, dass Betriebe in der Ausgangsmeile Welschdörfli, die normalerweise um drei Uhr schliessen müssen, das Spiel im Innenbereich zeigen dürfen. Auch in Chur dürfen Gastronomiebetriebe auf der Ausgangsmeile Welschdörfli das Spiel im Innenbereich zeigen. Die Kneipen dort müssen normalerweise um 3.00 Uhr morgens schließen.
Regeln für draussen
Zusätzlich dürfen «Public Viewings, Gartenwirtschaftsbetriebe auf privatem Grund und Boulevard-Cafés auf öffentlichem Grund» das Spiel demnach auch draussen übertragen. Public Viewings, Gartenrestaurants und Boulevard-Cafés dürfen das Spiel auch draussen übertragen. Allerdings dürfe die Lautstärke die Umgebung nicht übermässig belasten, schreibt die Stadt weiter. So ist der Einsatz von Beamern und Verstärkeranlagen verboten, und sie dürfen maximal eine Bildschirmdiagonale von drei Metern haben. Zudem müssen die Fernsehgeräte fünfzehn Minuten nach Spielschluss ausgeschaltet werden.
Wem es zu laut wird, der kann sich an die Hotline der Bar- und Club-Kommission wenden (078 259 79 10). Die Stadt behält sich zudem vor, im Einzelfall Auflagen zu erteilen oder Verbote auszusprechen, falls es zu «berechtigten Klagen» kommen sollte. In der Folge hat der Stadtrat einem Public Viewing den Stecker gezogen, das auf dem Gustav-Gull-Platz bei der Europaallee geplant war.
Auch in anderen Landesteilen wird die Nacht gelockert: Im Kanton Bern dürfen die Wirte ihre Gäste die ganze Nacht von Samstag auf Sonntag bewirten. In einer Mitteilung appelliert der Kanton jedoch an die Fans, Rücksicht auf die Anwohnenden zu nehmen. Auch die Bars, Cafés und Restaurants im Kanton Genf können die ganze Nacht von Samstag auf Sonntag geöffnet bleiben. Das Departement für Wirtschaft, Arbeit und Energie entschied, vom Gesetz über die Restauration, den Ausschank von Getränken, die Beherbergung und die Unterhaltung abzuweichen. In Basel-Stadt informierte das Bau- und Verkehrsdepartement über die Freinacht. Auch im Kanton Jura wird es eine Freinacht geben.
Im Kanton Luzern dürfen Gastrobetriebe das Spiel drinnen und draussen übertragen. Dafür ist gemäss Staatskanzlei die übliche Bewilligung der Polizei nötig. Die Stadt Luzern ist bereit, den drei bewilligten Public Viewings eine Ausnahmeregelung zu bewilligen. Alle anderen Betriebe, die normalerweise vorher schließen, können eine Sondergenehmigung beantragen.
Das Format, das die Stadt 2022 gestartet hat, erlaubt es Gastrobetrieben, ihre Gäste bis zwei Uhr morgens in Gärten, auf Terrassen und auf Boulevards zu bedienen. In diesem Jahr werden dies rund achtzig Betriebe tun, wie die Bar- und Club-Kommission am Mittwoch mitgeteilt hat. Diese Ausnahme gilt bis zum 15. August.
Historische Dimension des Spiels
Hintergrund der ungewöhnlichen Massnahmen ist die erste Viertelfinalteilnahme bei einer Fussball-Weltmeisterschaft seit 72 Jahren. Zuletzt hatte die Schweiz bei der Heim-WM 1954 im Viertelfinale gestanden. Die Fussball-Weltmeisterschaft in Nordamerika beschert Zürich wegen der Zeitverschiebung Partystimmung zu den ungewöhnlichsten Zeiten. Am frühen Sonntagmorgen (3.00 Uhr MESZ) wird das Spiel gegen Titelverteidiger Argentinien in Kansas City angepfiffen. An Hotspots wie unter der Hardbrücke werden die Fans nicht zu bändigen sein. Abgesehen vom argentinischen Team um Superstar Lionel Messi.
Politisch sorgt die WM-Bewilligung weiter für Diskussionen. Die Alternative Linke hatte im Gemeinderat einen Vorstoss eingereicht. Darin forderte sie den Stadtrat auf, zu prüfen, «wie die Stadt Zürich ihren Protest gegen die Durchführung der Fussball-Weltmeisterschaft unter den aktuellen menschenrechtsunwürdigen Zuständen in den USA zum Ausdruck bringen kann». Die AL sieht in den USA Anhaltspunkte für faschistoide Tendenzen. Doch als die Forderung zwei Wochen vor Beginn der WM im Parlament diskutiert wurde, unterlag die AL.
Politischer Streit um die Bewilligung
Dass die Public Viewings bewilligt wurden, findet David Garcia Nuñez von der Alternativen Linken nach wie vor falsch, trotz dem kollektiven Freudentaumel der Schweizer Fans. Der Grossanlass diene primär der Fifa und autoritären Staaten zur Imagepflege, findet er. Für seine Position sei er angefeindet worden, erzählt Garcia Nuñez. Ein linker Gastrobetreiber habe ihn gefragt: «Willst du mein Geschäft kaputtmachen?» «Dagegen wollten wir ein Zeichen setzen.» Natürlich sei ihnen klar gewesen, dass sie damit die Welt nicht verändern. Es sei um eine symbolische Handlung gegangen, so wie der Fussball selbst ja etwas Symbolisches sei.
Vor vier Jahren hatte die linke Mehrheit im Stadtparlament beschlossen, Public Viewings auf öffentlichem Grund zu verbieten, und zwar aus Protest gegen die «sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen» der Stadionbauarbeiter in Katar sowie aus ökologischen Gründen. Weil die WM damals im November und Dezember stattfand, war es der einzige geplante Grossevent auf öffentlichem Grund gewesen. Severin Meier von der SP sagte: «Weder Trump noch die Fifa lassen sich davon beeindrucken.» Zürich habe einen belebten Sommer verdient.
Auch im Tessin ist die Stimmung festlich: In Locarno im Tessin soll es zur ungewöhnlich frühen Stunde gar ein Public Viewing geben. Die Veranstalter des Musikfestivals «Moon & Stars», das am Donnerstag beginnt, ersuchten die Locarneser Stadtbehörden schon vor dem Schweizer Achtelfinalspiel um die entsprechende Bewilligung. Die Stadt sagte Ja. Der Winterthurer Stadtrat will zu diesem Thema erst am Donnerstag informieren.
Fragen & Antworten
Wer hat in Zürich die Freinacht für das Viertelfinalspiel verfügt?
Die zuständige Zürcher Stadträtin Karin Rykart verfügte die Freinacht im «Inneren von Gastwirtschaftsbetrieben», wie die Stadt am Mittwoch mitteilte.
Wann findet das Spiel Schweiz gegen Argentinien statt?
Das Viertelfinalspiel wird am frühen Sonntagmorgen um 3.00 Uhr MESZ in Kansas City angepfiffen, Argentinien ist Titelverteidiger.
Warum scheiterte die Alternative Linke mit ihrem Protest gegen die WM?
Die Alternative Linke hatte im Gemeinderat einen Vorstoss eingereicht, der die Stadt auffordern sollte, die menschenrechtsunwürdigen Zustände in den USA zu thematisieren. Als die Forderung zwei Wochen vor Beginn der WM im Parlament diskutiert wurde, unterlag die AL.